Massenkollaps in H&M Zulieferer-Fabriken
Wer zahlt den wahren Preis für schnelle Modetrends? Erneut sind in einer kambodschanischen Textilfabrik hunderte Arbeiter zusammengebrochen. Der schwedische Modekonzern will den Vorfällen mit Hilfe von Experten auf den Grund gehen.
Dass es um die Arbeitsbedingungen in kambodschanischen Textilfabriken nicht immer gut bestellt ist, zeigte bereits ein Fall im Juni, bei dem bei einem Zulieferer des Sportartikelherstellers Puma mehrere hundert Arbeiter über Übelkeit und Benommenheit geklagt hatten.
Nun erwischt es eine Textilfabrik in Kampong Chnnang, die von dem H&M-Zulieferer M&V International Manufacturing Ltd. betrieben wird. Mehr als 280 Beschäftigte, zumeist Frauen, sollen zusammengebrochen und ins Krankenhaus gebracht worden sein, teilten die lokalen Polizeibehörden mit. Mittlerweile gehe es den Betroffenen wieder besser. Die Ursache für den Kollaps ist noch unklar, viele Arbeiter hätten sich im Vorfeld über einen „komischen Geruch“ beschwert, erklärten kambodschanische Gewerkschaftsvertreter. Auch zu viele Überstunden, schlechte Belüftung und ein allgemein schlechter Gesundheitszustand stehen als mögliche Gründe zur Diskussion. Viele Arbeitnehmergruppen nutzen den aktuellen Medienrummel, um darauf aufmerksam zu machen, dass nicht nur die Arbeitsbedingungen grundsätzlich schlecht sind und täglich einige Leute aufgrund von Schlafmangel oder Hunger ohnmächtig werden, sondern auch die Löhne viel zu niedrig ausfallen: umgerechnet 0,30 US-Dollar erhalten die Arbeiter je Stunde. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 48 Stunden oder mehr macht das einen Monatslohn von 61 Dollar.
H&M will aktiv aufklären
H&M will den Vorfällen nun auf den Grund gehen. Auf seiner Facebook-Page teilte der Modekonzern mit: „Wir sind uns der Massenohnmachten, die bei einigen Zulieferern in Kambodscha stattfanden, einschließlich der neusten Vorfälle bei M&V, sehr bewusst. Die Regierung, die örtlichen Behörden und die internationale Arbeiter-Organsisation ILO haben die Vorfälle untersucht und bisher keine plausiblen Ursachen finden können. Unsere Mitarbeiter vor Ort haben die betroffenen Betrieben ebenfalls für eine erste Überprüfung besucht und die Arbeiter zu den Vorfällen befragt. Derzeit bereiten wir zusammen mit externen Experten von Better Factories Cambodia und dem Arbeitgeberverband GMAC eine tiefergehende Untersuchung vor, um den Vorfällen zu klären.“
H&M ist aber nicht der einzige große Modekonzern, der sich mit schlechten Arbeitsbedingungen bei Zulieferfirmen auseinandersetzen muss: Auch Konkurrent und Zara-Mutterkonzern Inditex stand kürzlich wegen fragwürdiger Arbeitsbedingungen bei den brasilianischen Zulieferern in der Kritik.
Foto: via flickr






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