Reif fürs Museum? HDE-Präsident prognostiziert, dass in den nächsten fünf Jahren über 50.000 Läden verschwinden werden. Die kleine Boutique ist ein Auslaufmodell - wenn nichts geschieht.

Große Innenstädte sind für viele Kunden attraktiver als der Handel in der Kleinstadt

Große Innenstädte sind für viele Kunden attraktiver als der Handel in der Kleinstadt

In einem Interview mit der Wirtschaftswoche machte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser vor allem die Onlinehändler wie Amazon dafür verantwortlich, dass immer mehr Läden schließen müssen. Gefährdet seien vor allem Geschäfte in ländlichen, strukturschwachen Regionen, die der Abwanderung ins Netz nichts entgegen setzen können. Gleichzeitig führen die Vergreisung und die Abwanderung vieler junger Leute in die großen Städte zur weiteren Verödung von Kleinstädten. Sanktjohanser rechnet damit, dass bis 2020 „bis zu 50.000 Läden vom Markt verschwinden“ werden. Von der Politik fordert er daher Maßnahmen: angefangen von Investitionen in Innenstädte und Straßen, bis hin zu einer Gleichstellung von Online- und Stationärhandel bspw. was die Steuergesetzgebung angeht. Es sei nicht nachvollziehbar, dass ein Unternehmen, das hierzulande Milliardenumsätze macht, hierzulande keine Gewinn- oder Gewerbesteuer zahle, sagte er mit Blick auf den US-Handelsgiganten Amazon. Beim Thema Tarifpolitik will er sich hingegen nicht einmischen – das sei Aufgabe der Gewerkschaft Ver.di.

Es gibt mehr Gründe als Amazon

Ob aufpolierte Innenstädte die Jugend davon abhalten werden, in die Metropolen zu gehen? Es wird sie bestimmt nicht davon abhalten, online zu bestellen, weil die Auswahl im Netz einfach größer und hipper ist und weil es einfach bequemer und billiger ist, als in die Stadt zu fahren und sich samstags durch volle Kaufhäuser zu drängeln. Ein weiterer Grund für das Ladensterben könnte auch sein, dass der familiäre Rückhalt fehlt. Vielleicht will die Tochter lieber im Konzern arbeiten statt hinter der Ladentheke zu stehen und vielleicht kann (und will) der gut verdienende Ehemann seiner Frau ihr Liebhaber-Hobby nicht mehr wie früher subventionieren. Das heißt, es bleiben heute wirklich nur die Läden, die laufen. Und dass sie nicht laufen, hat in der Modebranche mehr Gründe als die schnöde Onlinekonkurrenz. Daneben vermiesen billige Fast-Fashion-Filialisten das Geschäft. Und auch die einstigen Verbündeten, die Hersteller, müssen ihr Terrain sichern und stellen sich vertikal auf und werden so zur Konkurrenz. Um ihr eigenes Modell zu befeuern, liefern sie Daunenmäntel im August. Die will kein Kunden bis November im Laden sehen, also werden sie rabattiert rausverkauft. Aber mit Rabattschlachten lässt sich eben kein Geld verdienen. Die Folgen dieses viel komplexeren Themas primär auf Amazon abzuwälzen, ist einfach, aber nicht in Gänze richtig.