Immer wieder wird gesagt, dass Shopping-Clubs an ihre Wachstumsgrenzen stoßen. Jörg Hensen, Director für Northern Europe bei vente-privee.com, sieht das anders. Die beste Zeit steht den exklusiven Online-Outlets eigentlich noch bevor.

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Jörg Hensen ist trotz der allgemeinen Krisenstimmung optimistisch: eCommerce wächst und die Markenthemen nehmen zu - die Shoppingclubs stehen noch am Anfang

Seit Ende Juni ist Jörg Hensen bei vente-privee.com für den nordeuropäischen Markt, und damit auch für Deutschland, verantwortlich. Seit er beim französischen Shopping-Club angefangen hat, liegen arbeitsintensive und spannende Monate hinter ihm. Da der ehemalige Deutschlandchef Oliver Bogatu das Unternehmen im Frühjahr dieses Jahr verließ, übernahm Hensen dessen Bereich interimistisch gleich mit und steckt nun mittendrin in allen Themen und Prozessen. Seine Begeisterung für das Unternehmen hat das nicht geschmälert, im Gegenteil: Man hat das Gefühl, der 40-Jährige identifiziert sich 100%ig mit den Grundwerten des Shoppingclubs – und er verrät, dass auch seine Frau dort regelmäßig einkauft. Hensen ist beinahe täglich in Kontakt mit dem Gründer und CEO Jacques-Antoine Granjon, der das Geschäft nach wie vor – insbesondere in den kreativen und innovativen Feldern – aktiv mitgestaltet.

Das Potential für Shoppingclubs ist riesengroß

Wenn andere unken, das Geschäftsmodell „Online-Shoppingclub“ stoße bald an seine Grenzen – entweder aufgrund schwindender Exklusivität oder zu langer Lieferzeiten – sieht Hensen in der Zukunft eigentlich nur Chancen. „Der eCommerce-Markt wächst, die Markenthemen nehmen zu und die technischen Möglichkeiten entwickeln sich immer weiter – das Marktpotential für Shoppingclubs ist noch riesengroß. So gesehen, hat es noch einmal richtig angefangen“, sagt er. Die Kunst liege allerdings darin, die richtigen Marken und das richtige Sortiment für den richtigen Preis anzubieten: „Dann handelt es sich um ein gutes Angebot, und ein gutes Angebot findet immer einen Käufer.“

Ein permanenter Innovations- und Verbesserungsprozess

Vente-privee.com_Logistik

Die Verbesserung der Logistikprozesse ist bei vente-privee.com ein großes Thema

Allerdings wäre vente-privee.com nicht vente-privee.com, wenn nicht hinter den Kulissen permanent am Feintuning gearbeitet werden würde. Der Pionier der Onlineshopping-Clubs will seinen First-Mover-Vorteil auch zukünftig ausbauen. Dabei hinterfragt man die Kundenbedürfnisse ganz genau. Momentan wird an den Logistikprozessen gefeilt, was allerdings nicht ganz einfach ist, denn die Ware kommt in der Regel erst nach Ablauf der Aktion in die Lager und wird danach verschickt. Daher dauert es rund drei Wochen bis der Kunde sein Paket in den Händen hält. Ziel ist es, zumindest bei einigen Produkten, innerhalb von 5 Tagen liefern zu können. Ein weiteres großes Thema, das nicht nur vente-privee.com sondern den gesamten Distanzhandel umtreibt, ist die Größenproblematik. Die auf der Shopping-Plattform angebotenen Marken kommen aus Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland usw., und arbeiten alle mit unterschiedlichen Größen. Trotz Größentabellen und Vergleichswerten ist es schwierig, einheitliche Größenparameter zu finden. Eine nicht passende Hose oder Jacke sorgt beim Kunden nicht nur für Enttäuschung und schadet der Kundenbindung, sondern ist auch betriebswirtschaftlich gesehen teuer, daher hält Hensen auch hier die Augen nach Verbesserungsmöglichkeiten auf. Auch an anderen Themen, die mit Qualität, Innovation oder technischer Weiterentwicklung zu tun haben, ist das Team um Jacques-Antoine Granjon dran. Was genau das allerdings im Einzelnen ist, verrät Hensen (wohl zur Recht) nicht. Sicher ist nur, dass vente-privee.com bei Innovationen vorne mit dabei sein wird, wie etwa beim Thema Mobile Shopping: Über diesen Kanal erzielt vente-privee.com bereits rund 10% des Umsatzes, und Hensen ist überzeugt, dass die breite Masse der Kunden in Kürze folgen wird.

Keine Krisenstimmung bei vente-privee.com

Angesprochen auf die Auswirkungen der Euro-Krise, bleibt Hensen gelassen. „Die Marken sind gut aufgestellt. Viele haben ihre Prozesse optimiert. Die Qualität im Marketing, aber auch bei Finanzthemen hat sich in den letzten Jahren extrem verbessert“, daher kann er es sich nicht vorstellen, dass die ausgelassene, extrem optimistische Stimmung, die er im Sommer auf der Bread & Butter in Berlin erlebte, schnell kippen wird. Zwar wird es einen Dämpfer geben, aber die großen Markenanbieter werden weicher fallen als in den Jahren zuvor. Trotz Krisenstimmung wird vente-privee.com zukünftig sogar wachsen, insbesondere in Deutschland, dem größten europäischen Fashion- und eCommerce-Markt. Hensen misst den Erfolg dabei nicht in prozentualen Zuwächsen oder Vergleich mit Konkurrenten wie brands4friends, sondern legt – wie Jacques-Antoine Granjon es immer formuliert – Wert auf „rentables Wachstum“. Die eigene Erwartungshaltung an den französischen Shoppingclub in Deutschland ist allerdings hoch: „Irgendwann wird Deutschland mit dem französischen Markt gleichziehen oder ihn sogar überflügeln“, so Hensen. Damit hat sich der Manager, der schon bei internationalen Handelsunternehmen wie dem schwedischen Versandhändlers Halens, der Quelle AG in der Schweiz und dem Spezialversender Happy-Size-Company gearbeitet hat, einiges vorgenommen: 2010 wuchs der Umsatz von vente-privee.com in Deutschland um immerhin 33% auf über 70 Mio. Euro, in Frankreich setzte das Unternehmen im selben Jahr knapp 970 Mio. Euro um.

Foto: DW, vente-privee.com