Der Berliner Onlinehändler kann im dritten Quartal erneut einen satten Umsatzsprung vermelden und passt seine Prognose für das Gesamtjahr entsprechend an. Unterm Strich bleibt davon allerdings nicht viel hängen.

Zalando lässt sich das Fulfillment einiges kosten, auch wenn das kurzzeitig wieder zu roten Zahlen führt. Zielparole bleibt mittel- bis langfristig "profitables Wachstum"

Zalando lässt sich das Fulfillment einiges kosten, auch wenn das kurzzeitig wieder zu roten Zahlen führt. Zielparole bleibt mittel- bis langfristig „profitables Wachstum“

Die Zalando SE rutscht wieder in die roten Zahlen, obwohl das Geschäft boomt. Wie das Unternehmen mitteilte, soll der Umsatz auf Basis vorläufiger, ungeprüfter Zahlen im dritten Quartal um 41-43% auf 707 Mio. bis 717 Mio. Euro gestiegen sein. Damit erzielte Zalando in den ersten neun Monaten einen Konzernumsatz von mehr als 2,084 Mrd. Euro, gut eine halbe Milliarde bzw. rund 35% mehr als im Vorjahr (1,548 Mrd. Euro). Auf Basis dieser Entwicklung passte der Onlinehändler seine Umsatzprognose erneut nach oben an: 33-35% mehr als in 2014 sollen in 2015 erwirtschaftet werden. Anfangs war Zalando mit einer Erwartungshaltung von 20-25% Plus ins Jahr gestartet und hatte die Prognose im Spätsommer auf 28-31% angepasst.

Die gute Umsatzentwicklung schlägt allerdings nicht auf die Ergebniszahlen nieder. Im Gegenteil: Die Prognose für die bereinigte EBIT-Marge wurde gekappt: Statt 4,5% wird jetzt nur noch eine Marge von 3-4% angepeilt. Grund dafür ist, dass die Ergebnisentwicklung im dritten Quartal aufgrund höheren Investitionen für Fulfillment, IT und Marketing deutlich abflachte und Zalando in der Zeit zwischen Juli und September wieder rote Zahlen schrieb. Das bereinigte EBIT soll voraussichtlich zwischen -18 bis -32 Mio. Euro liegen, was einer EBIT-Marge von -2,5 bis -4,5% entspricht. Für den Neun-Monatszeitraum ergibt sich immerhin noch ein bereinigtes EBIT von 27 Mio. bis 41 Mio. Euro, was einer Marge von rund 1,6% entspricht.

Kundenzufriedenheit und Ausbau der Marktmacht sind rote Zahlen wert

Der Rückgang des EBITs wurde von Seiten Zalandos bewusst in Kauf genommen: „Unser Ziel ist weiterhin profitables Wachstum – aber wir sind gewillt, kurzfristige Einbußen bei der Profitabilität in Kauf zu nehmen, um Wachstum zu beschleunigen und Marktanteile zu gewinnen“, erklärte der für Finanzen zuständige Vorstand Rubin Ritter. Auch wenn es teuer ist, setzt Zalando weiter auf ein „erstklassiges Kundenerlebnis“, d.h. primär kostenlose Lieferung und Retoure. Im Logistikbereich fielen „signifikante Technologieinvestitionen“ für Zalandos Mobile- und Plattformstrategie an. Weiter gab es einen höheren Forderungsausfall aufgrund von Betrugsfällen. Die entgangenen Einnahmen aus Inkasso-Forderungen sollen in Höhe eines einstelligen Millionenbetrags gelegen haben.

Foto: Zalando