Die Gewerkschaft moniert, dass die spanische Modekette in Deutschland fünf Filialen schließen wird - und sich so auch vieler langjähriger Mitarbeiter mit Vollzeitverträgen entledigt.

Zara in der Ver.di-Kritik: Zurecht?

Zara in der Ver.di-Kritik: Zu Recht?

Vorweg sei eins gesagt: Zara ist ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen, das wie jedes andere Unternehmen auch über eine gewisse wirtschaftliche Freiheit verfügt. In diesem Sinne steht es dem Unternehmen durchaus zu, im Hinblick auf die eigene Strategie Geschäfte zu schließen oder zu öffnen. Nachdem Zara in den vergangenen Jahren in Deutschland massiv Läden eröffnet hat, steht die Modekette nun vor einer Bereinigung ihres Filialnetzwerks und wird sich gefragt haben, welcher der rund 80 deutschen Läden unprofitabel arbeitet oder wo es keinen Sinn mehr macht, mehrere Filialen an einem Standort zu betreiben.

In Köln etwa schließen die Spanier ihre drei bisherigen Filialen in der Hohe Straße (bis Ende Juli 2016), Ehrenstraße und Schildergasse (Termine noch unklar), um im Mai an neuer Adresse in der Schildergasse 94-96 (wo früher Humanic untergebracht war) den mit rund 5.000 Quadratmeter größten Store Deutschlands zu eröffnen. Ebenfalls geplant ist die Schließung der Filiale in den Potsdamer Platz Arkaden in Berlin zu Ende März – offenbar machte es betriebswirtschaftlich keinen Sinn die Filiale weiter zu betreiben, nachdem im Herbst 2014 nur rund 500 Meter weiter eine Filiale in der deutlich besser frequentierten Mall of Berlin geöffnet hatte. Auch für die Filialschließungen in Hamburg Altona und Chemnitz, die ebenfalls innerhalb des ersten Halbjahres 2016 erfolgen, wird es plausible Gründe geben.

Keine gleichwertigen Ersatzarbeitsplätze am Standort

Ver.di kritisiert auch nicht die Schließungen an sich, sondern vielmehr den Umstand, dass sich Zara damit offenbar von langjährigen, unbefristet angestellten Mitarbeitern entledigen will. Von den fünf Schließungen sollen laut Ver.di bundesweit insgesamt 180 Beschäftigte betroffen sein. Größter Kritik-Punkt ist, dass den betroffenen Mitarbeiterinnen in Köln bislang kein gleichwertiger Vollzeitarbeitsplatz in der neuen Super-Filiale angeboten wurde. „Stattdessen bietet man ihnen unzulängliche Abfindungen oder Arbeitsplätze an, die weit entfernt sind, und noch dazu Verträge mit reduzierter Stundenzahl. Dahinter steckt das Kalkül, Personalkosten zu drücken, in dem man langjährige, erfahrene Beschäftigte mit besseren Verträgen oder scheinbar unbequeme Beschäftigte faktisch vor die Tür setzt“, sagte Cosimo-Damiano Quinto, ver.di-Gewerkschaftssekretär.

Auch in Hamburg sollen den Mitarbeitern bislang keine Ersatzarbeitsplätze in anderen Filialen angeboten worden sein, so Ver.di. Nun kann Zara zu Gute gehalten werden, dass auf dem Stellenportal bislang explizit keine Teilzeitkräfte für Hamburg oder Köln gesucht werden, sondern lediglich Abteilungsleiter oder Auszubildende. Gleichzeitig wurden oder werden mit den Betriebsräten (sofern sie bestehen) Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan geführt.

Konfliktpotential zwischen Zara und Ver.di besteht seit Jahren. 2014 erreicht die Gewerkschaft es endlich, dass sich Zara in die Tarifbindung begab.