Laurél, Riani und Schumacher setzten auf edle Grunge-Looks. Anja Gockel, Blacky Dress oder Achtland spielten dagegen eher mit Blumen und zarten Farben. Was nahezu alle Designer einte, war der Einsatz von transparenten Elementen und Spitze.

Riani

Unter den Gegensätzen „Arctic“ und „Volkano“ bringt Riani zum 35-jährigen Bestehen eine Kollektion im Wechselspiel der Elemente auf den Laufsteg. Eiskalte Farben wie kräftiges Blau, Weiß und Silber wechseln mit Looks in erdigen, feurigen Tönen wie Orange, Bronze und vor allem Braun. Das Label aus Schorndorf setzt bei vielen Outfits auf den Wohlfühl-Look gemein, der durch Materialien wie Samt, Wolle und Strick, oftmals in Kombination mit Jersey, unterstrichen wird. So gibt es Jogginghosen und bequeme Kleider im Sweatshirt-Look. Im Gegensatz dazu bringen Teile aus glänzenden schwarzen Stoffen und solchen in Silber und Bronze-Metallic Glamour und ein wenig Luxus. Unsere Highlights sind eindeutig die samtigen Overalls sowie die Teile mit großflächigen Landschaftsprints im Eisbergmotiv.

 

Kilian Kerner

Rot, Rot, Rot, ist alles, was ich habe: Kilian Kerner setzt in diesem Herbst auf die warme Farbe in sämtlichen Abstufungen wie Bordeaux, Rostrot, Rosa oder Bronze, gerne in Camouflagemuster, abgewechselt mit orange-rostroten Pferdeprints und Noppenstoffen. Er spart in seiner Kollektion durchaus nicht an Stoff, nur am Bauch könnte es etwas zugig werden. Begleitet von Hip-Hop-Beats präsentierte der Nicht-mehr-Jungdesigner einige extrem voluminöse Looks mit übergroßen Jacken, Pullis und Hosen. Sehr weite rote Kleider aus festem Stoff mit Blumenprint nahmen viel Platz ein, genauso wie ein riesiger zartrosafarbener Capemantel mit aufgesetzten Blumen. Durch glänzende Looks mit abgeändertem Camouflagemuster in Gold und Bronze erscheint die Kollektion im Edel-Urbanstyle, kontrastiert durch sehr düstere Looks komplett in Schwarz sowie solche in kühlem Metallic.

 

Anja Gockel

Gewohnt floral, fröhlich und farbenfroh präsentierte sich Anja Gockel. Blumenprints in bunten Variationen bringen Spaß und gute Laune, fließende Seidenkleider und Fell sorgten für die richtige Dosis Glamour. Farbtöne wie Schwarz, Cognac, Rostrot und Orange ergänzen die Looks schließlich um das nötige Herbstfeeling. Es fanden sich auch lange schwarze Roben, teils aus Spitze, deren Ernsthaftigkeit durch Blazer mit Blumenprints allerdings wieder reduziert wurde. Rotes und rotblaues Karomuster als Hose, Blazer, Mantel oder Rock bringt kurzzeitig Abwechslung in die florale Kollektion. Unterstichen wird die Unbeschwertheit der Looks durch die Haarstyles der Models im nonchalanten Undone-Look. Den fulminanten Abschluss bildete das Ex-GNTM-Girl Rebecca Mir in einer unschuldig weißen Hochzeitsrobe mit Paillettenkreuz auf der Brust.

 

Blacky Dress

Ungewohnt floral startete die neue Kollektion von Blacky Dress: Blumen – entweder Schwarz-Weiß oder Bunt – fanden sich auf Hosen, Blusen und sogar Anzügen. Ohnehin scheint sich Eva Renes ganz den Prints verschrieben zu haben. Beim Material war die Kollektion sehr variantenreich: edles fließendes Plissée mit Lace-Details und Spitze wechselte mit Teilen in Tweed, Grobstrick oder Loopstrick, teils mit metallisch glänzenden Elementen. Viele Jersey-Pullis mit Statementprint bringen, in Kombination mit anliegenden Röcken oder Bundfaltenhosen, schicke Lässigkeit. Jogginghosen werden wiederum mit Booties und glänzender Daunenjacke kombiniert. Die Farbpalette reicht dabei von den typischen kalten Weiß-, Schwarz-, Rosé- und Grautönen bis hin zu Blau, kräftigem Pink und Petrol.

 

Marcel Ostertag

Tierisch und fluffig wurde es bei Marcel Ostertag. Egal ob als Jacke, Pulli oder ganzes Kleid – Fell und Federn zogen sich durch die gesamte Kollektion des Münchner Designers. Dabei kombinierte er oftmals obergroße Pullis oder Jacken mit sehr schmalen Hosen oder Röcken, um so progressive Silhouetten zu formen. Ergänzt wurden die Styles mit Trenchcoats oder schmalen Ledermänteln. Ebenso wie die Formen ist auch die Farbpalette von Gegensätzen gekennzeichnet: Sie beginnt sie sehr hell mit fließenden Kleidern und Blusen in Beige, Offwhite und Brauntönen und mündet schließlich schrittweise in dunklen Farben mit Teilen in dunklem Blau und Schwarz.

 

Laurél

Zum Live-Sound der Indietronic Band I heart Sharks schickte Chefdesignerin Elisabeth Schwaiger Models in knallengen Lederröhren zu dunkelblau-grün geprinteten Tops oder voluminös-edlen Felljacken komplett in schwarz über den Laufsteg, dazu werden schwere Boots mit glänzenden Nieten oder geschoppte Schaftstiefel aus Leder kombiniert.  Lange feminine Roben oder Minikleider aus feiner Spitze werden mit derben Boots, schwarzen Lederhandschuhen, Mehrfarbige Bikerjacken mit Nieten- und Zipperelementen, Grobstrick, aber auch Fell und Accessoires mit Nieten gestylt und erhalten so den nötigen Rock-Chic. Neben gedeckten Farben wie Creme oder Off-Tönen in Weiß und Schwarz überraschen kräftige Farbkombinationen mit gewagtem Rot, die das edel-rockige Bild der Kollektion abrunden.

Guido Maria Kretschmer


„Altai“ heißt die die neue Kollektion von Guido Maria Kretschmer, die mal wieder eine Hommage an die Weiblichkeit darstellt. Kimonoartige Mäntel wechseln mit Felljacken oder Fellstolen, auf Hosen und Jacken prangen Pailetten, dazu reihen sich Blazer, Kleider und Pullis mit Edelsteinaufsatz sowie etliche Teile in Spitze. Die Looks sind dabei ausschließlich enganliegend, mit besonderer Betonung der Taille. So ignorieren in der Körpermitte geknotete Mäntel, Tulpenröcke und Kleider sowie Blazer mit Schößchen jegliche Form von Androgynität. Die klassischen Schnitte mit knielangen Kleidern, Blazern und Bleistiftröcken ergänzen den Eindruck einer sehr damenhaften und überaus eleganten Kollektion. Tiefes Bordeauxrot zieht sich durch Kretschmers gesamtes Werk und verleiht den Kreationen eine zusätzliche edle Dramatik.

 

Dawid Tomaszewski

Einen düsteren Herbsttraum präsentierte Dawid Tomaszewski, dessen Models über einen über und über mit echtem Laub geschmückten Catwalk flanierten. Fließende drapierte Seidenkleider, lange Roben aus Leder, Federn und Pelz brachten einen glamourösen Twist in die dunkle Kollektion. Schwarz bestimmt die reduzierte Farbpalette und wird in Akzenten von Grau, selten von Petrol und noch seltener von fast unbemerkbaren Elementen in Bordeaux ergänzt, beispielsweise als einzelner Kragen. Keypiece ist ohne Frage eine atemberaubende Jacke aus dunkelgrünen Federn über einem transparenten Top und schimmernder Lederröhre.

 

Marc Cain

Rooooaaaaar!!!! Marc Cain konzentriert sich in der aktuellen Kollektion vor allem auf eins: Leomuster. Ob als Kleid, als Rock oder als schlichter Kragen, Leomuster winkt in fast jedem Outfit entgegen. Mal geballt als Mantel, Daunenjacke, Hose oder Kleid, mal eher dezenter an Kniestrümpfen oder als Kragen an einer schwarzen Bikerjacke. Auf einigen Pullis und Röcken finden sich auch witzige Waschbärprints. Jedes Outfit ist dabei eine eigene Komposition aus vielen Details und Accessoires, wie beispielsweise schweren Statementketten, bunten Ohrringen, Handschuhen, Halstüchern und Söckchen, jeweils aus anderen Farben und Materialien. Wie immer sind die Styles klassisch mit figurbetonten Bleistiftröcken, Blazern und Blusen.

 

Lala Berlin

Zur Musterung schickt uns Leyla Piedayesh in dieser Saison: Lala Berlin präsentiert Blumenmuster, Punkte, gesprenkelte Prints, Ornamente und konfuse Graphiken. Die gemusterten Anzüge, Hemden oder Hosen treffen auf transparente Elemente mit oder ohne Spitze sowie etliche Teile aus schimmerndem Silber. Dominante Farben sind Weiß, Creme, Schwarz und kräftiges Orange. Durch Overlayings und eher weite Silhouetten mit Oversizepullis und Eggshapemänteln wirken die Looks extrem lässig. Nicht fehlen darf natürlich gemütlicher Grobstick mit Zopfmuster.

Kaviar Gauche


Kaviar Gauche zeigt in diesem Jahr die Vorliebe für das Farbtripel Orange, Schwarz und Weiß, am liebsten im Totallook. Maxikleider und -röcke, teils mit übergeworfenen transparenten Lagen, teils aus Plissée, schaffen gemeinsam mit den weiten Hosen eine sehr an die siebziger Jahre erinnernde Kollektion. Ergänzt wird der Eindruck durch übergroßen runden Hüte mit weiten Krempen, die der Kollektion gleichzeitig einen sommerlichen Touch geben. Potenziert wird dieser durch die dünnen und zarten Stoffe der Tunikakleider sowie schulterfreie Tops und Kleider in Look-through-Optik. Die nötige Wärme geben im Kaviar-Gauche-Herbst bodenlange Capes, weit geschnittene Oversize-Mäntel in Unifarben sowie Blazer, die zu anliegenden Röcken kombiniert werden und den femininen Looks das gewisse Selbstbewusstsein und subtile Strenge geben.

Achtland

Weit und lässig, aber trotzdem sehr feminin stellt sich das Trendlabel Achtland den kommenden Herbst vor: Zarte taillenbetonte Kleider aus leichten Stoffen in Knielänge oder bodenlange wallende Maxiröcke mit tiefem Beinausschnitt, mehreren Chiffonlagen und transparenten Elementen mischen sich mit locker sitzenden Röcken zu weiten Oberteilen mit Betonung der Taille. Ungewöhnlich frühlingshafte Töne wie Hellgrün und Türkis sowie Altrosa und Creme bestimmen das Bild, gedeckten Farben gestatttet das Designer-Duo  Thomas Bentz und Oliver Lühr  fast nie ein Solo. Blüten prangen als Lederapplikation auf Kleidern, Bomberjacken und Röcken. Kontrastiert werden diese femininen Styles der Designer durch maskulin anmutende Looks: die Kombi aus Bundfaltenhose mit flachen Loafers und hochgeschlossener Bluse findet sich in etlichen Farb- und Materialkombinationen.

Hien Le

Sehr clean präsentiert sich Hien Le in diesem Herbst: Der Berliner Designer beschränkt sich auf maximal zwei Farben pro Look und bedient sich dabei an einer Palette aus Grautönen, Smaragd, Beige, Dunkelrot und Grün. Der Fokus liegt eher auf Material und Form. Wolle, Kaschmir und Seide zaubern sehr glamouröse Looks. Fast architektonisch anmutende Styles aus hochgeschlossenen Blusen und Kleidern ohne Muster, Schnörkel, oder tiefen Ausschnitt erlangen durch ihre schlichten Formen sowie durch ihre hochwertigen Materialien eine besondere Wirkung. So gehört ein hellgrauer knielanger Rock in Lederoptik mit einem Top im gleichen Material in einem warmen Anthrazit ganz ohne Schmuck oder Applikation zu einem der aufregendsten Looks. Eindeutige Keypieces sind die einzigartigen Teile in schwarz-weißem Farbverlauf, die trotz farblicher Zurückhaltung stets für sich stehen.

 

Schumacher

Androgynen Edel-Grunge präsentiert Dorothée Schumacher in ihrer Kollektion für den Herbst 2015. Transparente Elemente, dickes Leder und fluffiger Pelz stechen in Schwarz sowie in dunklen Grün- und Rottönen ins Auge. Röcke aus Chiffon wechseln mit solchen aus Leder, kombiniert zu hochgeschlossenen Rollis aus Samt, besetzt mit vielen kleinen Edelsteinen. Die Steinapplikationen ziehen sich durch die gesamte Kollektion und tauchen immer wieder auf Röcken, Hosenbeinen, Tops oder Mützen auf. Zusammen mit Kleidern mit filigranen Spaghettiträgern oder Pailettenbestickung sowie Materialien wie Fell und Samt bringen sie Weiblichkeit ins Spiel, während extrem hochgeschlossene Looks mit Bikerjacken, Rollis, flachen Boots, weit geschnittenen Hosen und Blusen eher streng wirken. Interessante Details wie Spitze, aufgesetzte Knöpfe oder Lätzchen sowie transparente Partien sorgen für mehr Individualität.

Fotos und Videos: Courtesy of Mercedes-Benz Fashion Week