Esprit sieht sich trotz roten Zahlen beflügelt
Auch wenn die Umsätze weiter schrumpfen und das Unternehmen weiter rote Zahlen schreibt, sieht sich das an der Hongkonger Börse gelistete Modeunternehmen durchaus auf dem richtigen Weg. Alle Hoffnungen liegen jetzt auf dem neuen vertikalen Model.
Noch im Schatten: Esprit positioniert sich neu, schreibt aber wieder rote Zahlen. Noch…
Geht es nach CEO Jose Manuel Martínez hat Esprit wohl seinen Spirit wiedergefunden. Produkt und Anspruch passen wieder zu einander. Der ehemalige Zara-Manager hat bei dem Ratinger Modekonzern ein vertikal integriertes Geschäftsmodell eingeführt, dass schneller, effizienter und zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis Produkte entwickelt, die vom Kunden gefragt sind. Das Supply-Chain Management wurde um ein Drittel verschlankt (230 statt 350 Lieferanten), die Produktdivisionen wurden neu organisiert, Einkauf und Merchandising zentralisiert und die Produktpalette reduziert, der Kollektionsrhythmus entschlackt und gleichzeitig um Fast-to-Market-Produkte ergänzt. Das neue System hat durchaus auch messbare Vorteile: Zwischen Juni und August verzeichneten die Esprit-Läden ein Plus von 4,1% auf gleicher Fläche. Im größten Absatzmarkt Deutschland performten die Esprit-Geschäften sogar besser als der Marktdurchschnitt. Die vertikalen Kollektionen, die seit Februar am Markt sind, laufen „vielversprechend“. Die Trend Division mit ihren schnellen Kollektionen wuchs im Vergleich zum Vorjahr gar um 29,7%.
Sinkende Umsätze und wieder dunkelrote Zahlen in 2014/15
Im Ganzen sind die Zahlen für das Geschäftsjahr 2014/15 dann aber doch nicht so erfreulich. Aufgrund der schwierigen Marktsituation in Europa, insbesondere zum Jahresstart, gingen die Umsätze um 11,5% -und damit stärker als erwartet- zurück. In der Berichtswährung lagen die Erlöse mit 19,421 Mrd. HK-Dollar (2,24 Mrd. Euro) sogar knapp 20% unter dem Vorjahr. Die Bruttogewinnspanne und die laufenden Betriebsausgaben blieben relativ stabil. Das operative Ergebnis (EBIT) sank nach +361 Mio. HK-Dollar auf -3,683 Mrd. HK-Dollar (-425 Mio. Euro). Der Absturz wurde neben den Umsatzrückgängen mit weiteren Wertberichtigungen und Rückstellungen begründet. Letztgenannte Maßnahmen hatten jedoch keinen nennenswerten Einfluss auf die Liquidität, so dass sich Esprit zum Stichtag (30. Juni) als schuldenfrei bezeichnet.
So optimistisch, dass sogar wieder über Expansion geredet wird
„Obwohl ich es sehr bedauere, dass wir im Ergebnis das Ziel verfehlt haben, bin ich davon überzeugt, dass das vergangene Geschäftsjahr maßgeblich für unsere Zukunft war, da wir die anspruchsvollste Phase unseres Strategieplans erfolgreich beenden konnten. Das Fundament unseres Vertikalen und Omnichannel-Modells ist tief in der Organisation verwurzelt und die vielversprechenden Retail-Umsätze der letzten drei Monate (Juni, Juli und August 2015) stimmen uns zuversichtlich bezüglich unserer Produkt- und Verkaufspotentiale. In diesem Vertrauen betreten wir nun die letzte Phase unseres Plans: Die ‚Wachstums‘-Phase“, erklärte Esprit-CEO Jose Manuel Martínez. Jetzt heißt es, die Umsätze zu steigern. Geschafft werden soll dies nicht nur mit neuen schnelleren Kollektionen, sondern auch durch die konsequente Umsetzung des Omnichannel-Gedankens, das zu höherer Produktivität auf der Fläche führen soll, einer neuen Kampagne (#imperfect) für die Gewinnung von Neukunden und sogar der Expansion mit neuen Läden, in Europa und China, oder sogar neuen Märkten. Man kann sagen, Esprit hat seine Spirit gewonnen – auch wenn das nicht alle Anleger so sehen.







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