Heul vor Schreck: Weil es Onlineanbieter wie Zalando dem Schuhfilialisten aus Hamburg aktuell schwer machen, hat die Unternehmensführung nun ein drastisches Sparpaket geschnürt. Von 260 Filialen sollen 30 geschlossen werden.

Görtz Filiale_Hannover

Görtz stellt sein Konzept auf den Prüfstand - große Häuser werden wohl bleiben

Der Schuhhandel steckt in der Krise – und Deutschlands großer traditioneller Schuhhändler Görtz leidet darunter. Am Donnerstag mussten die Gesellschafter Ludwig und Friedrich Görtz gegenüber der Belegschaft einräumen, dass in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden, und dass diese Fehler das Geschäft heute belasten. Der Umsatz brach ein, statt eines Gewinns stand unter dem Strich ein niedriger zweistelliger Verlustbetrag, und 2012 sollen weitere Verluste drohen.

Neben dem schlechten Wetter und dem allgemeinen Abwärtstrend im Schuheinzelhandel (2011 musste der deutsche Schuhhandel ein Minus von 2% verkraften) schiebt man vor allem der Onlinekonkurrenz die Schuld in die Schuhe. Onlinehändler wie Zalando setzten den stationären Schuhhandel unter Druck, zusätzlich drängen immer mehr Modegeschäfte in die Domäne ein und böten neben Mode eben auch Schuhe an. Der Görtz-Sprecher nannte diese Entwicklung einen „historischen Strukturwandel“. Die ganze Branche müsse sich auf einen knallharten Wettbewerb einstellen. Auch der Berliner Konkurrent Leiser (Bahner-Gruppe) hat den Abwärtstrend nicht verkraftet und sich selbst in die Insolvenz eingewiesen.

Um einem Insolvenzverfahren zu entgehen, müssen die Hanseaten nun handeln – und sie handeln mit Nachdruck: Von 260 Filialen sollen 30 geschlossen werden. Betroffen sind kleinere unrentable Läden, meist Görtz 17 Filialen. In der Hamburger Zentrale sollen 100 von rund 250 Stellen gestrichen werden. Die Betroffenen sollen in eine Transfergesellschaft entlassen werden, wo sie Angebote zur Weiterentwicklung erhalten sollen. Mit einem neuen Management soll sich Görtz neu aufstellen: Mehr Beratung, mehr Service, mehr Qualität sind die Schlagworte mit denen das Geschäftsführungstrio Christian Moritz, Thorsten Hermelink und Jörn Peters in den nächsten 24 Monaten das schwere Erbe vom langjährigen Ex-Geschäftsführer Christoph von Guionnea aufpolieren wollen. Das eher trendgerichtete Filialkonzept Görtz 17 soll überarbeitet werden, um auch ältere Kunden anzulocken. Görtz soll 2013 wieder in die Gewinnzone zurückkehren und langfristig wieder als führende nationale Schuhhandelsmarke im Qualitätssegment positioniert werden. Sogar zehn Neueröffnungen sind bis 2014 schon fest geplant.