Frauentausch im KaDeWe
Die langjährige Chefin des Berliner Luxuskaufhauses Ursula Vierkötter verlässt das Traditionshaus am Wittenberg Platz – im gegenseitigen Einvernehmen, wie es offiziell heißt. Interimistisch übernimmt Petra Fladenhofer, Presse- und Marketingfrau der Karstadt Premium-Group.
Ursula Vierkötter verlässt das KaDeWe, ob im Guten oder Bösen, darüber wird nur spekuliert
Deutschlands bekanntestes und bestsortiertes Kaufhaus, das Kaufhaus des Westen, besser als KaDeWe bekannt, hat eine neue Leitung. Seit letzter Woche ist es offiziell, dass die seit 2009 amtierende Chefin Ursula Vierkötter aus dem Unternehmen ausgeschieden ist. Offiziell ging sie „im gegenseitigen Einvernehmen“, doch wie so einige Zeitungen berichten, stand es nicht so gut mit dem Einvernehmen zwischen Vierkötter und dem Karstadt-Chef Andrew Jennings. Die Bild-Zeitung und der Tagesspiegel und die Morgenpost berichten alle von internen Spannungen. Es heißt, Vierkötter habe die „Ansprüche von Jennings nicht erfüllt“.
Übergangsweise hat nun Petra Fladenhofer, die zuvor Head of Marketing & Communication bei der Karstadt Premium Group (KaDeWe, Alsterhaus und Operpollinger) sowie ehemalige Pressesprecherin des KaDeWe’s war, die Leitung des Traditionshauses übernommen.
Vierkötter arbeitete mehr als zwanzig Jahre bei Karstadt. Vor ihrem Wechsel nach Berlin in 2009 leitete sie das Karstadt-Haus in Köln. Sie übernahm die Geschäftsführung von Patrice Wagner, der mit den damaligen Vorgesetzten anscheinend ebenfalls gewisse Differenzen hatte und im Konzern als „zu eigenständig“ galt.
Foto: von wird noch ergänzt (per Mail vom KaDeWe) [CC-BY-SA-3.0-de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons







Frau Vierkötter hat Herrn Jennings zur Kenntnis gegeben,das die Amtssprache in Deutschland DEUTSCH ist und ER nicht sehr viel Ahnung vom deutschen Einzelhandel hat.
Das Unternehmen KARSTADT wurde viele Jahre lang von sturren,faulen und inkompetenten
leitenden Angestellten (Vorstand) geführt.Einfach ausgedrückt -Stümper !
Das ist – und man verstehe mich bitte nicht falsch – ein echtes „jiddisches“ Geschäft!
Die 300 Mio. € Investitionen werden nie voll wirklich nachvollziehbar sein. Wenn der „Neue“ radikal ist, fällt es dem „Alten“ nicht auf die Füße. Das schützt und garantiert also gar nichts für das Kerngeschäft. Absolut nichts.
Unter Berggruen ist das KaDeWe schließlich vollends verkommen. Sagt der Stammkunde, der Urberliner.
Schon der eitle, aber maulfaule, gescheiterte „Verlustführer“ Patrice Wagner hat dem bisschen Hauch von Luxus den ersten Todesstoß verpasst, durch sein krudes, unbedachtes Outsourcing. Vor lauter Shops in Shop war kaum einer noch nach alter Manier im Hause Ansprechpartner für den realen Kunden.
Zur z. B. angebrachten Kritik, die früher SOFORT behoben wurde, wenn sie denn anstand, musste man sich nun an freche Kommentare der Mitarbeiter gewöhnen. Das war und bleibt Wagners einziges Erbe – ein Scherbenhaufen ehemaliger Dienstleistung.
Ursula Vierkötter ließ dann kurz noch hoffen – denn Sie brachte einen vernünftigen Ruf in eigener Person mit – warum also sollte es nicht doch noch zu lenken sein, das Traumschiff KaDeWe. Natürlich nicht – weil bereits da schon alles über Bord war. Ein paar Beispiele, die Nussbar – eine Goldinsel im Hause auf der „Feinscheckeretage“ (nur ungern benutze ich dieses krönende Wort noch, sagen wir besser „die 6.) heute in polnischer, laxer Hand und hat nichts mehr mit dem KaDeWe zu tun.
Die Fleischabteilung, KOMPLETT outgesourct – die einstige Qualität ist Geschichte, der heutige Betreiber verkauft ein Gros seiner Produkte auf Tengelmann-Fillialwaren-Niveau. Es gibt im Mittelfeld des Sortiments z. B. bei Reichelt besseres für weniger Geld. Eine fatale Entwicklung für das Haus. Und so geht es weiter und weiter. Die Thais an der Kochinsel sind Chinesen, die kaum thailändisch, dafür chinesisch mit Kokosmilch kochen. Die „Japaner“ sind Restaurantbetreiber von außen – und längst frei von jeder Reklamation. An jeder Kochinsel stand früher mindestens ein gelernter Koch – fragen Sie heute mal ungeniert nach. Der Sushi-Stand = Auch Chinesen, es gibt nur einen Alibi-Japaner, wenn Sie den mal Lachs filettieren sehen wollen, müssen Sie großes Glück haben.
Die Liste ist endlos, und diese Abwärtsspirale ist ein junges Thema, sie wurde in den letzten 7 – 8 Jahren installiert. Man hat das „geldwerte“ Gewicht des Begriffes „Höchste Qualität“ unterschätz, den Sinn dieser früheren Maxime vermutlich gar nicht gekannt. Patrice Wagner am Ende eben doch zu jung, zu unerfahren, hat er den wahren Luxus dieses Hauses wohl als erster geopfert. Die Nachfolgerin offensichtlich geopfert, für das schon lange festgelegte Verkaufsspielchen.
Der Spleen, Russen überall in die Abteilungen zu implementieren, mit der Denke, den russischen Kunden dann auch mehr zu verkaufen, war und ist eine Sackgasse. Der situierte Berliner fühlt sich mittlerweile hinten angestellt. Und subtrahiert längst seinen Umsatz im Haus, und zwar nachhaltig, wie ich es als intimer Kenner präzise nachverfolge. Eine Crux, die übrigens auch dem Lafayette enorme Verluste eingebracht hat und in Folge zum Streit und Rauswurf des Fischstandbetreibers in der Feinkostabteilung führte. Ebenso wie den Russen am „Russischen Stand“ warf man schliesslich über Bord. Da war das Schiff schon leck. Man hatte sich Eigendynamiker ins Haus geholt, die man kaum los wurde, obwohl die Gäste längst genervt ausblieben. Jetzt baut das Lafayette eilig um und setzt wieder auf deutsches Personal an der Fischtheke.
Und unter Berggruen? Zugegeben, der Mann konnte davon eigentlich nichts wissen, hätte es aber recherchieren können. Wenn er denn irgendwann überhaupt mal am Herzen dieses Premiumhauses interessiert gewesen wäre. Ist er aber sicher nicht.
Das Gesetz der großen Zahl – da wird nicht auf feinmechanisches, feinmotoriges geachtet. Ein Grundprinzip der Ignoranz in der Geschäftswelt. Es gibt nur ganz wenige Unternehmer, die ich kennenlernen durfte, die für solch ein Unterfangen genügend Intelligenz, Empathie und Klarsicht bewiesen hätten. Das KaDeWe als Zahl zu begreifen, ist für jeden puren Investor zum Scheitern verurteilt.
Und so sind die Glücksgefühle in der Herren- wie auch Damenkonfektion beim Einkauf faktisch Geschichte. Das Aha-Erlebnis in der 6. (!) beschränkt sich auf Pfauen- und Truthahn-, pardon Puten-Gehabe an der ziemlich runtergekommenen Austernbar.
Ein Trauerspiel, dessen ein Berggruen nicht habhaft werden konnte – weil er im Kern gar nicht wusste, worum es ging in diesem Hause.
Ich muss nicht persönlich werden, aber mehrfach in Berlin im selben Restaurant gesessen, kann ich es nicht unterschlagen: Ein Ritter von ausgesprochen einsamer, fast trauriger Gestalt. Die Lektion aller Eltern für Ihre Kinder: Geld ersetzt nie Charakter und niemals feinsinnige Bildung.
Jennings hätte sicher ein mittelständisches Industrieunternehmen führen können. Einen Hersteller für Flughafenbodenbeläge vielleicht. Um das Geheimnis eines Premiumhauses wusste auch er offenkundig nicht. Das hatte ihm, so kolportiert man, Frau Vierkötter auch deutlich zu verstehen gegeben. Macho muss dann eben mal drauf hauen. Im Grunde eine uralte Geschichte.
Müllenbach, der vorher Brillen bei Fielmann an den Mann bringen sollte und in der OTTO-Group wohl auch nicht sehr erfolgreich war, und dessen Lebenslauf unklar ist und offensichtlich auch weitest im Dunkeln verbleiben soll, scheint zumindest loyaler, dienstbarer Jennings-Gefolgsmann zu sein. Dankbar im Geiste.
Und bald vergessen: Eine Milliarde Euro Investition in die vielen maroden Karstadt-Häuser wurde versprochen. Die Belegschaft verzichtete auf Gehalt, um die Projekt „Karstadt 2015“ mit günstigen Lohnkosten zu stützen. Und jetzt? 300 Mio.Euro bauernschlaue Transferleistung. Wahrlich kein Meisterstück – man muss fast lachen….von den Karstadtvermietern. Wohl dem, wer da nicht husten muss, manch einer wird gar brechen müssen.
Dort steht am Ende der Geschichte also ein Mann, der der ganzen Welt und allen Kaufhausangestellten pausenlos ins Gesicht gelogen hat, oder? NICHT EINEN Euro seines Geldes hat er, wie zuvor posaunt, in die Hand genommen. Meine Stammverkäuferin in der Kosmetikabteilung hat es auf den Punkt gebracht: „Ein schlimmer Mensch“, der würde gut nach Russland passen“. Meine Lieblingsverkäuferin ist übrigens sehr gebildet!
Da mutet es fast als frohe Botschaft an, wenn nun neue Leader ins Haus stehen. Hoffen kann man nur, das diese sich nicht an eine der unzähligen Nichtskönner-Agenturen wenden, um sich in einem Summary die Seele des Hauses erklären zu lassen. Hoffen wir, dass sie einen Urberliner fragen.
So sind es vielleicht allesamt kleine und große Middelhoff-Nachfolger, nicht mehr und nicht weniger. Und streuen weiter gerne Sand in die Augen.