Hollister lässt wieder private Pippi-Pausen zu
Mehr Privatsphäre bei Blasendruck: Die Mitarbeiter der Frankfurter Filiale der US-Modekette dürfen zukünftig wieder ohne Bewachung auf die Toilette gehen. Unternehmen und Betriebsrat einigten sich darauf, bevor der Fall vor Gericht diskutiert wurde.
Hinter der kalifornischen Kulisse brodelt es, denn Privatsphäre wird bei Hollister ziemlich klein geschrieben
Angestellte der Hollister-Filiale im Einkaufszentrum MyZeil dürfen ab sofort in der Spätschicht wieder ganz alleine auf die Toilette gehen. Die sog. „Overnighter“, die das Chaos des Tages in der Nacht wieder in Ordnung bringen und die Regale auffüllen, durften während ihrer Schicht nur in Begleitung eines Wachmanns auf die Toilette gehen. Die Anweisung der Geschäftsleitung erfolgte nachdem es vermehrt zu „Vandalismus in den Sanitärräumen“ gekommen war.
Der aufmuckende und gegen den Willen der Unternehmensleitung gegründete Betriebsrat, der schon einige Vorfälle in der Filiale kritisiert hatte, hatte daraufhin gefordert, die Pinkel-Bespitzelung wegen des zu krassen Eingriffs in die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter zu unterlassen. Die Betriebsratsanwältin Tania Ihle beantragte beim Frankfurter Arbeitsgericht eine einstweilige Verfügung gegen die „unsäglichen“ Kontrollen. Zu einer Anhörung am angesetzten Termin am 20. August kam es allerdings nicht, da Hollister vorzeitig einlenkte. Beide Seiten einigten sich außergerichtlich darauf, dass es zukünftig keine Pinkel-Polizei mehr geben wird. Gemeinsam soll nun erörtert werden, wie die „Funktionsfähigkeit der Toiletten“ per Betriebsratsvereinbarung gewährleistet werden kann.
Die Einigung gilt nur für die Frankfurter Filiale. In den anderen Standorten kann es weiterhin ähnliche Maßnahmen geben. Die Gewerkschaft ver.di kritisiert seit langem das schikanierende Gebaren des US-Konzerns gegen Mitarbeiter. So geriet Hollister auch in die Kritik, weil Taschen und Jacken nach der Arbeit am Eingang, und damit vor den Kunden, durchsucht wurden und Mitarbeiter per Kamera überwacht wurden. Weiter stieß negativ auf, dass sich die Mitarbeiter ihre Arbeitskleidung selbst kaufen müssten (wenn auch rabattiert), den Mitarbeitern trotz gekühlter Räume nicht erlaubt wurde, warme Schuhe anzuziehen und selbst Kunden ein gewissen Standing haben müssen, um Klamotten der Schwestermarke Abercrombie & Fitch tragen zu dürfen.







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