Leichtes, pastellfarbenes Sommermärchen 2012
Selbst Schwarz-Weiß-Denker müssen im nächsten Sommer Farbe bekennen - zumindest bei modischen Details und Accessoires. Geht es nach den Designern der Berliner Fashion Week, wird der Sommer 2012 von Pastelltönen, Neon-Akzenten und kontrastreichen Materialmixen dominiert.
Der neue Standort am Brandenburger Tor kam beim Publikum gut an – genauso wie die Installationen im Studio, das parallel zu den Schauen detaillierte Blicke auf die Kollektionen für die nächste Frühjahr/Sommerkollektion erlaubte. Modisch gab es nicht unbedingt viel Neues zu sehen, dafür hatte man aber das Gefühl, man habe in Berlin seinen eigenen Stil gefunden. Unaufgeregt anregend und anziehend – mit einem Hang zu verspielten Details und Akzenten – so ließe sich wohl am besten der (korall-)rote Faden für die Berliner Saison SS 2012 beschreiben.
Den Auftakt der Mercedes-Benz Fashion Week machte in diesem Sommer Michael Sontag, der seine Models mit fließenden Stoffen drapierte. Faltenwürfe und Raffungen an Kleidern, Hosenanzügen oder Blazern schmiegten sich in pastellige Töne – von Creme, Rose, leichtes Taubenblau – oder in dunklem Nougat perfekt den weiblichen Körpern an.
Lena Hoschek blieb ihrem Stil treu: Ihr 50ies-Look wurde in diesem Sommer von der italienischen Rivera inspiriert – Marinestreifen, Pepitakaros oder Punktmuster sorgten für den leichten maritimen Chic, Details wie Hütchen, Lochstickereien und Schleifchen gaben dem Ganzen die typische Verspieltheit.
Strenesse Blue zeigte wie immer elegante, feminine Mode ohne viel Schnick-Schnack. Klare Linien und Formen wirkten in Kombinationen aus Creme, hellem Zitronengelb, Beige, Grau, Rot oder Azur trotzdem beschwingt und leicht.
Die beiden großen Jeans-Brands G-Star und Diesel ließen es sich nicht nehmen, ebenfalls bei der MBFW in Berlin dabei zu sein. Während G-Star die weibliche Kundschaft schon seit Längerem mit äußerst raffinierter Schnittführung und ausgefallenen Details überzeugt – und nur selten die Tiefen des Denimblau verlässt, gab sich das italienische Brand Diesel, das sich der Eroberung der (reiferen) Frauenherzen verschrieben hat, deutlich farbenfroher und „unjeansiger“. Sandtöne, Weiß, Schwarz oder Khaki, teilweise in Kombination mit orangefarbendenden Teilen verdrängten den klassischen Denim-Look.
Bei Escada Sport waren Schnitte und Farbgebung von dem Flair Marrakeschs inspiriert: Dezent-bunte Mosaiks und fließende Stoffe wie Seide und Chiffon wurden mit wallenden Kleidern, Haremshosen und bauchfreien Tops neu interpretiert. Sandtöne wurden mit Nachtblau oder Henna kombiniert – hier und da blitzten pinke Sandalen auf dem nassen Laufsteg hervor.
Die Premiere von Basler war auf den ersten Blick wenig aufregend, aber auf den zweiten: Innovative Materialien und weibliche Schnitte bestimmten die Kollektion des neuen Kreativdirektors Brian Rennie, bei anscheinend gern viel Bein zeigen lässt. Neben unifarbenen Teilen in Schwarz, Pink oder Sand fanden sich auf vielen Kleidern bunte Feldblumen wieder. Abschließend wurde Abendmode mit metallischen Oberflächen, Rüschen oder Asymmetrien gezeigt.
Dorothee Schumacher knüpfte an ihre Kollektion aus der letzten Sommersaison an: Sandtöne mit neonfarbenden Details, die aber in dieser Saison deutlich sparsamer eingesetzt wurden. Leicht und kaum bemerkbar wie Sommerwind wechselten leichten Stoffe und Stickereien mit schwerer Seide, Strick und sogar Leder. Wie kaum eine andere versteht es die Designerin geschickt Haute Couture so lässig und feminin zu interpretieren. Fast jedes Teil ein Lieblingsstück.
Perlenzauber bei Allude: Pastellfarbene Stoffe, glänzende Materialien, gefällige Schnitte sorgten für leichtes unbeschwertes Sommer-Feeling unter dem Motto „Casual cashmere for a cool summer“. Die Kollektion war inspiriert von Natur, Kunst und Technologie – der Feingeist lag hier im Detail, wie etwa den Perlmuttknöpfen.
Laurèl ließ sich von dem Frankreich der 60er und 70er Jahre inspirieren. Der typische French Chic wurde mit Phytonprints, Schlapphüten, breiten Gürteln, Volants und Miniskirts in Senftönen, Kirschrot oder Azurblau wiederbelebt.
Farbexplosion bei Rena Lange: Grasgrün trifft auf Knallgelb – das Label ließ sich von den Farben des blühenden Jardin du Luxembourg inspirieren. Weite Marlenehosen, bodenlange Chiffonkleider, eine durchsichtige Carmenbluse und Minikleider mit den unterschiedlichsten Prints wie Streifen oder Blüten bestimmten die eher romantisch angehauchte Kollektion.
Das Duo von Mongrels in Common setzte auf das ungewöhnliche Thema: Heidi geht tauchen. Das Ergebnis: Das Blau der Tiefsee umgarnt braun-graue Felsentöne. Riesige Ketten mit außergewöhnlichen Formen unterstrichen den Bruch, der eigentlich gar keiner war. Dazu gesellten sich ein curryfarbener Trenchcoat, ein blassblauer Blazer, eine pfirsichfarbene Bluse und ein durchsichtiger, leicht türkisfarbener Chiffonrock.
Auf der historischen Museumsinsel im cleanen, puristischen Ambiente präsentierte HUGO, wie man sich in Metzingen den Sommer 2012 vorstellt. Dem Ambiente folgte die Musik und die Kollektion, die Kreativchef Eyan Allen unter das Motto „Poetic Tailoring“ gestellt hatte. Urban, futuristisch, minimalistisch – mal auf den Körper geschneidert, mal oversized – mit metallfarbenden oder matten Stoffen und einer sehr klarer Linienführung. Farblich überwog puristisches Weiß, strahlendes Blau, Marine und souveränes Koralle.
Pünktlich mit den Hähnen wach: Anja Gockel übernahm am Freitag die Frühschicht und glänzte wortwörtlich mit fließenden, leichten Stoffen wie Seide, Baumwollstretch und Satin und einer Extraportion Lebensfreude. Zum 15-jährigen Jubiläum setzte die Designerin auf Farben wie Türkis, Lava, Sunshine, Kirsche, Fuchsia und Limone, die sie mit Flowerprints oder „Crazy Camouflage“ mixte. Witziges Detail: in den durchsichtigen Bags fand sich allerlei Unnützes und Nützliches… Kurzum: eine Kollektion, die „weibliche Stärke“ und Gelassenheit unter Beweis stellte.
Marcel Ostertag spielte mit Licht und Schatten: Beige und Sand wurde mit Kamel verdunkelt, mit Off-White erleuchtet oder mit Schwarz oder Gelb kontrastiert. Geraffter Tüll traf auf fließende Seide, unkomplizierte Baumwollgewebe oder glänzendes Leder. Zum Schluss lief der Designer mit einem Strauß weißer Rosen selbst über den Laufsteg.
Kilian Kerner nahm das Publikum auf eine „Reise bis woanders“ mit – zarte Töne, klare Schnitte, fließende Schnitte dominierten die sensiblen „Traveler-Outfits“. Die nude-, rosé- oder cremefarbenden Silhouetten waren schmal und eher schlicht geschnitten und setzten auf raffinierte Paspelierungen, unerwartete Farbdetails oder verspielten Asymmetrien.
Nach einer Lasershow setzte sich Michalsky mit der StyleNite im Tempodrom vor 1.400 Gästen selbst ein Denkmal – und mit dem Motto seiner Show „Tolerance“ ein Statement. Im kreisrunden Catwalk zeigten Models (darunter Toni Garrn, Mario Galla und die 65-jährige (!) Modelikone Eveline Hall) verschiedene eher grau gehaltene Sommeroutfits, bei denen er klassische Looks mit Streetwear-Elementen verknüpfte. Farbtupfer waren flache neon-gelbe Stiefelchen. Anschließend wurde die neue Kollektion Lascana by Michalsky präsentiert, deren Farbspektrum von Weiß, Schwarz, über Gold bis hin zu Türkis und Fuchsia reichte. Anschließend feierte das Partyvolk mit prominenten Vertretern auf der Dachterasse mit Mini-Burgern und Vodka-Drinks.
Die Berliner Woche schloss A.F. Vandevorst ab – eingeleitet mit einem langen Moment der Stille. Im Sommer 2012 präsentiert sich das Label wärmer, weicher und gewagter als in der Saison zuvor. Dunkles Beige oder Gau mischt sich mit warmem Rot, aufgedruckte Streifen in Jade und Sienna sorgen für interessante Kontraste. Insgesamt wirkte die Kollektion in permanenter Veränderung begriffen – selbst die Frisuren der Models wirkten irgendwie „unaufgeräumt“.
Fotos: Mercedes-Benz Fashion Week Berlin




























Kommentare
Keine Kommentare bisher.