Revue einer Berg- und Talfahrt: Auf der BTE-Jahrespressekonferenz wurde noch einmal festgestellt, dass 2011 für den deutschen Modehandel durchwachsen verlief. Nach einem Plus von fünf Prozent im ersten Halbjahr, sanken die Umsätze im zweiten Halbjahr um ein Prozent. Für 2012 ist die Branche eigentlich ganz optimistisch.

Winterware war wegen des milden Winteranfangs nicht gefragt

Nach den Prognosen des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) hat der Modefachhandel in 2011 ein vorläufiges Umsatzplus von 2% erreicht. Zum Jahresbeginn war der Handel in die vollen gestartet und verbuchte in den ersten sechs Monaten ein Plus von rund 5%, das allerdings von der zweiten Jahreshälfte wieder aufgezehrt wurde: die von Griechenland dominierte Euro-Krise und unvorteilhafte Wetterbedingungen (“Zeus und Petrus”) sorgten für Konsumrückhaltung und einem Rückgang des Umsatzvolumens von 1% im Vergleich zum Spitzenjahr 2010. Daran konnte auch das recht gute Weihnachtsgeschäft nichts mehr rütteln.

Nach ersten BTE-Schätzungen dürften die rund 24.000 Unternehmen der Branche Bekleidungsfachhandel in 2011 rund 29,5 Mrd. Euro umgesetzt haben.Dazu kommen noch einmal rund 5 Mrd. Euro für den Fachhandel mit Heim- und Haustextilien. Der sog. Nicht-Fachhandel dürfte mit Texitlien zusätzliche 23 Mrd. Euro umgesetzt haben. Insgesamt dürfte das Marktvolumen für Textilien und Bekleidung in 2011 bei rund 57,5 Mrd. Euro gelegen haben. Im reinen Modesegment haben Womens- und Menswear gleichermaßen hinzugewinnen können, Kidswear fiel gegenüber 2010 hingegen leicht zurück.

BTE-Präsident Steffen Jost

Nullwachstum und sinkende Renditen bei den Kleinen

Weiterhin erklärte BTE-Steffen Jost, dass das von dem Umsatzplus von 2% inflationsbereinigt nichts mehr übrig blieb. “Zu realen Preisen haben wir gerade noch ein „Nullwachstum“ geschafft.” Auch die Rendite soll trotz des Umsatzwachstums eher geschrumpft als gestiegen sein. Schuld war auch hier das Wetter, dass den Modehandel dazu zwang, frühzeitig den Rotstift anzusetzen, insbesondere um die Winterware in den letzten Wochen des Jahres loszuschlagen. Jost hält den Einbruch für bedenklich, da das betriebswirtschaftliche Ergebnis in 2010 bei guten Umsätzen bei rund drei Prozent des Umsatzes gelegen habe.

Von Umsatzeinbrüchen und negativen Renditen waren allerdings größere Mittelständler und vertikal aufgestellte Platzhirsche aufgrund ihres professionellen Warenmanagements nicht betroffen. Profitiert haben auch Händler, die online aktiv waren. Der Versand- und Internethandel mit Modeartikeln (Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren) stieg im letzten Jahr um 3,2%.

Für 2012 ist der Modehandel “grundsätzlich zuversichtlich”. Mehr als ein Drittel der befragten Händler rechnet mit einem mehr oder weniger großen Umsatzzuwachs. Man glaubt, Zeus’ Einfluss wird sich in Grenzen halten und hofft, dass Petrus dieses Jahr weniger launisch ist. Wenn sich das Wetter “in halbwegs normalem Rahmen bewegt, dürfte ein kleines einstelliges Umsatzplus gut zu erreichen sein”, glaubt Jost.

Fotos: Ludwig Beck Weihnachtsschaufenster // BTE