Calida Gruppe: Hungrig auf Wachstum
Der Schweizer Wäscheanbieter verbucht im ersten Halbjahr ein leichtes währungsbereinigtes Umsatzplus. Allerdings sorgt die massive Retailexpansion der letzten Monate für Gewinneinbußen. Nichtsdestotrotz setzt Calida-Chef Sulzberger auf weitere neue Läden und schließt sogar eine weitere Übernahme nicht aus.
Entzückende Aussichten? Die Calida-Gruppe ist angespornt durch die gute Entwicklung der Luxusmarke Aubade heiß auf andere "friendly takeovers"
Die Schweizer Calida-Gruppe konnte in den ersten sechs Monaten 2012 ein währungsbereinigtes Plus von 3,0% einfahren. In Schweizer Franken sank der Umsatz allerdings um 0,7% auf 93,9 Mio. CHF, was auf den schwachen Euro-Kurs zurückgeführt werden kann. Wie in der Vergangenheit haben beide Marken zum Wachstum beigetragen: Die Kernmarke Calida verzeichnete ein währungsbereinigtes Plus von 0,4% auf 60,8 Mio. CHF, während die französische Luxusmarke Aubade um 7,6% auf 33,1 Mio. CHF zulegte. Wachstumstreiber war bei beiden Marken das Retailgeschäft mit einem Plus von 15,6% bei Calida und 21,5% bei Aubade, während der Vertrieb über den Fachhandel und die Warenhäuser „unter Druck“ blieb. Während der Calida-Wholesale-Umsatz um 2,1% zurückging, wuchs er bei Aubade zwar um 1,6, allerdings mit rückläufiger Tendenz. Das Retailwachstum stellt sich flächenbereinigt aber ebenfalls nur als mäßig heraus: Calida legt um 2,8% zu, während Aubade nach einer Steilvorlage im Vorjahr sogar um 3,1% nachgibt.
Das Retailgeschäft war es aber auch, dass die Ergebniskennzahlen nach unten rutschen ließ. Das operative Ergebnis (EBIT) lag mit 6,9 Mio. CHF um 2,3 Mio. CHF bzw. 25% unter dem Vorjahresniveau. Das Unternehmensergebnis fiel mit 5,5 Mio. CHF sogar um 37% geringer aus als im Vorjahr. Im Jahr 2011 hatte die Gruppe insgesamt 24 neue Boutiquen für beide Marken eröffnet und dafür rund 10,2 Mio. CHF investiert. Die Kosten für diese Stores, insbesondere die Abschreibungen und Betriebskosten, schlugen in dieser Berichtsperiode voll zu Buche, ließ der Konzern mitteilen. Weitere 1 Mio. CHF wurden mit einer nicht realisierten Unternehmensübernahme veranschlagt.
Aubade etabliert sich auch außerhalb Frankreichs mit eigenen Boutiquen
Zauberformel Retail?
Calida-Chef Felix Sulzberger fühlt sich in seiner Strategie trotz dieser Zahlen gestärkt, schließlich dauert es erfahrungsgemäß einige Jahre bis neue Läden ihr Umsatz- und Ertragspotential voll ausschöpfen. Für ihn hat die Retail-Internationalisierung bestätigt, dass seine Marken auch außerhalb der Heimatmärkte mit Erfolg bestehen können, und dass das Detailhandelskonzept „gezieltes Wachstum in Märkten mit Potential erlaubt“.
Statt Konsolidierung steht nun Wachstum im Vordergrund. Neben dem Ausbau des Retailnetzwerkes im In- und Ausland, steht die Erschließung von Wachstumsmärkten in China sowie externes Wachstum durch die Übernahme weiterer Marken im Vordergrund. Bis Mitte 2012 wurden 13 Aubade-Boutiquen außerhalb dem Heimatmarkt Frankreich und fünf Calida-Stores außerhalb von Deutschland und der Schweiz eröffnet. Sulzberger hatte in der Vergangenheit mit Aubade bewiesen, dass es ihm gelingen kann, angeschlagene Marken wieder auf den Wachstumskurs zu führen. Anders als damals ist die Gruppe nun aber nicht an Unternehmen in der Wäscheindustrie und ähnlichen Segmenten interessiert, sondern gibt sich bei der Zielsuche generöser.
Ausblick für 2012 verhalten
Für die zweite Hälfte des Jahres bleibt die Calida-Gruppe verhalten optimistisch, obwohl die Orderbücher weniger gut gefüllt sind wie im Vorjahr und die Nachordertendenz eher schwach ausfällt. Aufgrund des wichtiger werdenden Retailgeschäfts rechnet man in Sursee mit einem stabilen Jahresumsatz auf währungsbereinigter Basis. Auch das Ergebnis soll „solide ausfallen“.
Fotos: Aubade







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