MBFW Berlin: Kreativ, tragbar und hoffnungsvoll
Auch wenn Berlin nicht das Line-up international bekannter Designer hat wie Mailand oder Paris, muss sich die deutsche Hauptstadt nicht verstecken. Die jungen Wilden sind zwar nicht mehr so jung, aber auch noch lange keine 80 - und natürlich nach wie vor kreativ. Und echte Hollywood-Prominenz schafft es mittlerweile auch immer öfter in die deutsche Front-Row.
Puristisch, cool und lässig: Hien Le in Berlin
Warum müssen die Deutschen eigentlich immer alles kaputt reden? Die Kritik am Standort schadet Berlin mehr als sie nützt und ist dabei so unnütz wie ein Pickel am… na wo auch immer. Klar, die Berliner Fashion Week kann nicht mit gestandenen Namen wie Prada, Burberry Versace, Chanel oder Armani punkten, dafür mit vielen unverbrauchten Namen, die durchaus Tragbares und Ungekünsteltes über den Laufsteg schicken. Was nicht vergessen werden darf, Berlin ist noch jung im Vergleich zu den Grandes Cités der internationalen Modeszene, aber dafür hat Berlin momentan kein Nachwuchsproblem, das Mailand und Paris momentan umtreibt. Und ganz ehrlich, Ermanno Scervino oder John Varvatos aus Mailand, Aganovich, Masha Ma oder Moon Young Hee aus Paris sagen selbst Brancheninsidern nicht unbedingt viel. Dass einige deutsche Labels wie Achtland, Hugo Boss oder Allude andere Städte vorziehen, hat nicht allein mit dem Ruf Berlins zu tun sondern wohl vielmehr mit strategischen Erwägungen.
Echter Glamour in Spitzen
Was allerdings schon nervt, sind die vielen C-Z-Promis, die bei Castingshows unter den Top 10 landeten, bei noch abgedroschenen Sendungen gleichunbedeutende Promis bekochen oder die Kinder von abgehalfterten ZDF-Stars sind. Wenn das Glamour bringen soll, na dann „Gute Nacht, Berlin!“. Aber es geht ja auch anders: Diesen Sommer fanden immerhin Tilda Swinton, Bar Raffaeli, Hilary Swank, Marcia Cross und Elisabetta Canalis den Weg nach Berlin. Michalsky konnte IT-Girl Rita Ora als Music-Act gewinnen. Und das alles, obwohl in Paris parallel Haute Couture gezeigt wurde.
Wer braucht schon Hugo Boss?
Was man nicht vergessen darf, der Trend zum Legeren spielt Berlin in die Hände und gestandene deutsche Unternehmen wie Riani oder Marc Cain nutzen die Fashion Week mit viel Erfolg. Holy Ghost, das Label, dass sich in Deutschland wegen der tragbaren casualen Kollektionen schon einen Namen gemacht hat, wird zwar nie Chanel-Status haben, muss es aber auch nicht. Kommerziell erfolgreich sind Namen wie Anja Gockel, Dorothee Schumacher, Riani oder Marc Cain allemal – die Schauen im Rahmen der Mercedes-Benz Fashion Week sind eine erfolgreiche Marketing-Maßnahme, die von ihren Kundinnen sehr geschätzt wird. Auch für Guido Maria Kretschmar ist die Fashion Week wirksames Mittel zur Außendarstellung – so kann der Designer zeigen, dass er tatsächlich Mode kann – und nicht nur TV-Star ist. Lala Berlin ist international gesehen da schon ein anderes Kaliber – die internationale Presse liebt Leyla Piedayesh, die mit ihren leichten, lässigen Strickkreationen mal wieder überzeugte.
Heller, fließend, verspielt und strukturiert
Modisch gesehen zogen sich einige Trends durch fast alle Schauen: Farblich wird es wieder pastelliger, kühles Hellgrau Mintgrün wie Hien Le oder Isabell de Hillerin zeigte, darf im nächsten Frühjahr in keinem Schrank fehlen. Helles Olive- oder Kiwigrün ist neben Blau in allen Schattierungen ebenfalls ein Muss. Neben einigen Farbausläufern dominieren jedoch eher tonale Farben – beige, cremeweiß – und auch die Schwarz-Weiß-Kombinationen sind noch längst nicht vergessen. Prints bleiben – egal ob als ausgefallene oder zarte schwarz-weiße Papageien-Stilisierung wie bei Anna Gorke oder Malaikaraiss, große Blumen, Punkte oder Animalprints bei Marc Cain. Blumig wurde es auch bei C’est tout, die einen bezaubernden Hippie-Bohemian-Look zeigten oder Minx – by Eva Lutz, die neben opulenten Red-Carpet Looks auch sportiv-feminine Alltagsoutfits präsentierte. Farbenfrohe Hippie-Kultur in Reinform präsentierte Miranda Konstantinidou, abgeschwächt spielten auch Laurél und Riani mit Bohemian-Einflüssen und transformierten sie mit schimmernden Oberflächen oder fluoreszierenden Prints ins 21. Jahrhundert. Lena Hoschek, die sonst eigentlich ihren Grease-Rockabily-Look auf die Spitze trieb, setzte dieses Mal gekonnt auf Ethno-Prints. Auch Lala Berlin spielte mit Orient-Einflüssen. Kilian Kerner setzte eher mit an goldenen Stickereien oder an Kirchenfenster erinnernde Mosaikstrukturen eher auf das Thema Okzident. Ein weiteres großes Thema bleibt Leder in allen Varianten – strukturiert, perforiert, beschichtet, bestickt – so wie es Augustin Teboul präsentierten. Malaikaraiss, Dawid Tomaszewski und Holy Ghost geben dem Hemdenkleid noch eine Chance. Eine Nummer größer als Kaftan-Variante bringen ihn Perret Schad, Kilian Kerner oder Miranda Konstantinidou. Ansonsten sind Kleider und Röcke stark fließend, etwa bei den Elfen von Frida Weyer oder bei Dawid Tomwaszewski, Perret Schad und Schumacher. Geschickt nutzen viele Designer das Spiel mit Oberflächen – entweder als Layering mit verschiedenen Stoffen, mit Netzeinsätzen oder als 3D-Optiken. Perret Schad lieferten da ein Highlight ab: Ein schimmernder, subtil durchbrochener Trenchcoat mit blauem Innenfutter. Touché, Berlin – du hast es immer noch drauf.
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Riani
Anne Gorke
C’est Tout
Frida Weyer
Marc Cain
Rebekka Ruetz
Augustin Teboul
Barre Noire
Franziska Michael
Miranda Konstantinidou
Kilian Kerner
Isabell de Hillerin
GLAW
Fotos: Courtesy of Mercedes-Benz Fashion Week Berlin

















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