Happy Ending: Der Modeschöpfer, der sich schon frühzeitig den Ruf als kreatives Enfant terrible erwarb, beendet seine Prêt-à-porter-Karriere mit einem opulenten als Misswahl gestalteten Bühnenspektakel im Stil der 80er Jahre.

Wer wird denn die Miss Gaultier? Nach der Show war es eigentlich gar nicht mehr so wichtig

Wer wird denn die Miss Gaultier? Nach der Show war es eigentlich gar nicht mehr so wichtig

Das Ende von Jean Paul Gaultiers Karriere als Prêt-à-porter-Designer war in Paris das Highlight der diesjährigen Modewoche. Schließlich tritt einer der ganz Großen zurück: Gaultier will sich künftig nur noch auf Haute Couture und Parfums konzentrieren.

Modisch gesehen setzte der 62-Jährige auf das, was er schon immer gut konnte: Maritime Ringelshirts, geschnürte Bustiers, Nadelstreifensmokings, drapierte Schultern und übergroße Hüte. All das inszenierte er im Theater „Le Grand Rex“ auch so, wie er es schon immer gut konnte – mit viel Pomp. Allerdings schoss er dieses Jahr über das Ziel hinaus und wurde dafür mit Standing Ovations gefeiert. Die über 30-minütige Show war eine Retrospektive an die stilprägenden Entwürfe seiner Karriere. Bekannte Supermodels wie Karlie Kloss, Lindsey Wixson, Coco Rocha, Chantal Monaghan oder Alessandra Ambrosio schickte er unter den dröhnenden Bässen von 80er-Jahre-Songs in seine opulente Miss-Wahl. Insgesamt zehn Miss-Kategorien gab es:

Eröffnet wurde die Show mit Miss Marniere, die wie das Berliner Fernsehballett aufgestellt waren: Das französische Streifenshirt ist nach wie vor einer seiner schönsten Klassiker – am Meer, in der Stadt und überhaupt.

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Miss Hommage à Madame de Palmay – Eine Hommage an Gaultiers Muse – die spanische Schauspielerin Rossy da Palma, die auch live und wahrhaftig den Miss-Contest als Komiteesvorsitzende moderierte und am Ende dieses Akts sogar einen kleinen Strip hinlegte. Es dominierten Nadelstreifen, große Hüte und Bustiers.

Miss Tour de France war musikalisch gesehen eine Liebeserklärung an Frankreich, modisch gab es Radlerhosen, gelbe Stulpen und Kleider im Trikot-Look, Werbeaufdruck inklusive.

Durchaus regenfest erwiesen sich die Models beim Miss Meteo Kontest: Mit Schirm, (farbenfrohen) Charme und Regencapes waren die Wetterfeen in Gummistiefeln unterwegs.

Miss Redactrice de Mode: Beim Tribut an Vogue-Redakteurinnen wie Anna Wintour, Carine Roitfeld und Suzy Menkes  johlte das Publikum am meisten, da die Anspielungen wohl jedem bekannt waren. Handy, Zigarette, Sonnenbrille waren die wichtigen Accessoires. Highlight war modisch gesehen wohl der goldene Trenchcoat.

Miss WAGS oder Miss Femme de Footballeur: Eine Parodie auf überstylte und zu knapp bekleidete Spielerfrauen, bei denen man nicht weiß, ob ihre Vorliebe für Bling-Bling oder für schmolllippige Selfies größer ist.

Miss Vintage: Klassische Schönheiten jenseits der 60 schritten in Spitzenroben an der Seite junger, halbnackter, aber gut trainierter Männer über den Laufsteg. Typisch Gaultier eben – sowohl die Frauen als auch die Männer.

Miss Smoking – Mit Zigarettenstab und in schwarzen Smoking-Entlehnungen mit schönen Asymmetrien schritten die Models über den Catwalk. Am Ende folgten blassrosa Entwürfe, die an das von ihm geschaffene Madonna-Korsett erinnerten.

Miss Lucha Libre: In Ganzkörper-Anzügen und bunten Wrestler-Masken stiegen die Model um den Etappensieg in dieser Kategorie in den Ring.

Am Ende standen dann über 70 Models auf der Bühne des Theaters. Gewonnen hat den Miss-Wettbewerb dann übrigens die anmutige Coco Rocha, die sich in ihrem halbsilbernen Spitzbusen-Kleid gegen die Konkurrenz durchsetzen konnte und auch noch eine Überraschungsohnmacht vortäuschte. Als das Goldkonfetti dann auf die Bühne regnete, verabschiedete sich der Maestro persönlich.

Merci, Jean Paul!

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Fotos: Patrice Stable p/o Jean Paul Gaultier