Besser als erwartet: Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist der Umsatz mit Bekleidung und Textilien im letzten Jahr doch angestiegen. Allerdings haben nicht alle Händler davon profitiert.

Im Sinkflug: Die Zahl der Fachgeschäfte sinkt weiter

Im Sinkflug: Die Zahl der Fachgeschäfte sinkt weiter

Sinkende Frequenz, Konkurrenz durch Internethändler und Lieferanten sind die drei Hauptprobleme des mittelständischen Modehandels

Sinkende Frequenz, Konkurrenz durch Internethändler und Lieferanten sind die drei Hauptprobleme des mittelständischen Modehandels

Erstes Halbjahr top, zweite Saison eher ein Flop

2014: Erstes Halbjahr top, ab der Herbstsaison eher ein Flop

Laut den ersten Hochrechnungen des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) ist der Umsatz mit Mode sowie Haus- und Heimtextilien in 2014 „trotz zahlreicher witterungsbedingter Nackenschläge“ leicht angestiegen. Das berichtete BTE-Präsident Steffen Jost kürzlich auf der Jahrespressekonferenz in Köln, allerdings fielen die Zuwächse je nach Vertriebsform sehr unterschiedlich aus.

Während der Onlinehandel und vertikale Modeketten dazu gewonnen haben, haben mittelständische Boutiquen und Modehäuser „im Schnitt 1 bis 2 Prozent Umsatz“ verloren. Auch die vertikalen Filialisten dürften weniger aufgrund von Zuwächsen auf vergleichbarer Fläche sondern vor allem aufgrund der eigenen Flächenexpansion gewachsen sein. Zugewinne von rund 3% gab es dagegen im Onlinehandel. Der zunehmende digitale Wettbewerb hat allerdings fatale Folgen für den stationären mittelständischen Modehandel, denn er lässt nicht nur die Kundenfrequenz sinken, sondern verringert auch die Chancen für Impuls- und Lustkäufe. „Der Marktanteil der Onlineshops stieg auf rund 15%“, rechnete Jost vor. Zusammen mit dem schrumpfenden klassischen Kataloggeschäft sowie Teleshopping liegt der Marktanteil laut BTE-Hochrechnungen bei 18%.

Aber auch von anderer Seite bekommt der mittelständische Modehandel Konkurrenz. Dass sich die Lieferanten zunehmend vertikalisieren, schafft nicht nur mehr Wettbewerb, sondern macht dem kleinen Händler aufgrund von frühzeitigen Reduzierungen das Leben schwer. Auch das Thema Wareneinsteuerung sorgte für Diskussion der Branche: „Nach drei milden oder zumindest sehr späten Wintern muss sich die Modebranche fragen lassen, ob sie die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden wirklich richtig bedient. Daunenjacken im August sind sicher das beste Beispiel. Immer stärker macht sich in unserer Branche die Erkenntnis breit, dass Industrie und Handel dem Kunden die Ware erst zu einem Zeitpunkt präsentieren sollten, zu dem er sie auch zeitnah anziehen kann“, konstatiert Jost.

Nichtsdestotrotz zeigen sich die Händler für das laufende Jahr zuversichtlich: Rund 40% rechnen mit einem Umsatzzuwachs, immerhin noch 37% mit einem Pari. „Wenn das Wetter mitspielt, dürfte angesichts guter konjunktureller Rahmenbedingungen ein kleines einstelliges Umsatzplus zu erreichen sein“, hofft Steffen Jost.

Mode und Textilien in Deutschland: 60 Milliarden schwer

Von dem geschätzten 2014-Gesamtmarktvolumen von ca. 60 Mrd. Euro entfiel gut die Hälfte auf den Bekleidungsfachhandel, zu dem neben Modehäusern auch Modeketten wie H&M, Zara oder KiK gehören. Der gesamte Distanzhandel wird auf einen Umsatz von 11 Mrd. Euro geschätzt, davon rund 9 Mrd. Euro mit eCommerce. Etwa 14 Mrd. Euro setzen Warenhäuser (Karstadt, Kaufhof), Lebensmitteldiscounter (Aldi, Lidl) und andere Handelsbranchen mit Textilien um. Auf den Fachhandel für Heim- und Haustextilien entfielen rund 5 Mrd. Euro.

Graphiken: BTE