Kilian Kerner: Von Höhen und Tiefen
Das Berliner Designer-Label wächst weiter und eröffnet weitere Shop-in-Shops beim britischen House of Fraser. Auf den Aktienkurs des Unternehmens wirkt sich das Wachstum allerdings nicht aus, denn der ist weiter im Sinkflug. Die Eigentümer führten eine Kapitalerhöhung durch.
Beliebt bei den Briten: Kilian Kerner Senses beim House of Fraser
Das Berliner Label Kilian Kerner baut seinen Vertrieb in UK mit fünf neuen Shop-in-Shops für die Zweitlinie Kilian Kerner Senses beim britischen Luxuskaufhaus House of Fraser weiter aus. Nach drei kürzlich erfolgten Eröffnungen in Manchester, Norwich und der Londoner Oxford Street sollen im September weitere Flächen in Glasgow und Dublin folgen. Damit wäre Kilian Kerner Senses in insgesamt acht Häusern des Traditionskaufhauses mit Flächen zwischen 45 und 60 Quadratmetern vertreten. Großbritannien gehört neben Deutschland zu den Fokusmärkten des Berliner Labels, das mittlerweile in 14 Märkten präsent ist. Das Unternehmen kündigte an, die Expansion auf den britischen Markt auch in Zukunft weiter fortzusetzen.
Auf Sinkflug: Der Aktienkurs der Kilian Kerner AG im letzten Jahr
Trotz des guten Wachstums stößt die Aktie der Kilian Kerner AG im Gegensatz zur Mode des Designers auf weniger Beliebtheit. Nach einem Jahreshoch von 1,87 Euro rutschte der Kurs der Aktie teilweise auf unter 0,20 Euro. CEO Manfred Volz erklärte, dass der Markenwert von „Kilian Kerner“ wohl deutlich über dem aktuellen Börsenwert liegen dürfte, und ist zuversichtlich, dass die Umsätze, insbesondere mit neuen Lizenzen und mit medialer Unterstützung im Zuge einer Kooperation mit einer Filmproduktionsgesellschaft, weiter deutlich steigen werden. In einem Brief an die Aktionäre erklärte er kürzlich, dass von dem in 2012 ausgewiesenen Konzernbilanzverlust in Höhe von 5 Mio. Euro nur 1,2 Mio. Euro „tatsächlich liquiditätsrelevant“ waren. Dieser Betrag entspräche genau den Planungen und wird für die Entwicklung und Produktion der nächsten Kollektion verwendet. Aus diesem Grund soll die Finanzierung des Unternehmens weiterhin über Kapitalerhöhungen und Fremdmittel erfolgen. Im Zuge dessen hat das Unternehmen in der letzten Woche eine weitere Barkapitalerhöhung aus genehmigtem Kapital unter Ausschluss des Bezugsrechts im Umfang von 200.000 Aktien durchgeführt. Ein institutioneller Investor und CEO Volz haben die neuen Aktien zu einem Bezugspreis von 1,00 Euro platziert.
Fotos: Kilian Kerner / © Cameron Vines





Am 29. August hat der Modedesigner Kilian Kerner seine Aktionäre zur Hauptversammlung geladen. Viel Grund zur Freude gibt es allerdings nicht.
von Lars Winter, Euro am Sonntag
Hohe Verluste, eine klamme Kasse und undurchsichtige Verträge rund um eine Filmbeteiligung, die für einen Hauptteil der Erlöse verantwortlich ist, prägen das desaströse Bild. Obendrein kennt der Aktienkurs seit dem Börsenlisting praktisch nur eine Richtung: nach unten. So gut wie jeder, der bisher in die Firma investierte, machte ein Drauflegergeschäft. Vom Hoch bei knapp 2,50 Euro zum Börsendebüt im Juli 2012 hat sich der Titel mittlerweile gezehntelt. Ohne Kapitalerhöhungen, die zwischenzeitig meist bei einem Großaktionär platziert wurden, würde der Börsenwert bereits unterhalb von einer Million Euro liegen.
Doch selbst mit dem aktuellen Marktwert von knapp zwei Millionen Euro ist die Aktie von Kilian Kerner weder der Kategorie Small Cap zuzuordnen, noch verdient sie die Bezeichnung Micro Cap. Der ausgebombte Pennystock notiert schlichtweg auf nicht mehr wahrnehmbaren Bonsainiveau. Im Prinzip ist das auch das Einzige, was für den Titel spricht. Aus Sicht von Spekulanten wohlgemerkt, denn zum Investment taugt Kilian Kerner ohnehin nicht mehr. Mit einer derart mickrigen Marktkapitalisierung sind hohe Kursausschläge und Manipulationen des marktengen Bonsaititels aber programmiert.
Es gibt Tage, da reichen 50 Euro Handelsumsatz aus, um die Aktie um 25 Prozent nach oben zu bewegen. Von Dauer sind diese Kurssprünge allerdings nicht. Allenfalls sind es Momentaufnahmen. Die Tendenz zeigt nach wie vor nach unten. Das Hauptproblem: Kilian Kerner braucht permanent frisches Geld. Erst jüngst musste der Großaktionär wieder mit einer Kapitalspritze in Höhe von 0,2 Millionen Euro aushelfen. Das Geld wird nicht lange reichen. Vorstand Manfred Volz kündigte deshalb bereits neue Kapitalerhöhungen an. Die Genehmigung dafür soll auf der Hauptversammlung abgesegnet werden. Laut Tagesordnung plant das Management, das Grundkapital nochmals um knapp die Hälfte um über 3,7 Millionen Euro zu erhöhen — unter Ausschluss des Bezugsrechts versteht sich. Investierten Anlegern droht dann eine weitere große Verwässerung des Depotbestands und dem Aktienkurs wohl weiteres Ungemach.