Studio Untold ist das neueste Plus-Size-Label der Popken Fashion Group. Seit März 2015 wird die Marke für die Konfektionsgrößen 42 bis 54 online vertrieben. Die Ready-to-wear-Kollektionen sollen junge Frauen zwischen 25 und 40 Jahren ansprechen und ihnen einen modernen und urbanen Look verleihen.
Verena Sponagel, Produktmanagerin von Studio Untold

Verena Sponagel, Produktmanagerin von Studio Untold

1. Wie kam es zu dem neuen und jungen Plus-Size-Label Studio Untold? Was ist die Idee dahinter?
Wir sind ein Team aus mehreren Frauen zwischen Mitte 20 und Mitte 30, haben alle Plus-Size-Erfahrung, sind modisch interessiert und informiert. Im gemeinsamen Gespräch kam schnell heraus, dass keine von uns eine „Go-To“-Marke hat. Wir kaufen alle mal ein bisschen hier und ein bisschen da. Aber unser Anspruch an Mode, Vielfalt und Style wird nirgendwo ganz erfüllt. Somit war klar, dass wir selbst tätig werden mussten. Die Kundin, die wir mit Studio Untold ansprechen wollen, ist modern, selbstbewusst und anspruchsvoll. Sie will begeistert werden, dabei soll die Mode aber immer tragbar und bodenständig  sein. Bei Studio Untold kultivieren wir daher einen sehr tragbaren, aber immer besonders akzentuierten und kombinierten Look. Bei uns findet man die „Go-To“-Artikel wie die dunkle Skinnyjeans, die weiße Hemdbluse oder den schwarzen Blazer, aber auch den Tüllrock, das bestrasste Sweatshirt oder das Statementshirt.

2. Der TV-affine Designer Guido Maria Kretschmer plädiert, dass fülligere Frauen eher dunkle Farben und kaum Muster tragen sollten. Ganz im Gegensatz zu eurer Mode, die vor Fröhlichkeit und Selbstbewusstsein nur so sprüht. Auch euer Motto “Life is too short to wear boring clothes” zeigt das. Nach welchen Geheimnissen gestaltet ihr eure Mode, damit auch kurvigere Frauen richtig toll angezogen sind?
„Nehmen Sie Schwarz, Schwarz macht schlank!“ – welche Frau hat diesen Satz in ihrem Leben noch nicht gehört. Aber wer eine Kleidergröße 50 trägt, trägt diese sowohl in einem schwarzen als auch in einem bunten Kleid. Einziger Unterschied, die Frau in Schwarz fällt weniger auf. Mode ist ein Kommunikator, ich zeige damit wer ich bin. Soll ich meine Persönlichkeit über meine Kleidergröße definieren lassen? Was spricht denn gegen Farbe und Muster? Jeder Frau hat das Recht sich nach ihrem eigenen Gusto wohlzufühlen und schön zu finden. Bei Studio Untold laufen wir nicht gedankenlos jedem Trend hinterher. Wir überlegen bei jedem Artikel ganz genau, wie Passform und Design zusammen kommen müssen, damit ein Kleidungsstück entsteht, in dem man sich wohlfühlt und stylish aussieht. Unsere Fittings finden an Models mit unterschiedlichen Kleidergrößen statt, wobei wir die erste Anprobe an der Gr. 50 und nicht wie sonst meist üblich an der Gr. 42, durchführen. Dieses Fitting muss jeder Artikel „bestehen“ bevor er ins Sortiment aufgenommen wird.

3. Die Frühjahrs-Saison steht bevor. Wie sieht ein entsprechender Key-Look bei Studio Untold aus? Und was ist DER Look für die Herbst-/Wintersaison 2015/16?
Unser Favorit ist ein Blouson mit Blumenprint, dazu ein Statementshirt im French Style, kombiniert zu unserem rotem Tellerrock aus Scuba-Qualität.  Der Studio Untold-Look H/W 2015 ist inspiriert von den 70iger Jahren. Unser momentanes Lieblingsoutfit ist ein oversized geschnittenes Strickkleid mit einer Fellweste im Farbverlauf und Overkneestiefeln.

4. Studio Untold bietet ganze Outfits an. Wie ist das Verhältnis von Oberteilen und Hosen? In welchem Rhythmus werden die Kollektionen auf den Markt gebracht?
Das Verhältnis Ober- zu Unterteilen liegt bei ca. 65% zu 35%. Wir steuern alle 14 Tage neue Ware in unserem Onlineshop ein.

5. In welcher Preisrange bewegt sich Studio Untold?
Wir bewegen uns im unteren Teil der Mittelpreislagen. Unser Durchschnitts-VK bei T-Shirts liegt bei ca. 20 Euro und bei Jeans bei ca. 50 Euro.

6. Vor wenigen Tagen wurde euer Online-Shop gelauncht. Was erwartet die Kundin bei euch? Auf welche Features und Services legt ihr besonderen Wert?
Interaktion und Kommunikation zwischen Kundin und Studio Untold stehen bei uns an oberster Stelle. Unser Online-Shop soll keine anonyme Einkaufsplattform sein, sondern die Kundin inspirieren, beraten und unterhalten. Neben der Kollektion zeigen wir unter unserer Kategorie „Inspiration“ wöchentlich neue Kombimöglichkeiten und geben Stylingtipps.  Zukünftig kann unsere Kundin mit unserem Styleboard auch selbst aktiv werden und Outfits zusammenstellen. Wir haben hier noch viele Ideen, die wir nach und nach umsetzen werden.

7. Auffällig ist, dass Studio Untold auf zahlreichen Social-Media-Kanälen tätig ist. Auch der Blog ist seit Anfang an dabei. Warum diese Vielzahl an Kommunikationskanälen? Haben klassische Medien für die Kundenansprache ausgedient?
Definitiv nein! Wir setzten bei Studio Untold auf einen Mix verschiedener Kommunikationsmittel. Wir werden sechs Mal im Jahr einen Magalog (eine Mischung aus Magazin und Katalog) herausbringen, den wir auf dem Postweg an unsere Kundinnen verschicken. Gleichzeitig nutzen wir z.B. unseren Blog um der Kundin die Studio Untold-Welt näher zu bringen, um ihr so den Blick hinter die Kulissen zu erlauben. Hier können wir Themen, die wir im Magalog oder Onlineshop spielen vertiefen (z.B.  zusätzliche Bilder posten, ausführlicher informieren). Über die Kommentarfunktion können wir direkt mit unseren Kundinnen in Kontakt treten, was sonst im Distanzhandel nur schwer möglich ist. Instagram und Facebook geben uns die Möglichkeit Inhalte zu teilen und so viele Kundinnen schnell zu erreichen.

Studio Untold auf der Curvy is Sexy

Studio Untold auf der Curvy is Sexy

8. Auf der vergangenen Modemesse Curvy is Sexy im Januar 2015 hattet ihr euren ersten Messeauftritt.  Wie hat der Handel auf euch reagiert? Könnt ihr euch vorstellen, neben eurem Online-Shop auch den stationären Handel zu betreten?
Das Feedback der Händler war durchweg positiv. Wir können uns natürlich vorstellen Studio Untold auch im stationären Handel anzubieten.  Zuerst wollen wir uns aber als eigenständige Marke am Markt etablieren und unsere Style-DNA festigen.

9. Gleich neben eurem Messe-Stand war eure „große Schwester“ Ulla Popken vertreten. Wie grenzt sich Studio Untold von seinen Schwesternlabels Ulla Popken und Gina Laura ab? Welches (andere) Label betrachtet ihr als direkten Wettbewerber?
Wir sprechen mit unserer Passform, modischen Ausrichtung und Vertriebsform eine andere, jüngere Zielgruppe an. Unsere direkten Wettbewerber sehen wir eher in den Plus-Size-Modemarken aus Skandinavien und UK.

10. Was könnt ihr von Ulla Popken und Co. lernen? Gibt es etwas, was ihr so übernehmen wollt oder etwas, das ihr ganz anders machen wollt als die bestehenden Plus-Size-Labels?
Ulla Popken ist europaweiter Marktführer im Bereich Große Größen. Das Passform-Knowhow von Ulla Popken ist einzigartig. Hiervon können wir profitieren und lernen. Studio Untold soll keine anonyme Modemarke sein. Wir wollen die Marke zusammen mit unseren Kundinnen entwickeln und sie aktiv daran teilhaben lassen. Was wir uns früher selbst gewünscht haben, nämlich dass mehr Plus-Size-Unternehmen sich wirklich mit den Wünschen ihrer Kundinnen auseinandersetzen und Interesse an ihnen zeigen, wird bei Studio Untold gelebt.

11. Was wünscht sich Studio Untold für die Zukunft von Plus-Size-Mode?
Wir wünschen uns, dass noch mehr Frauen ihre Fashionista-Seite entdecken, den Spaß an Mode, am Experimentieren mit verschiedenen Stilen und Farben. Dass der Handel diese Entwicklung unterstützt, die meist uninspirierten, traurigen  Plus-Size-Abteilungen auflöst  und der Sortimentszusammenstellung ab Gr. 42 mehr Aufmerksamkeit widmet. Dann können auch Plus-Size-Marken im Zusammenspiel mit Normalgrößen funktionieren.

Das Interview führte Jana Wenzel