Bisher richteten sich die gängigen Konfektionsgrößen nach dem Brustumfang. Doch was sagt der schon über Hüftumfang und Beinlänge aus? Das Hohenstein Institut für Textilinnovation entwickelte daher auf Basis von 3D-Scandaten neue Größentabellen, die die 3D-Produktentwicklung möglich machen sollen.

Hohenstein Institut 3D-Scanner

Genauere Passformen für Hosen: der 3D-Scanner des Hohenstein Institut macht's möglich

Konfektionsgrößen aufgrund von zweidimensionalen Körpermaßen werden vielleicht bald der Vergangenheit angehören. Mit Hilfe von 3D-Körperformdaten werden bisherige Konfektionsgrößten revolutioniert.

Die alte Maßtechnik hatte ihre Schwächen, da sie sich auf wenige Hauptkörpermaße konzentrierte, dabei aber Informationen wie Körperform und -haltung außer Acht ließ. So können Personen mit einer Konfektionsgröße durchaus unterschiedliche Körperformen und –ausprägungen aufweisen. Daraus resultieren spezifische Anforderungen an die Modellgestaltung. Zwar werden in der industriellen Praxis Konstruktionen für unterschiedliche Figurtypen auf Basis der Größentabellen entwickelt, diese werden jedoch einzig auf Basis der reinen Umfangs- und Längenmaße bestimmt. 3D-Formeninformationen, wie z.B. Körperdurchmesser, wurden nicht berücksichtigt. Sowohl die herkömmliche als auch die CAD-basierte 2D-Schnittentwicklung baut auf wenigen empirisch modifizierten Hauptkörpermaßen auf.

Das Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik der TU Dresden und das Hohenstein Institut für Textilinnovation e.V. entwickelten aus diesem Grund virtuelle weibliche Formkörper des unteren Rumpfes und der Beine für verschiedene Figurtypen, die für die 3D-Produktenwicklung von körperferner Bekleidung wie etwa Hosen von Bedeutung sind. Als Ergebnis wurden neue Größentabellen speziell für Hosen präsentiert, die auf den Primärmaßen Hüftumfang und Innere Beinlänge basieren. Die gängige Konfektionsgrößenauszeichnung basierte bisher auf Brustumfang und Körpergröße. Aus diesen Maßen lässt sich jedoch nur bedingt darauf schließen, wie der Hüftumfang oder die innere Beinlänge, eigentlich die beiden sinnvollen und damit entscheidenden Basismaße für Hosen, ausfallen. Die neuen Größentabellen basieren auf den 3D-Scandaten des Hohensteiner Datenpools der letzten Jahre. Die Auswertung erfolgte in Anlehnung an die DOB-Größentabellen von 1994 und wurde neue Maße wie etwa Körperdurchmesser ergänzt. Dadurch wird die Körperformenvielfalt reduziert und die Beschreibung der Konfektionsgrößen und die daraus resultierenden Körperformen eindeutiger. Das bedeutet letztlich, dass die Marktanteile optimiert werden und eine bessere Marktabdeckung mit einem geringeren Größenangebot möglich wird.

Mit den neuen Hosentabellen ist die Entwicklung von 3D-Körpermodellen für die untere Körperhälfte möglich, mit der die Industrie auch in die 3D-Produktentwicklung gehen kann. Mit realistischen 3D-Körperformen können sich die Daten auch für die Schnittentwicklung erschlossen werden.

Foto: Only me