Der Hamburger Modeanbieter musste in der letzten Woche wie sein Schwesterunternehmen Rosner einen Insolvenzantrag stellen. Im Unternehmen ist man zuversichtlich, dass die Traditionsmarke weiterbestehen wird.

Olsen_Urs-Stefan Kinting

Olsen-Geschäftsführer Urs-Stefan Kinting ist sicher, dass Olsen gerettet werden kann

Die Olsen GmbH & Co. KG, die Hamburger Tochter des Wolff & Olsen Konzerns, hat am 25. Juli 2013 beim Amtsgericht Hamburg einen Insolvenzantrag gestellt. Von der Insolvenz ist nur das deutsche, nicht aber das Geschäft der ausländischen Tochtergesellschaften betroffen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Stefan Denkhaus bestellt. Gemeinsam mit dem Vertriebsgeschäftsführer Urs-Stefan Kinting soll das Unternehmen nun zeitnah mit Hilfe eines Investors saniert werden.

Wie das Unternehmen mitteilte, ist die  Insolvenzgeldvorfinanzierung sichergestellt, sodass der Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten werden kann. Die Auslieferung der Saison Herbst/Winter 2013 erfolgt weiterhin reibungslos und auch die Saison Frühjahr / Sommer 2014 kann als gesichert angesehen werden.

Olsen soll seit einigen Monaten bereits auf Investorensuche gewesen sein, um den eingeschlagenen Kurs der Neupositionierung der Marke weiter zu finanzieren. Kurz vor Abschluss der Verhandlungen soll der potentielle Investor abgesprungen sein, berichtet das Hamburger Abendbatt. Die wesentlichen Gründe für das bisherige Scheitern der Sanierung liegen an der historisch bedingten komplexen Unternehmens- und Gesellschaftsstruktur. Zudem wurden in der Vergangenheit Entscheidungen gefällt etwa durch die Liquidierung unrentabler Geschäftsfelder, die die Mittel, die eigentlich zur Restrukturierung und Stabilisierung benötigt wurden, abgezogen wurde. Auch die Umstellung der Logistik auf einen Fremddienstleister hat zu Komplikationen geführt, die in 2011 zu massiven Umsatzeinbußen geführt hätten, da Olsen teilweise über drei Monate nur sehr eingeschränkt lieferfähig war. Dadurch sei in den Jahren 2011 und 2012 ein Verlust von rund 3,8 Mio. Euro entstanden. Ein neues Warenwirtschaftssystems verursachte ebenfalls erheblichen personellen und finanziellen Mehraufwand, der aus dem laufenden Cashflow bezahlt werden musste. Durch die zwar notwendigen, aber teuren Maßnahmen konnte die Retail-Expansion und die dringend notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen im eigenen Einzelhandel nicht umgesetzt werden.

Kiting und Denkhaus sind zuversichtlich, dass kurzfristig ein neuer Investor gefunden wird, da das Unternehmen „nachweislich über ein international tragfähiges Geschäftsmodell“ verfügt und positive Sanierungsaussichten bestehen. Mehrere Kaufinteressenten aus der Textilbranche hätten sich bereits gemeldet. Zudem zeigten der Restrukturierungsprozess der letzten zwei Jahre und die Neupositionierung der Marke in punkto Bildsprache, Kollektionen und Internetauftritt bereits positive Abverkaufserfolge. Der im April 2013 komplett überarbeitete Online-Store liegt über den Erwartungen und der Zuspruch des Facheinzelhandels in den ersten Vororderrunden der Saison Frühjahr / Sommer 2014 ist positiv. Die Ergebnisse liegen über Planniveau.

Olsen wird in mehr als 30 Ländern verkauft und setzte 2012 über 89 Mio. Euro um, davon rund zwei Drittel im Ausland. 2010 stieg Wolff & Olsen beim Ingolstädter Hosenspezialisten Rosner ein, der kürzlich zum zweiten Mal Insolvenz anmelden musste.

Fotos: Olsen