Die Schauen der Mercedes-Benz Fashion Week zeigten alles: Kommerzielles, Progressives und Retrospektivisches. Etablierte Namen und hoffnungsvolle Newcomer bilden ein schönes, vielfältiges Bild vom Berliner Style. Die Top Looks des kommenden Sommers - direkt vom Laufsteg.

Neben den Modewochen in Paris, Mailand, London und New York sieht Berlin immer noch blass aus. Große, etablierte Namen mit internationalem Flair und globalem Retail-Netzwerk fehlen, aber nichts desto trotz ist die deutsche Hauptstadt Grad- und Trendmesser für verkäufliche Kollektionen und Plattform für durchaus sehenswerte Jungtalente. Anja Gockel, Riani, Marc Cain, Minx by Eva Lutz und Dorothee Schumacher sind feminin, kommerziell und unaufgeregt natürlich. Zum Berliner Establishment gehören die Progressiven wie lala Berlin, Hien LeHoly Ghost, Malaikaraiss und Perret Schaad, deren Stil wahrscheinlich am ehesten den Berliner Contemporary Look verkörpert. Aber Berlin kann noch mehr: Frische Impulse kamen von den Jungen, wie Bobby Kolade, Marina Hoermanseder, Annelie Schubert, William Fan und Fyodor Golan.

Seventies ja, aber nur in Maßen

Aus Trendsicht lässt sich folgendes festhalten: Bohemian kommt – auch in Berlin, aber lässig und clean interpretiert. Hoher Bund, Velour, Fransen, Carmenblusen, Miniröcke, weite Hosen, Tuniken – all das findet sich wieder. Im Gegensatz dazu positionieren sich weite, skulpturale Silhouetten, lange Mäntel und Westen, Cargothemen und die schlichte, weiße Hemdbluse. Lochstickerei – das zeigten einige – muss nicht immer romantisch sein. Viele Designer griffen das Thema Konfektion auf und interpretierten den Hosenanzug frech mit umgeklappten Schultern bei Bobby Kolade, lässig-sportlich in Farbgebung und Form bei Fyodor Golan, weit und hochgeschlossen bei Piroshka oder bauchfrei in Nagelstreifen bei lala Berlin. Das Thema Bauchfrei wird sich mit Cropped Shirts auch im nächsten Sommer fortsetzen, dennoch bieten die neuen Formen mit hoher Taille auch neue Ideen, um mit Gürtel zu spielen. Dabei muss man nicht so weit (oder vielmehr breit) gehen wie Rebekka Ruétz. Etwas dezenter arbeiteten William Fan oder Lena Hoschek. Cool-lässig wird es im apfelgrünen Polominikleid oder mit einer weiten Culotte von Hien Le. Zeitlos und überzeugend waren die blassblauen Popelinehemden von Dorothee Schumacher und weiße Blusen von Malaikaraiss. Uneingeschränkt sehenswert war die Kollektion von Marina Hoermanseder – verspielt, klassisch, aber irgendwie immer überraschend. Mehr davon!


Fotos: Mercedes-Benz (Frazer Harrison, Toni Passig, Peter Michael, Joern Pollex, Michael Dills, Zak Kaczmarek, Adam Berry)