Modehandel: Konfrontation mit Systemlieferanten und Onlinehändlern
Zurück auf Anfang: Nach der Steilvorlage im ersten Halbjahr 2011 haben viele Händler in diesem Jahr weniger Umsatz gemacht. Schuld sind neben dem unpassenden Wetter auch viele Systemlieferanten und Onlineshops, die den stationären Fachhandel ausstechen.
Wegen des schlechten Sommerstarts haben viele Händler schon jetzt reduziert
Das erste Halbjahr kann der deutsche Modehandel allenfalls als „durchwachsen“ bezeichnen, das ist das Ergebnis der Tagung des BTE-Präsidiums von Mitte Juni. Der Branchenverband schätzt, dass die Umsätze derzeit rund 2% unter dem Vorjahresniveau liegen dürften. Nach einem recht guten ersten Quartal, war das zweite Quartal deutlich schwieriger, was vor allem auf das unpassende Wetter zurückgeführt werden kann. Im Vergleich zum Jahr 2010 sind allerdings viele Händler noch im Plus, allerdings bei merklich höheren Kosten, etwa für Personal oder Energie.
Stationärer Handel in der Klemme
Neben dem Wetter machen es auch vertikal organisierte Lieferanten dem Handel schwer. Überdistribution, die bevorzugte Lieferung an eigene Shops, frühzeitige Reduzierungen in den eigenen Läden oder dem Onlineshop sowie die Vermarktung von Restanten über Factory-Outlets oder Online-Shoppingclubs lassen den Facheinzelhandel stellenweise blass aussehen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt der BTE den Händlern, problematische Marken konsequenter auszulisten und dafür alternative Lieferanten aufzunehmen bzw. abwechslungsreichere Multilabel-Flächen einzurichten. Auch wenn die Bereitschaft dafür noch schwach ausgeprägt ist, weil der Handel oftmals keine Alternativen sieht, könnte mehr Mut dem ein oder anderen Händler zu mehr Umsatz und Rendite verhelfen. Ähnlich problematisch wie die Systemlieferanten sieht der BTE das „Erstarken der Online-Konkurrenz“, wodurch die Kundenfrequenz in den Läden sinkt. Auch wenn der Vertriebskanal kein haptisches Erlebnis bietet, bestellen immer mehr Kunden aus Convenience-Gründen. Oftmals sind Kunden im stationären Handel mit fehlenden Größen konfrontiert und ordern dann online, als auf die (in der Regel länger dauernde) Nachlieferung im Geschäft zu warten. Der Handel kann solchen „abtrünigen Kunden“ mit einem verstärkten Maß an Beratung und Interaktion begegnen, denn immer öfter fehlt dieser Service, insbesondere auf größeren Flächen. Die Einrichtung eines eigenen Onlineshops ist für mittelständische Händler schwierig, da etablierte große Wettbewerber die Latte bezüglich Service- und Erlebnisgrad so hoch gelegt haben, dass ein ähnliches Erlebnis für Mittelständler kaum finanzierbar ist. In einen aktuellen zeitgemäßen Internetauftritt sollten Händler allerdings investieren – nicht nur für Kunden, sondern auch um potentielle Bewerber für das eigene Haus zu begeistern.







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