Winterjacken im August - das ist kein erstrebenswerter Zustand, zumal es in den letzten Jahren immer erst im Januar richtig kalt geworden ist. Der Modehandel muss seine Mengen- und Flächenplanung anpassen und hofft dabei auf Entgegenkommen bei den Lieferanten.

Wintersachen sollen erst zum tatsächlichen Winteranfang auf die Fläche, so der BTE

Wintersachen sollen erst zum tatsächlichen Winteranfang auf die Fläche, so der BTE

2015 war das vierte Jahr nacheinander, in dem es vor Neujahr keine echte Kältewelle gab. Die Verkaufszahlen von Winterware waren damit erneut rückläufig. Und jetzt im Januar, wo vermehrt Bedarfskäufer unterwegs waren, war wärmende Winterkleidung fast durchweg reduziert. Die eigentlich zu frühen Abschriften gehen zu Lasten der Rendite, die im Modehandel ohnehin nicht sonderlich groß ist. Vor diesem Hintergrund fordert der Branchenverband BTE, dass Handel und Industrie „unbedingt neue, wirksame Wege suchen müssen, um die Umsätze im Herbst/Winter 2016 wieder zu stabilisieren“. Er empfiehlt die Liefertermine außerhalb des hochmodischen Bereichs wieder näher an die „Bedarfstermine“ der Käufer zu rücken und die Mengen- und Flächenplanung zu überdenken. „Jedes Modehaus muss für sich prüfen, welche Ware die Kunden in welcher Auswahl zu welchem Zeitpunkt wünschen. Eine große Fläche mit Winterjacken bereits Ende August dürfte aus Kundensicht kaum Sinn machen und nur unnötig frühe und hohe Abschriften nach sich ziehen“, so der BTE. Er rät dazu Winterware vorsichtiger einzukaufen und nicht zu früh zu auf der Fläche zu präsentieren. Die zweite Saisonhälfte muss gestärkt werden, wünschenswert wäre sogar eine eigene Wintersaison mit bedarfsgerechten Lieferterminen.

Gleichzeitig rät der BTE dazu, seine Sortimentszusammenstellung zu hinterfragen oder mutiger zu werden. Viele ehemals als unverzichtbar geltende Marke haben – nicht zuletzt aufgrund von Überdistribution – deutlich an Attraktivität und Bedeutung beim Kunden verloren, dafür haben neue Marken aus dem Stand „beachtliche Umsätze“ erzielen können. Insofern sollte der Handel die heute startende Berliner Modewoche nutzen, um potentielle neue, frische Marken zu sichten. Ein „Weiter-so“ wie in den Vorjahren ist nicht mehr akzeptabel.