Adler Modemärkte machen ein kleines Plus
Negativer Branchentrend zerstört die Vision vom Überflieger: Das Modeunternehmen aus Haibach kann die Umsätze in den ersten neun Monaten aber immerhin um 4% steigern. Weil das Jahresendgeschäft erst noch kommt, ist der Vorstand optimistisch, das Gesamtjahr recht positiv abzuschließen.
Adler expandiert kräftig mit eigenen Standorten
Die Adler Modemärkte AG hat ihren Umsatz in den ersten neun Monaten 2011 um 4% auf 315 Mio. Euro steigern können. Das dritte Quartal verlief allerdings – wie fast überall im Modehandel – etwas ernüchternder: aufgrund des schwachen Sommermonaten und dem verspäteten Starts ins Herbst-/Wintergeschäft musste Adler von Juli bis September ein Minus von 7% auf 90,7 Mio. Euro hinnehmen, womit es bei Adler aber immer noch besser verlief als beim Branchendurchschnitt. Auf Like-for-Like-Basis verbuchte das Unternehmen in den ersten neun Monaten dann trotzdem ein Plus von 1%.
Wachstum mit mehr Standorten
Weit über den Erwartungen entwickelt sich die Standortexpansion des Unternehmens: Zu Ende September verfügte Adler über 161 Modemärkte, davon allein 133 in Deutschland. In den ersten neun Monaten wurden acht neue Märkte eröffnet. Zusätzlich übernahm Adler zum 30. September die 18 Filialen der insolventen Wehmeyer Lifestyle GmbH. Bis zum Jahresende soll das Filialnetz um weitere sieben Standorte ergänzt werden.
Auch unterm Strich ganz gut behauptet
Der Börsengang, die rasche Standortexpansion und hohe Beschaffungs- und Baumkosten drückten allerdings auf die Ergebniszahlen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) belief sich in den ersten neun Monaten auf 4,7 Mio. Euro. Das bereinigte EBITDA lag nach 7,2 Mio. Euro im Vorjahr in diesem September bei 5,6 Mio. Euro. Laut Finanzvorstand Jochen Strack hat sich Adler damit in Zeiten einer eher schwachen Branchenentwicklung allerdings recht „gut behauptet“. Grund dafür ist auch die Weiterführung des eingeleiteten Turnarounds und die Optimierung des Einkaufs. „Die operativen Verbesserungsmaßnahmen beginnen zu greifen. Die Repositionierung im Textileinzelhandel und die Wiederaufnahme der traditionellen Marketingmaßnahmen tragen bereits Früchte. Die Modernisierung der Adler-Märkte geht voran und wird von der Zielgruppe um die 45 Jahre angenommen“ kommentiert Thomas Wanke, COO bei Adler.






Es zeugt von Realitätsverlust zu schreiben, dass Adler ein kleines Plus gemacht hat. In Wirklichkeit verbirgt sich hinter den Zahlen ein sattes Minus. Denn: noch profitiert Adler von einem Stillhalteabkommen mit dem Betriebsrat, nach dem die Adler Mitarbeiter bis 2013 jährlich auf insgesamt 10 Mio Gehaltszahlungen verzichten (Weihnachtsgeld, Erfolgsprämie etc.). Ohne diesen Gehaltsverzicht würde sich das EBITDA auf minus 5,3 Mio belaufen. Adler ist und bleibt ein Sanierungsfall.