H&M: Kritik á la Slumdog Millionaire
Ob es nun wahr ist oder nicht... Das von Dandy Diary gedrehte Video mag ein Fake sein, trotzdem bringen die Berliner Blogger für eine Wimpernschlag mal wieder Spannung in das Thema "Fertigung in asiatischen Billiglohnländern". Juristisch wird ihr Filmchen aber einige Nachwirkungen haben.
Der „Werbefilm“ von Dandy Diary soll die H&M-Produktion der Wang-Kollektion zeigen. Stimmt nicht, sagt der Konzern
Die Vorstellung der Alexander Wang Kollektion in New York war fulminant – aber das Design-Kollaborationen mittlerweile fast zum Alltag gehören, war der Verkaufsstart trotz reichlicher Plakatierung relativ ruhig. Im Netz hingegen ging es heiß her: Die Internet-Rabauken David Kurt Karl Roth und Carl Jakob Haupt von Dandy Diary hatten am Donnerstag ein Video hochgeladen, das zeigen sollte, wie indische Kinder die „Alexander Wang x H&M“ Kollektion nähen. Dazu ein Schmähtext, in dem die Praktiken von H&M und der New Yorker Designer kritisiert werden: „Wang wurde einst übel geschmäht, weil er seine mies bezahlten Näher in China Town 16 Stunden am Tag und ohne Pause arbeiten ließ, und der schwedische Kinderarbeitgeber lässt bekanntermaßen in asiatischen Sweatshops gerne mindestens genauso lang und nach Möglichkeit von möglichst zierlichen Händchen seine 4,90 Euro T-Shirts nähen.”
Nur ein „Anti-PR-Filmchen“
Mittlerweile wurde das Video gelöscht (im Netz kursiert es aber immer noch) und die Juristen des schwedischen Riesenkonzerns befassen sich mit dem Thema. Das knapp 80 Sekunden dauernde Filmchen ist offensichtlich ein Fake – nicht nur wegen der im Film gezeigten „Arbeiterkinder“ mit den schwarzen Kulleraugen und der weißen Etiketten, die in Wirklichkeit schwarz sind. „Diese Kollektion wurde nicht in Indien produziert. Zudem duldet H&M ausweislich seines im Internet abrufbaren Verhaltenskodex ausdrücklich keine Kinderarbeit und bezieht sich dabei auf die UNO-Konvention über die Rechte des Kindes und die Konventionen 138 und 182 der ILO (International Labour Organization)“, heißt es in der offiziellen rasch herausgegebenen Stellungnahme von H&M. Haupt und Roth haben ihre Arbeit selbst als „Werbefilm“ betitelt. Der PR-Coup könnte den beiden Berliner Bloggern, die sich öfter mal mit dem Mode-Establishment (zuletzt mit Angermaier wegen einer skandalösen Lederhose) anlegen, teuer zu stehen kommen, denn H&M behält sich auch Schadensersatzansprüche vor. Trotzdem dürften beide Seiten irgendwie profitiert haben: Dandy Diary haben es damit mal wieder bis in den Spiegel und andere große Medien geschafft, was ihren Ruf als „führender Männer-Blog“ weiter stärken dürfte, und auch H&M bekam noch mal PR zum Verkaufsstart, wenn auch schlechte…
Fokus auf die Zulieferbedingungen – zumindest für einige Minuten
Nichtsdestotrotz haben die Blogger die Aufmerksamkeit auf den wunden Punkt der (Fast) Fashion-Industrie gelenkt: Die Arbeitsbedingungen in den Zuliefererländern. Dabei ist das Thema komplexer als die vermeintlich gezeigte Kinderarbeit: ausreichende Sicherheitsvorkehrungen, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und faire Löhne sind viel bei der Vielzahl der beauftragten Lieferanten und Subunternehmern viel schwerer zu kontrollieren. Der Wettbewerb in den Zuliefererländern um den günstigsten Preis entspringt zwar unserer westlichen Ideologie, ist aber in der Realität schwerer zu fassen und zu verstehen. Wenn nicht hier, dann halt woanders: Wenn es sich nicht mehr lohnt, ein T-Shirt für Cent-Beträge in einem Land herzustellen, wird halt ein günstigerer Standort gesucht, bspw. in Äthiopien. Eine Veränderung wird es allerdings erst geben, wenn die Konsumenten anfangen, sich der Hintergründe der Preispolitik bewusst zu werden und endlich bereit sind, einen fairen Preis für ihr T-Shirt zu bezahlen. Da aber die Mehrheit der Deutschen gerne bei Discountern und Highstreet-Ketten einkauft, dürfte das noch ein langer Weg sein.
H&M Statement: „Diese Kollektion wurde nicht in Indien produziert“
Foto: Screenshot des Videos Fairtradefashion von Dandy Diary // Statement von H&M







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