Rückzug ins Private: Die Familie Benetton erwägt den Abgang von der Börse und will den Minderheitsaktionären ein Kaufangebot machen. Das Unternehmen hadert mit stagnierenden Umsätzen und sinkenden Gewinnen und könnte daher für die Familie günstig zu haben sein.

Benetton soll runter von der Börse

Der größte italienische Modekonzern, die Benetton Group SpA, könnte sich bald vom Mailänder Börsenparkett verabschieden. Die Investmentfirma der Familie Benetton, Edizione Srl, will heute darüber entscheiden, ob man den Minderheitsaktionären ein öffentliches Kaufangebot machen will. Wegen des möglichen Delistings wurden die Benetton-Titel vom Handel ausgesetzt. Edizione hält rund 67% des in Ponzano Veneto ansässigen Unternehmens und ist u.a. auch in Italiens größtes Maut-Unternehmen und die RCS Mediagroup SpA, die hinter der Zeitung Corriere Della Sera steht, investiert.

Flaues Geschäftsjahr 2011

Benetton ging 1986 an die Mailänder Börse und wurde in den Jahren darauf auch in Frankfurt und New York gehandelt. Der Ausstieg (oder je nach Sichtweise: der Kompetteinstieg) könnte für die Familie günstig zu haben sein. Benettons Aktien haben in den letzten zwei Jahren enorm an Wert eingebüßt, da das Unternehmen vom globalen Wachstum in der Mode- und Textilbranche nicht profitieren konnte. Der Umsatz ist im Geschäftsjahr 2011 um 1,1% (währungsbereinigt um -0,4%) auf 2,031 Mrd. Euro gesunken, während der Nettogewinn von über 100 Mio. Euro im Vorjahr auf etwas über 70 Mio. Euro sank. Die Verschuldung stieg von 486 auf 550 Mio. Euro. Auch im laufenden Jahr erwartet die Konzernleitung, dass die Umsätze aufgrund der Kaufzurückhaltung in Europa stabil und der Gewinn weiter unter Druck bleibe.

Billig zu haben? Der Benetton-Kurs im Sinkflug

Die Aktie von Benetton reagierte auf die Ankündigungen und Gerüchte, dass der spanische Modekonzern Inditex sich an Benetton beteiligen wollen würde, mit zweistelligen Kursausschlägen. Benetton dementierte die Gerüchte um den Inditex-Einstieg umgehend.

Seit Jahren im Sinkflug: Benetton Aktien. Die Meldung vom 31. Januar sorgte aber für einen merklichen Ausschlag nach oben