Kinderarbeit in Indien: Halb so wild in der Textilindustrie?
Indische Texil- und Bekleidungsproduzenten spielen die Verletzungen der Kinderschutzrechte herunter, seit bekannt ist, dass sie erneut auf der Black-List der Vereinten Nationen stehen werden. Dies trübt den Absatz ihrer Waren in den USA nämlich gewaltig.
Die Vereinten Nationen haben Indien erneut auf die Liste zum Schutz der Opfer von Menschenhandel (Trafficking Victims Protection Reauthorization Act (TVPRA) List) gesetzt. Die Liste, die Länder nennt, die gegen das Verbot der Kinderarbeit, des Menschenhandels und der Sklaverei verstoßen, wurde nun in Amerika veröffentlicht. Die indische Textilindustrie fürchtet nun, dass ihr erneutes Auftauchen in der Liste, ihren Exportraten schaden könne. Die indische Textilexportraten sinken seit Monaten rapide. Der Indische Textilexport-Verband (Apparel Export Promotion Council – AEPC) glaubt daher nicht, dass man das gesetzte Exportziel von 12 Mrd. US-Dollar in diesem Jahr erreichen werde. Dafür sind nicht nur steigende Baumwollpreise oder der härter werdende Wettbewerb mit Ländern wie China und Bangladesch verantwortlich, sondern auch der Ruf, die Arbeitnehmer- und Menschenrechte zu missachten. Insofern betreibt der AEPC jetzt öffentlichkeitswirksame Schadensbegrenzung.
Erst kürzlich wurde hat der AEPC einen eigenen Ethik-Kodex für die Textilbranche verabschiedet. Der Kodex, an den alle Mitglieder gebunden sind, verbietet ausdrücklich Kinderarbeit, lässt Gewerkschaften zu und setzt Standards zu Arbeitszeiten, Mindestlöhnen und weiteren arbeitsrechtlichen Themen.
Die USA hat in Anlehnung an die Liste der Vereinten Nationen zwei Gesetze erlassen, die der indischen Textilindustrie den Absatz in ihr wichtigstes Abnehmerland merklich erschweren. Zum einen sollen Verbraucher darüber informiert werden, welche Länder Kinderarbeit zulassen, um zu entscheiden, ob sie die Produkte kaufen. Zum anderen ist es staatlichen Einrichtungen, Produkte aus Ländern zu kaufen, in denen Kinderarbeit üblich ist. Der Vorsitzende des AEPC, Premal Udani, reiste letzten Monat eigens nach Washington D.C., um den dort zuständigen Verantwortlichen die Bedenken der indischen Textilindustrie vorzustellen, „Mißverständnisse“ auszuräumen und den neuen Ethik-Kodex vorzustellen, um zu verhindern erneut in der Liste aufzutauchen.
Trotz der Aktionspläne und öffentlichen Bekundungen, steht fest, dass es in Indien immer noch Kinderarbeit gibt, obwohl es Kindern unter 14 Jahren dort offiziell verboten ist, in „gefährlichen“ Industrien zu arbeiten. Die indische Regierung schätzt, dass rund 12 Millionen Kinder unter 14 arbeiten; NGOs veranschlagen die Zahlen doppelt so hoch. Und einige dieser Kinder arbeiten sicherlich auch in Textilfabriken. „Kinderarbeit ist in der Textilindustrie ganz üblich, meistens eher in kleinen Betrieben oder den unteren Stufen der Wertschöpfungskette“, erklärt Shireen Miller von der Kinderrechts-Organisation Save the Children India.
Neben Indien stehen u.a. auch China, Jordanien, Thailand, Malaysia und Argentinien auf der Black-List der Vereinten Nationen.
Foto: via picapp/Getty Images/Daniel Berehulak







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