Obwohl der Sommer dieses Jahr sehr spät kam, ist der Gesamtumsatz im ersten Halbjahr trotzdem leicht gestiegen. Kleinere Fachgeschäfte mussten allerdings hart für ein Pari kämpfen. Viele hoffen jetzt auf eine Umsatzbelebung für die zweite Jahreshälfte.

Farbtupfer gesucht: Farbe war in der letzten Frühjahr/Sommersaison der Umsatztreiber und könnte es wieder werden

2012 war für den deutschen Schuheinzelhandel bisher kein Zuckerschlecken. Die Witterungsverhältnisse waren –wie schon in 2011– bislang „selten optimal“, was die Kundenfrequenz belastete. Nach guten Abverkäufen im März (+10%), brachte der durchwachsene April die Branche auf Talfahrt (-20%). Weil allerdings weniger Kunden mehr (bzw. teurer) kauften, konnte die Branche in den ersten sechs Monaten des Jahres immerhin ein Umsatzplus von 1 bis 2% ausweisen. Für Brigitte Wischnewski, Präsidentin des BDSE, ist das angesichts der schwierigen Bedingungen ein „zufriedenstellendes Niveau“. Nicht alle Händler konnten sich allerdings über Zuwächse freuen. Insbesondere die kleineren Fachgeschäfte erreichten nur ein knappes Pari, bei 45% lagen die Umsätze sogar unter dem Vorjahresniveau. Und auch die Großen hatten es nicht leicht, ein Teil des überproportionalen Wachstums geht nach Ansicht des BDSE auf deren Verkaufsflächenexpansion zurück.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Der Start ins zweite Halbjahr war recht positiv – sommerliche Temperaturen im Juli kurbelten die Nachfrage nach Sommerschuhen an. Allerdings waren die dann bereits reduziert. Somit hat die Frühjahr-/Sommersaison die Händler „zwar keinen Umsatz, aber Ertrag gekostet“. Fast 45% der Händler mussten höhere Preisabschläge hinnehme als im Vorjahr, bei 42% der Händler lag die Handelsmarge entsprechend unter dem Vorjahr. Jetzt geht der Handel optimistisch in die Herbst/Wintersaison. Mehr als ein Drittel der Unternehmen erwartet eine Umsatzbelebung, knapp die Hälfte ein Pari. Allerdings merkte BDSE-Präsidentin Wischnewski an, dass die Vorlage aus dem Vorjahr eher „bescheiden“ sei. Die Saison H/W 2011/12 litt unter atypisch milden Temperaturen, so dass Winterschuhe in den Regalen stehen blieben. Wenn es also einen „normalen Winter“ gibt, dürfte das Vorjahr leicht zu toppen sein.

Vorsicht ist besser als Nachsicht: Der Handel geht sehr zurückhaltend in die aktuelle Orderrunde

Konzentrierte Order

Nachdem die Abverkäufe im Laufe der dieser Saison vielfach unter den Erwartungen lagen, ging der Schuheinzelhandel eher vorsichtig in die aktuelle Orderrunde. Nach der BDSE-Umfrage wollen 22% der Händler gezielter einkaufen und sich diszipliniert an die Limitplanung halten. Knapp mehr als die Hälfte plant darüber hinaus, ihr Budget für die nächste Frühjahr-/Sommersaison zu kürzen. Ein Fünftel will die Vororder zurückfahren, um mehr Flexibilität zu haben. Fast ein Viertel will die Zahl der von ihnen geführten Fabrikate reduzieren, insbesondere im Hinblick auf Basic-Artikel. Denn auf der anderen Seite sind Einkäufer Innovationen und Mode-Themen gegenüber stärker aufgeschlossen als noch vor einigen Saisons. Viele Händler sind auf der Suche nach neuen Lieferanten und modischeren Sortimenten. Hier heißt die Devise vor allem „Mehr Mut zu Farbe“ – denn Farbe war der Umsatztreiber der letzten Saison.

Fotos: GDS/Constanze Tillmann