Beim Essener Kaufhaus-Konzern rührt sich was: Zum einen ersetzt der Metro-Mann Harald Fraszczak den scheidenden Finanzchef Josef Schultheis, zum anderen kommt ein weiterer Berggruen-Vertrauter in den Aufsichtsrat. Und dann läutet Karstadt auch noch die Ära von drei separaten Geschäftsbereichen ein.

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Harald Fraszczak ist neuer Karstadt-CFO

Gleich zwei Meldungen verließen am Mittwochnachmittag die Karstadt-Presseabteilung.

Neuer Finanzchef

In der einen Meldung wird bestätigt, dass Harald Fraszczak vom Aufsichtsrat zum Geschäftsführer Finanzen bestellt wurde. Der 50-Jährige folgt damit dem Restrukturierungsexperten Josef Schultheis, der seit dem Sommer 2009 bei Karstadt ist und im letzten Herbst interimistisch zum CFO bestellt wurde. Schultheis scheidet nun wie geplant aus, wird dem Unternehmen aber während einer Übergangsphase beratend zur Seite stehen. Fraszczak kommt vom Handelskonzern Metro, wo er 20 Jahre in unterschiedlichen Führungspositionen tätig war. Bis 2010 war er CEO der Metro-Tochter Metro Cash & Carry Deutschland. Vor 1990 arbeitete der studierte Betriebswirt beim Lebensmitteldiscounter Aldi. „Ich freue mich sehr, dass wir Harald Fraszczak für Karstadt gewinnen konnten. Er verfügt über ein tiefes Verständnis des deutschen und internationalen Handels und ist ein ausgewiesener Finanzexperte. Ich bin sicher, dass er unser Managementteam hervorragend verstärkt, und wünsche ihm alles Gute und viel Erfolg“, kommentierte Karstadt-Chef Andrew Jennings den Neuzugang.

Karstadt_Ton Trentelman

Ton Trentelman folgt in den Karstadt-Aufsichtsrat

Neues Aufsichtsratsmitglied

Auch im Aufsichtsrat gibt es eine neue Personalie. So folgt dem Rechtsanwalt Dr. Roland Hoffmann-Theinert, Partner bei der Kanzlei Görg Rechtsanwälte, der während der Restrukturierung in das Gremium eingetreten war, nun Ton Trentelmann als Aufsichtsratsmitglied mit Wirkung zum 17. Mai 2011 nach. Trentelmann ist wie bereits drei andere Aufsichtsratsmitglieder ein Berggruen-Vertrauter, der die Geschäfte von Berggruen Holding in den Niederlanden führte. Der 57-Jährige verfügt über internationale Managementerfahrung und Know-How in den Bereichen Vertrieb, Marketing und Finanzen, das er sich u.a. bei Unternehmen wie Unilever, Degussa (heute Evonics) und Jan Dekker International angeeignet hat.

Neue Struktur

Die zweite Meldung bestätigt Karstadts Kurs auf eine stärkere Spezialisierung der Handelsaktivitäten. Der Aufsichtsrat beschloss wie erwartet am Mittwoch eine Strategie, nach der Karstadt in drei rechtlich eigenständige Geschäftseinheiten – Warenhäuser, Premiumhäuser (KaDeWe, Oberpollinger, Alsterhaus) und Sporthäuser – unterteilt wird. Damit soll mittel- bis langfristig eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Marktposition in den drei Geschäftsbereichen erzielt werden.

Karstadt begründet die Dreiteilung damit, dass die Geschäftseinheiten unterschiedlich weit entwickelt sind und sich unterschiedlich im Markt positionieren müssten. Durch die Spezialisierung sollen die drei Sparten Warenhaus, Sport und Premium ihr Markenprofil schärfen und sich konsequent und fokussierter auf die jeweiligen Zielmärkte ausrichten. Dadurch sollen die Bereiche die Möglichkeit erhalten, „verschiedene Wachstumsoptionen zu nutzen, darunter auch solche, für die rechtlich eigenständige Einheiten sinnvoll sind“, formulierte der Aufsichtsratsvorsitzende Jared Bluestein, und fügte hinzu: „Unser Gesellschafter hat unverändert die Absicht, alle drei Geschäftsbereiche langfristig und systematisch weiter zu entwickeln.“

„Die neue Struktur stellt den Kunden in den Mittelpunkt aller Aktivitäten. Das ist der langfristige Rahmen für die umfassende Strategie, die wir derzeit entwickeln und in einigen Wochen vorstellen wollen. Selbstverständlich umfasst diese Strategie sämtliche Geschäftsbereiche, wobei ein besonderer Fokus auf dem klassischen Warenhausgeschäft liegen wird“, ergänzt Karstadt-CEO Andrew Jennings.

Auch wenn die Einheiten nach außen hin eigenständig auftreten, sollen zentrale Back-Office-Dienstleistungen wie Finanzen, IT und Personal zentral abgewickelt werden. Die Aufgliederung der drei Karstadt-Aktivitäten soll umgehend in Angriff genommen werden und in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen werden.