Vom Außenseiter zum gefeierten Modedesigner – und das, ohne jemals eine Modeschule besucht zu haben! Kilian Kerner gründete sein gleichnamiges Label vor sieben Jahren und heimst seit dem fast nur Lob für seine Entwürfe ein.

Eigentlich wollte geborene Kölner Schauspieler werden und besuchte Schauspielschulen in Berlin und Köln. Kleinere Rollen im „Tatort“ und „Nikola“ waren jedoch nichts im Gegensatz zu seiner heutigen Popularität. 2002 wandte er sich dann der Mode zu und ließ die Schauspielerei sein. Fließende Stoffe, schmale Silhouetten, Asymmetrie und Stoffmixe sind die Markenzeichen des 30-Jährigen. Schon in den Anfangsjahren etablierte sich das Berliner Label Kilian Kerner auch auf dem internationalen Markt. Heute wird seine Mode nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien, Frankreich und den USA und sogar nach Asien verkauft. 2009 wagte er mit seinen Freunden Matthias Schweighöfer, Joko Winterscheidt, Sebastian Radlmeier zusätzlich das Design-Konzept German Garment.
Mit Hilfe von Investoren firmiert das Label seit Ende des Jahres 2010 unter der Kilian Kerner AG und will nun auch mit einer kommerziellen Linie die Modewelt erobern.
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Kilian Kerner - modisches Naturtalent
1. Wie bist du von der Schauspielerei zur Mode gekommen?
Das war ein Prozess. Ich hab mich nicht hingesetzt und dachte mir “Ach, heute werde ich jetzt doch lieber Modedesigner”. Ein Jahr lief das parallel bis ich irgendwann bemerkte, was ich für einen Ehrgeiz entwickelte, was die Mode anging. Das fehlte mir in der Schauspielerei. Irgendwann war mein Weg dann klar und ich wollte Klamotten machen.
2. Du hast nie eine Modeschule besucht. Ist Talent im Modebusiness wichtiger als eine fundierte Ausbildung?
Ich hatte auch einfach Glück und einen wahnsinnigen Ehrgeiz – und Durchsetzungs-vermögen. Mein Weg war der ohne Schule. Ich war aber auch einfach nie ein Schulmensch. Ab der 8.Klasse war ich nicht mehr oft da. Ich war immer eher der Außenseiter und für andere etwas merkwürdig. Auch die Schauspielschule war mühsam für mich. Ich hab immer lieber einfach gemacht und ausprobiert. Ich hab gelernt in dem ich es gemacht habe und habe deshalb natürlich auch eine gewisse Zeit gebraucht bis ich in der Materie drin war. Wenn ich mir die Sachen von damals angucke, kann ich einfach nur sagen: „Hilfe!“.
3. Keine falsche Bescheidenheit! Du warst bereits zum sechsten Mal auf der Mercedes Benz Fashion Week in Berlin vertreten. Ist es immer noch etwas Besonderes, wenn die Models deine Stücke das erste Mal einem großen Publikum präsentieren?
Natürlich. Das sind die Geburt und das Loslassen. In dem Moment gehört sie nicht mehr dir, deine Kollektion. Also so empfinde ich das für mich persönlich. Es ist ein Wahnsinnsgefühl, wenn man die Sachen dann dort sieht. Das Schlussbild, wenn die Models alle gleichzeitig hintereinander laufen, ist jedes Mal echt überwältigend und eine Erleichterung. Das dann alles vor einem Publikum, wie das bei der MBFW, zu zeigen bedeutet für mich natürlich viel.
"Leg dich neben mich" Kollektion auf der MBFW Berlin
4. “Leg Dich neben mich” war und ist das Motto deiner neusten Kollektion, die im Februar im Rahmen der Berliner Fashion Week am Bebelplatz gezeigt wurde – Wie kam es zu dem Titel und was hat dich dafür am meisten inspiriert?
Am meisten inspiriert haben mich: Kampf, Ruhe, Liebe und der Freitod. Wir hatten ein turbulentes Jahr 2010 mit allen Höhen und Tiefen, und Augen-zu-und-durch, eigentlich gab es mehrfach Augen-zu-und-durch. Im Sommer dann gab es einen Moment, da war ich leer. Ich hab nichts mehr gefühlt und war einfach durch. Wir hatten einige seltsame Momente hinter uns gebracht und 13 Kollektionen innerhalb von einem Jahr gestämmt mit German Garment, No Ifs, Kilian Kerner und die erste Jersey-Linie bei Kilian Kerner. Und das jeweils für Männer und Frauen. Ich hab in meiner Wohnung gesessen und war müde und taub, und da kam ein Gefühl in mir hoch, das Ruhe brauchte, und da entstand “Leg Dich neben mich“. Meine Freunde und meine Leute, mit denen ich gearbeitet habe, wir brauchten alle mal Ruhe und einen Moment des Hinlegens.
5. Wie wichtig ist es dir, dass deine Mode tragbar ist?
Sehr wichtig. Ich mache keine Kunst, sondern Kleidung, der ich begegnen möchte und in der sich Leute wohl und bequem aufgehoben fühlen.
6. Du bist ja schon seit fast sieben Jahren mit deinem Label vorne mit dabei. Was hältst du von der Nachwuchsförderung, speziell hier in Berlin?
Also für das Label Kilian Kerner gab es in Berlin nicht wirklich Förderungen. Wir haben einmal für eine Messe in Paris einen Zuschuss bekommen und einen Senatsslot bei der MBFW im Sommer. Ich finde nicht, dass hier viel passiert, was das angeht und dann auch oft an Stellen, wo man sich fragt: Ok, gäb es nicht Sinnvolleres als den 10. Award? Vielleicht haben andere Labels andere Erfahrungen, ich kann da nichts anderes berichten.
7. Bei Kilian Kerner ist im letzten Jahr die Beteiligungsgesellschaft Morton Towers eingestiegen –Wie beeinflusst die Beteiligung deine Arbeit?
Natürlich hat sich durch den Einstieg von Morton Towers sehr viel verändert, wenn nicht fast alles. Man hat viel mehr Möglichkeiten: Personal einstellen, größere Kollektionen und auch der internationale Ausbau soll jetzt bald losgehen. Es war der große Segen, auf den man lange wartet. Jetzt muss es Früchte tragen. Natürlich wächst dadurch die Verantwortung umso mehr, aber ich habe mit Norbert Neef einen Investor gefunden, der versteht, was ich will und wohin ich will. Es macht eine Riesenfreude, da wir uns gut ergänzen.
8. Außerdem munkelt man, dass ein Laden in Berlin Mitte in Planung ist. Gibt es schon ein Eröffnungstermin?
Richtig, der Laden wird geplant und wir hoffen noch in diesem Jahr den richtigen zu finden. Aber einen Termin gibt es noch nicht.
9. Und wie wirst du dich im Ausland plazieren?
International ist Einiges in Planung: Mehr Messen und vor allem Japan wollen wir nun angehen.
10. Wie wichtig ist für dich der Schritt in die kommerzielle Richtung mit der Jersey-Kollektion?
Sehr wichtig. Ich möchte auch in 30 Jahren noch der Designer von Kilian Kerner sein und Geld mit Mode verdienen. Es gibt jetzt zwei Babies, die groß werden wollen, und Kilian Kerner Senses ist Kleidung mit Anspruch auf ein breiteres Publikum.
11. Der Jahreswechsel liegt noch nicht lang zurücl: Was hast du dir für dein Label in 2011 vorgenommen?
Mir wirklich etwas vornehmen tue ich nicht zum Jahreswechsel, sondern dann, wenn es sein muss. Im Vordergrund steht natürlich das Label auszubauen und die gesteckten Ziele Schritt für Schritt zu verwirklichen.
Das Interview führte Lea Drasdo/ Fotos: Kilian Kerner / Katja Kuhl










