Verkalkuliert und in die Pleite geschlittert: Die Holding und die Europa-Tochter haben Insolvenz angemeldet und wollen sich in Eigenverantwortung sanieren. Der Geschäftsbetrieb des eCommerce-Dienstleisters soll aber ohne Einschränkung weiter laufen.

Netrada

Netrada will von der Schieflage wieder in die aufrechte Position

Am vergangenen Mittwoch hat die Netrada-Holding und zwei Tage später hat auch die Tochter Netrada Europe GmbH Insolvenz beim Amtsgericht Hannover anmelden müssen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rainer Eckert ernannt. Er will sich in den nächsten Tagen ein Bild von der wirtschaftlichen Lage machen und Sanierungsoptionen prüfen. Er geht davon aus, dass eine Sanierung „im Wege einer Investorenlösung oder über einen Insolvenzplan, also einer Art Vergleich mit den Gläubigern“ möglich ist: „Netrada ist ein gut organisiertes Unternehmen in einem Wachstumsmarkt und mit einem sehr renommierten Kundenstamm. Insofern sehe ich gute Chancen für eine Sanierung“, so Eckert.

Der Branchenprimus unter den eCommerce-Dienstleistern, der u.a. eShops für Hugo Boss, C&A, Puma, Görtz, Esprit, Versace oder Triumph aufgebaut hat und betreibt, soll nach einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung aufgrund des Baus eines neuen, 50 Mio. Euro teuren Logistikzentrums auf dem Messegelände von Hannover, auf das auch Amazon ein Auge geworfen hatte, in die Schieflage geraten sein. Wie Netrada Ende letzter Woche mitteilte, sollen die Arbeiten am Logistikzentrum weiter fortgeführt werden. Auch das operative Geschäft soll ungeachtet des Insolvenzverfahrens weiter laufen. „Sämtliche Online-Shops bleiben wie gewohnt geöffnet, alle Bestellungen werden weiter pünktlich und zuverlässig ausgeliefert“, erklärte Eckert. Die Löhne und Gehälter für die rund 2.200 Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld für die nächsten drei Monate gesichert.

Foto: Netrada