Hochwasser: Katastrophe für den Einzelhandel
Auf den Dauerwinter folgt der Flutsommer: Während Städte in Bayern, Thüringen und Sachsen im Hochwasser versinken, kämpfen viele Einzelhändler schon mit der Existenz. Die Hilfspakete, die die Bundesregierung in Aussicht stellt, sollen unbürokratische Hilfe sichern. Doch auch jenseits der Flutgebiete leidet der deutsche Einzelhandel.
Das steht bis zum Hals oder höher: Die Drei-Flüsse-Stadt Passau wurde von den Wassermassen eingeschlossen
Der Regen verändert alles – die Stimmung, die Konjunktur und vielleicht sogar den Ausgang der Bundestagswahl. Während die Pegelstände in Bayern, Thüringen und Sachsen historische Höchstmarken erreicht haben, rechnen Wirtschaftswissenschaftler bereits die finanziellen Schäden des verregneten Frühsommers aus. Während in vielen Industriebetrieben wegen der Überschwemmungen die Produktion ruht, leidet in den Überschwemmungsgebieten neben der Landwirtschaft und der Baubranche insbesondere der Einzelhandel. Viele Geschäfte stehen wegen ihrer Erdgeschosslage unter Wasser. Einrichtung und Waren sind vielerorts unbrauchbar geworden. Die Sachschäden belaufen sich auf hunderte Millionen Euro, hinzu kommt der entgangene Umsatz wegen Schließungen oder fehlender Nachlieferungen. Genau beziffern lassen sich die Schäden aktuell noch nicht. Als 2002 die Flüsse ebenfalls über die Ufer traten, wurden die Gesamtschäden auf 17 Mrd. Euro geschätzt – und davon war nur ein Bruchteil versichert. Damit können die Auswirkungen der Flutkatastrophe für viele kleinere Unternehmen existenzbedrohend werden. Kanzlerin Merkel sicherte den betroffenen Regionen in Süd- und Ostdeutschland schnelle und unbürokratische Hilfe zu. Rund 100 Mio. Euro will sie bereitstellen – ein Tropfen auf den heißen Stein (insbesondere wenn man bedenkt, dass das unbrauchbare Drohnen-Projekt das Fünffache verschlungen hat). Wie das Geld verteilt werden soll, soll in den nächsten Tagen u.a. mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) sowie den führenden Wirtschaftsverbänden DIHK (BDI (Industrie), ZDH (Handwerk), HDE (Einzelhandel) und Dehoga (Hotel und Gaststätten) erörtert werden.
Nachdem der Textileinzelhandel schon im ersten Quartal nicht richtig Fahrt aufnehmen wollte, weil der Winter viel zu lange dauert, bleiben wegen des wechselhaften, regnerischen Wetters auch die Sommerkollektionen in den Läden stecken. Die Nachfrage leidet bundesweit. Nach dem Umsatzminus von 2% in 2012 erscheint es angesichts des katastrophal verlaufenden ersten Halbjahr undenkbar, dass dieses Jahr ein Pari oder gar Plus erreicht wird.
Foto: via flickr/jaquesnorris







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