Billig und gut, das geht fast nie gut: Fast Fashion bleibt mit Makeln behaftet. Sei es nun, dass H&Ms Conscious Collection doch nicht wirklich nachhaltig ist, Modegigant Zara mit Sklaverei-Vorwürfen konfrontiert wird oder KiK-Kleidung von Kinderhänden genäht wurde.

CCC_H&M Conscious?

Wie conscious (bewusst) ist H&M, fragt sich die Clean Clothes Campaign anlässlich der groß angelegten Werbeoffensive für die Conscious Collection mit Vanessa Paradies

Der Druck auf die Fast-Fashion-Retailer wächst: Immer mehr Konsumenten schauen genauer hin und Organisationen wie die Clean Clothes Campaign (CCC) sorgen für Kratzer im Saubermann-Image der großen Modekonzerne und erhöhen den öffentlichen Druck.

H&M: Weniger bewusst als gewusst

Die Organisation CCC stellte in der letzten Woche den schwedischen H&M Konzern mit einer europaweit verbreiteten Werbeparodie an den Pranger und fragte, wie „conscious“ die Modelinie sein könne, wenn den ArbeiterInnen in den Zuliefererbetrieben in Fernost nicht einmal existenzsichernde Löhne gezahlt werden. Der staatliche Mindestlohn in Kambodscha liege akutell bei 75 Dollar im Monat, allerdings wäre fast das Vierfache notwendig, um es einer Näherin zu ermöglichen, sich und ihre Familie zu ernähren. H&M ging dazu in die Offensive und rechtfertigte sich: H&M selbst betreibe keine Fabriken und setze damit auch keine Löhne fest. Im konzerneigenen Code of Conduct verpflichte man die Zulieferer, die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhne zu zahlen. Letztlich aber erhalten alle ArbeiterInnen den gleichen Lohn – unabhängig davon, für welches westliche Unternehmen sie nähen -, daher sei es wichtig, die Entscheidungen darüber auf höchster politischer Ebene zu fällen. Aus diesem Grund arbeite man mit anderen Marken zusammen und spreche mit politischen Vertretern in den Zulieferländern, um die Mindestlöhne in die politische Diskussion zu bringen und die Löhne so langfristig zu steigern.

Zara als Sklaventreiber?

Auch Konkurrent Zara steht momentan massiv unter Beschuss: In Argentinien wurden gegen das Unternehmen Untersuchungen wegen Verdachts der Sklaverei eingeleitet. Die Nicht-Regierungsorganisation „La Alameda“ entfachte den Vorwurf, dass die spanische Modemarke einen großen Teil ihrer Waren von hauptsächlich bolivianischen Arbeitssklaven in versteckten Nähereien fertigen lässt. In den untersuchten Betrieben in Buenos Aires herrschten tatsächlich unsoziale Bedingungen: Ausländische Arbeiter, denen man die Pässe abgenommen hatte, schuften im Akkord mehr als 15 Stunden täglich, erhalten kaum Ausgang und hausen in engen Schlaf- und Wohnräumen mit katastrophalen hygienischen Bedingungen. Von dem mickrigen Lohn müssen sie noch Reise- und Verpflegungskosten bezahlen. Mit ähnlichen Beschuldigungen musste sich Zara auch schon in Brasilien auseinandersetzen. Direkt kommentieren wollte man die Vorwürfe nicht, allerdings erklärte der Konzern, dass man von den Anschuldigungen „überrascht“ sei und man gerne mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten werde, um die Situation aufzuklären. Nach vorliegenden Informationen gab es keine Beziehung zwischen den untersuchten Lieferanten und Zara. Insgesamt arbeitet Zara in Argentinien mit rund 60 Zulieferbetrieben zusammen, in den letzten beiden Jahren wurden etwa 300 Audits vorgenommen, um die Einhaltung der Arbeitsbedingungen sicherzustellen.

Kik

KiK bleibt KiK und ein Skandal um die Produktionsbedingungen folgt dem nächsten

KiK bleibt KiK

Last but not least, bleibt KiK zu erwähnen. Das geächtete Schmuddelkind der Branche schafft es nicht, den bösen Ruf abzuschütteln. Nach den Fabrikbränden in Pakistan, bei denen mehrere hundert Arbeiter starben, muss sich KiK nach einer RTL-Reportage jetzt dem Vorwurf der Kinderarbeit stellen. Ein Hauptlieferant des Textildiscounters aus Bönen soll zwischen 10- und 14-jährige Minderjährige beschäftigt haben. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erklärte KiK, dass es sich dabei angeblich um „illegales Subcontracting“ gehandelt haben soll. Man würde die Geschäftsbeziehungen zu dem Produzenten sofort beenden. Ansonsten gibt man sich wie die Konkurrenz auch machtlos und ahnungslos: Wie andere Modeanbieter auch verlasse man sich auf das „branchenübliche Kontrollsystem“ und immer häufige auch eigene Audits.

Foto: CCC/ Archiv