Vielleicht macht der Erfolg gesprächig: Erstaunlich offen zeigte sich das München Unternehmen auf seiner Jahrespressekonferenz und gab neben den Zahlen, auch Pläne für die Internationalisierung, ein stärker integriertes Vertriebskonzept sowie die Vorstellung für eine Nachfolge bekannt.

Beim Markting setzt Willy Bogner immer auf seine Person, so wie hier bei der Vorstellung seines 5D-Filmprojektes auf der ispo

Im Geschäftsjahr 2009/2010 (Stichtag: 31. Oktober) verbuchte das Modehaus Willy Bogner einen neuen Umsatz- und Gewinnrekord und schloss damit “das beste Jahr in der Unternehmensgeschichte” ab. Der Umsatz stieg um 12% auf 194 Mio. Euro. Damit sei es bei den Münchnern noch besser gelaufen als in der im letzten Jahr gut florierenden Sportbranche. 151 Mio. sollen ohne Lizenzerlöse erzielt worden sein. Grund für die guten Geschäfte sei neben der „gelungenen Modernisierung der Marke“, der harte Winter Anfang 2010 und die stark wachsende Nachfrage in Osteuropa gewesen. Zum Gewinn machte das Traditions-unternehmen, an dem Willy Bogner jr. selbst noch mehr als 50% der Anteile hält, keine Angaben. Allerdings bezifferte Finanz- und Technikvorstand Herbert Kießling die Umsatzrendite des Eigenumsatzes mit 17%. Das würde bedeuten, dass sich der Konzerngewinn vor Steuern (EBT) auf rund 26 Mio. Euro mehr als verdoppelt haben dürfte. In 2008/09 lag das Vorsteuerergebnis bei 11,3 Mio. Euro.

Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet Bogner damit, die 200 Mio. Euro-Marke zu überschreiten, wovon mehr als 160 Mio. Euro eigener Umsatz sein sollen. Allerdings wird damit gerechnet, dass die Preise für die Skianzüge und Modekollektionen aufgrund der steigenden Rohstoffkosten in 2011 steigen werden.

Bei diesen Plänen setzt Bogner vor allem auf mehr Internationalisierung und ein integriertes Vertriebsmodell. Bogner ist in 35 Ländern präsent, wobei Deutschland, die USA und neuerdings auch Russland die größten Märkte sind. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird außerhalb des Heimatmarktes erlöst. Insbesondere in Asien sieht Bogner viel Potential, das er mit der im September 2010 in Hongkong gegründeten Vertriebsgesellschaft heben will. In Mailand soll ein eigener Showroom eröffnet werden, wenn die asiatischen Händler nach Europa kommen, um die neusten Trends zu ordern. Vertriebsvorstand Oliver Pabst betonte, dass sowohl Handelspartner und Bogner von einer besseren Verknüpfung der verschiedenen Vertriebskanäle profitieren könne. Bogner fährt ein Multi-Channel-Vertriebsmodell mit eigenen (13) und Franchise-Läden (56), Outlets, Wholesale-Partnern und einem eigenen Online-Versandhandel. Beim Marketing setzt Bogner auf die bewährte Strategie: Sponsoring der deutschen Ski-Nationalmannschaft, die Präsenz bei den Olympischen Spielen und natürlich seine eigene Person: auf der ispo stellte er einen neuen Ski-Film in 5-D vor. Darüber hinaus soll auch eine eigene Kollektion für die Skifahrerin Maria Risch herausgebracht werden.

Auf die Frage hin, wie sich denn Willy Bogner (69) die Sache mit der Nachfolge vorstelle, reagierte er gelassen: Spekulationen um einen Börsengang oder Verkauf wären denkbar, aber derzeit „kein Thema“.

Fotos: Willy Bogner GmbH & Co. KG