Nach der Flut: Viele Hersteller helfen
Jetzt wo sich die Fluten in Bayern wieder glätten, wird jetzt der ganze Schlamm-massel deutlich. Viele rechnen damit, dass die Schäden gravierender sind als beim Jahrhunderthochwasser vor elf Jahren. Unternehmen wie Brax, s.Oliver, Clinton und Sabu bieten ihren Handelspartnern unbürokratische Hilfe an.
Während in Ostdeutschland die Wassermassen weiter anschwellen, fängt man in Bayern vorsichtig an, Bilanz zu ziehen. Und die fällt schlecht aus: Aufgrund des gravierenden Hochwassers steht vielen Einzelhändlern auch nach Erreichen des Scheitelpunkts das Wasser bis zum Hals. Viele Geschäfte wurden durch die Flutkatastrophe ruiniert und können nicht ohne Weiteres wiedereröffnet werden. Das gesamte Ausmaß der Katastrophe ist aktuell noch nicht abzusehen. Viele Händler sind darauf angewiesen, Hilfe in Form von Sondervaluta, Stornierungen, Verschiebungen von Aufträgen oder andere Hilfsmaßnahmen in Anspruch nehmen zu können.
Das Herforder Modeunternehmen BRAX etwa gewährt seinen in Deutschland und Österreich betroffenen Handelspartnern eine vierwöchige Sondervaluta auf alle Rechnungen der Vororder H/W13. Insgesamt sind rund 100 Kunden betroffen, schätzt Brand Director Michael Horst. Der unbürokratische Zahlungsaufschub sei bei den betroffenen Einzelhändlern schon vor zehn Jahren schon auf „positive Resonanz“ gestoßen, daher hat sich das Unternehmen auch jetzt dazu entschlossen, begründet Geschäftsführer Wolfgang Drewalowski die Hilfe.
Hilfe angeboten hat auch die Heilbronner Verbundgruppe Sabu. Durch Servicemitarbeiter und die Mitgliederbetreuung recherchiere man, welche Hilfsmaßnahmen am dringendsten benötigt werden. Das Unternehmen schätzt, dass die Situation dieses Jahr schlimmer sei als in 2002.
Die Clinton Großhandels-GmbH (Camp David, Soccx) hat ebenfalls einen internen Krisenstab in der Unternehmenszentrale eingerichtet, der Sofortmaßnahmen erarbeitet. „Seit Tagen erhalten wir mehr und mehr Anfragen von betroffenen Kunden nach Hilfsleistungen jeglicher Art“, erklärt Jens Leppin, Sales Director DACH. „Mit jedem einzelnen von ihnen entwickeln wir nun ganz individuelle Hilfsmaßnahmen, die sofort greifen und zur schnellen Entspannung der Lage beitragen sollen.“
Auch s.Oliver lässt seine Kunden nicht im Regen stehen. Für die betroffenen Geschäftspartner haben die Rottendorfer „rückwirkend vier Wochen Valuta auf den Liefertermin Juni und vorausschauend auf den Liefertermin Juli gegeben“. Zudem stehe man in ständigen Kontakt mit den Händlern, um individuelle Hilfsmaßnahmen zu erörtern, bestätigte Mathias Eckert, Managing Director International Wholesale & Franchise. Darüber hinaus spendet s.Oliver im oberbayrischen Kolbermoor rund 6.000 Kleidungsstücke im Wert von 100.000 Euro an Anwohner, die fast nichts mehr haben. Als „bayrischen Familienunternehmen“ will man einen Beitrag dafür leisten, dass Hilfe direkt und schnell ankommt.
Der Handelsverband HDE forderte im Gespräch mit dem Bundeswirtschaftsminister und anderen Wirtschaftsverbänden ebenfalls schnelle und unbürokratische Hilfe, etwa in Form von Verlegung von Steuerterminen, Steueraussetzungen oder –reduzierungen und Gewährung von Sonderabschreibungen bei Neuinvestitionen. Insbesondere in den Neuen Ländern zahlen heute noch viele Unternehmen die Kredite für den Wiederaufbau nach 2002 ab. Aber auch viele andere Händler sind indirekt vom Hochwasser betroffen, etwa weil der Verkehr zusammengebrochen ist oder Kunden die Innenstädte wegen der Hochwassermeldungen meiden.
Foto: via fickr/tigion








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