Noch nicht eingetütet: Wie regelt man den Umgang mit der Plastiktüte
Kommt's oder kommt's nicht in die Plastiktüte? Immer mehr große Händler und Modeketten schließen sich der Selbstverpflichtung des HDE an, keine Kunststofftüten mehr unentgeltlich an Kunden herauszugeben. Das Thema bietet aber noch Diskussionsstoff.
Mit H&M hat sich einer der größten Modehändler freiwillig verpflichtet, auf die Plastiktüte zu verzichten
Eigentlich auf einer Linie: Umweltministerin Hendricks mit HDE-Vizen Ernst Läuger und Michael Radau und Präsident Josef Sanktjohanser
Karstadt, H&M, Media Markt, dm und C&A haben sich jüngst ebenfalls bereit erklärt, ab diesem Frühjahr freiwillig auf die Herausgabe von kostenlosen Plastiktüten zu verzichten. Die Händler wollen – ähnlich wie im Lebensmittelhandel bereits üblich – eine kleine Gebühr im zweistelligen Cent-Bereich für eine Tüte erheben oder auf Papier umstellen. Damit folgen immer mehr Händler dem Aufruf des Handelsverbands Deutschlands (HDE) ab dem 1. April 2017 freiwillig auf Kunststofftüten zu verzichten.
Der Bundesverband für den Textilhandel BTE begrüßt dieses Engagement grundsätzlich und stellte in einer repräsentativen Umfrage unter mittelständischen Bekleidungsgeschäften fest, dass immerhin 42% der Teilnehmer bereits Tüten aus alternativen Materialien wie Papier verwenden oder planen, darauf umzustellen. 18% sondieren ihre Entscheidung noch und 40% wollen vorerst bei Plastiktüten bleiben. Der BTE weist darauf hin, dass anders als bspw. bei Lebensmitteln oder Elektrogeräte, Modeartikel „fast durchweg ohne Umverpackung verkauft werden“, was aber zur Folge hat, dass sie nach dem Kauf einen Witterungsschutz brauchen, der in anderen Fällen bereits durch einen bereits vorhandenen Karton oder Folie gewährleistet wird. Nur wenn der Kunde eine geeignete Tasche mitbringt, kann darauf verzichtet werden. Der BTE rät dazu, sich dem Thema offensiv zu stellen und die Gründe für die Umstellung offen zu kommunizieren und Mitarbeitet entsprechend zu schulen.
Hintergrund der eigentlich viel zu heiß geführten Debatte um die Plastiktüte ist eine EU-Richtlinie, wonach der Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten europaweit sinken soll, auf maximal 90 Tüten pro Einwohner bis 2019. Deutschland erfüllt mit aktuell 71 Tüten pro Kopf die Vorgabe, dennoch erwog Bundesministerin Barbara Hendricks strengere Vorgaben, einige EU-Länder planen sogar ein komplettes Verbot von Plastiktüten. Anfang Februar begrüßte Hendricks (nach einigen Missverständnissen mit entsprechenden Pressemeldungen) die Bemühungen des HDE zur freiwilligen Lösung, wies aber darauf hin, dass eine ordnungsrechtliche Regelung erforderlich ist, wenn eine tragfähige Vereinbarung nicht erreicht wird.
Fotos: (1) DW // (2) © BMUB/Sascha Hilgers







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