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Von der Plattform POPmarket wird man in Zukunft wohl häufiger hören, denn das ursprünglich aus den USA stammende Unternehmen will den Orderprozess digitalisieren und damit revolutionieren – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Adé Orderblöcke und au revoir Papierlookbooks! Um das Tool in Europa bekannter zu machen, ist POPmarket eine Partnerschaft mit der PREMIUM eingegangen. POPmarket sieht sich dabei nicht als Konkurrenz zu den traditionellen Messen sondern vielmehr als Ergänzung , die das Arbeiten zwischen den Messezeiträumen erleichtern soll. Jürgen Müller nannte die Solution recht treffend „Anitas longtail“.

Oliver Frielingsdorf hat die Herausforderung angenommen, die Plattform in Europa groß zu machen. Wir haben mit ihm auf der Premium in Berlin gesprochen.

1. Eine Huhn-Ei-Frage an Sie: Wer ist zuerst bei POPmarket, die Einkäufer oder die Marken?
Das ist ein Geben und Nehmen und das passiert nicht von Heute auf Morgen. Die Plattform wird sehr interessant für den Einkäufer, wenn er dort viele Marken finden kann. Auf der anderen Seite werden immer mehr Marken kommen, wenn auf der Plattform die richtigen Einkäufer sind. Wie gesagt, so etwas wächst in Steps. Unser Zielwunsch ist, dass jeder Einkäufer in nicht zu ferner Zukunft sagt ‚Ich muss auf Popmarket gehen, um mich zu organisieren, zu arbeiten oder nur zu informieren’.

2. Also ist der Handel leichter zu überzeugen, und die Marken ziehen dann automatisch nach?
Ich glaube, die Hürde auf Markenseite ist höher als bei den Einkäufern. Die meisten kennen Online-Bestellungen bereits aus eigener Erfahrung. Insofern sind die Buyer affiner, ihre Orders online zu erledigen. Auch wenn einige Marken schon eigene B2B-Onlineshops betreiben, wird – wie man hier auf der Premium sieht – immer noch viel per Hand geschrieben. POPmarket soll nicht nur eine Marketplace-Plattform sein, sondern auch eine Sales-Solution anbieten, mit der Orderprozesse digitalisiert werden können. Aber auch hier müssen die Leute herangeführt werden, denn die Verkaufsprozesse werden dadurch komplett geändert. Aber sie werden sehen, dass unsere Solution wesentlich intuitiver und schneller ist als die Listen im Auftragsblock.

3. Was glauben sie, wie lange braucht es, bis POPmarket in Deutschland flächendeckend etabliert ist?
Ich vermute, es dauert mindestens noch 24 Monate, bis dafür alle Dominosteine umgefallen sind. Im B2C-Bereich geht es mit den Entwicklungen im eCommerce oder Multichannel momentan rasant schnell. Mit etwas Verzögerung wird auch die B2B-Seite nachziehen. Wenn wir da den Punkt der kritischen Masse erreichen, werden immer mehr sagen: ‚Hey, wir müssen dabei sein‘. In Amerika oder England ist man da schon weiter, weil die Leute dort viel offener und technikaffiner sind als bspw. die Südeuropäer. In den USA, wo wir seit kurzem mit der Fashion- und Schuh-Association FFANY zusammenarbeiten, da geht es rasant. Die haben gesagt, dass sie den Hebel umlegen, und haben in kürzester Zeit richtig viele Marken gewonnen.

POPmarket_Frielingsdorf

Oliver Frielingsdorf hat große Pläne für POPmarket in Europa

4. Was sind denn die größten Vorbehalte gegenüber dem Online-Orderprozess?
Größtenteils sind es praktische Vorbehalte wie ‚Ich hab kein Material‘, ‚Ich hab noch keine Fotos fertig‘, ‚Wie muss ich das überhaupt machen‘ oder ‚Ich habe dafür keine Zeit’. In diesen Fällen bieten wir Hilfestellungen. Wir vermitteln Fotografen und bieten mittlerweile sogar an, dass uns die Marken ihr Material lediglich zusenden brauchen. Wir erledigen dann den gesamten Set-up. Wir haben gesehen, dass sie danach beruhigter sind. Wenn dann neue Kollektionen kommen, fangen wir an, sie anzulernen und dann sehen die Leute ganz schnell, dass der Upload doch relativ einfach und intuitiv ist.

5. Das hört sich an, als ob eine Menge in den Vertrieb investiert werden muss. Lohnt sich der Aufwand?
Das werden wir sehen. Aber in der Tat brauchen wir Teams, die da hinterher sein müssen. Je nachdem, wo die Marke her kommt, dauert es mal länger oder kürzer, bis tatsächlich Fotos, Preise und andere Daten fertig sind. Ob sie damit erfolgreich sind, liegt daran, wie stark sich die Marken vertriebsseitig profilieren wollen. Aufgrund unserer Erfahrungswerte sagen wir, dass alles daran hängt, wie gut das Material ist, das eingestellt wird. Es geht alles über die Fotos. Uns ist wichtig, dass sich der Einkäufer wohlfühlt. Die Marke muss repräsentativ sein.

6. Seit letztem Jahr kooperieren Sie mit der Premium, die mit ihren hochpreisigen und viele kleineren Labels ein spezielleres Segment abdeckt als andere Messen. Steht hinter der Kooperation eine bestimmte Strategie?
Die Zusammenarbeit mit der Premium erfolgte nach sehr guten Gesprächen mit Anita Tillmann und seinerzeit Norbert Tillmann. Die beiden haben schon sehr früh in unsere Richtung gedacht. Es gab auch Gespräche mit anderen Playern, aber die waren unserer Meinung nach noch nicht so weit und haben zu komplex gedacht. Dabei ist POPmarket nur eine Ergänzung für Einkäufer und Marken – Order 3.0 sozusagen. Für uns ist es wichtig, mit Leuten wie Anita Tillmann zusammenzuarbeiten. Bei so einer Kooperation fällt alles damit, wie stark man daran glaubt und mit wie viel Nachdruck man es verfolgt. Der einen oder anderen Marke muss man vielleicht etwas energischer zu seinem Glück verhelfen.
Sind sie denn zufrieden mit ihrem Messeauftritt hier?
Ich bin mit den drei Tagen hier sehr zufrieden. Wir waren hier mit 13 Leuten unterwegs, um zum einen mit den Markenverantwortlichen zu sprechen, die bereits in unserer Kooperation sind, um herauszuhören, welche Zusatzservices wir bieten können, und zum anderen, um auf die Marken zuzugehen, die uns noch nicht kennen. Dort wollen wir zeigen, dass es ein Zusatznutzen wäre, wenn Sie mit POPmarket an den Start gehen.

POPmarket Order

Die Zunkuft ist online: POPmarket will Ordern digitalisieren

7. Sie konzentrieren sich also nicht auf ein bestimmtes Segment und haben keine Kriterien, welche Marken aufgenommen werden?
Nein, wir schränken uns nicht ein. Wir glauben daran, dass die Plattform sehr breit aufgestellt sein muss, um zu funktionieren. Allein auf einer Messe wie der Premium sieht man ja, wie viele Kategorien es gibt, die für die Einkäufer relevant sind. Durch die breite Aufstellung bieten wir auch Mehrwert für Handel und Marken, etwa über die Suchfunktion. Dadurch kann der Buyer auf Marken stoßen, die er so noch nicht kennt.

8. Sie bieten den Marken ja die Möglichkeit, die Plattform bis Ende April kostenlos zu testen. Wie muss man sich das vorstellen?
Die Marken kriegen von uns eine sehr schöne Markenpräsentation mit Logo, Marke, Beschreibung, Kontaktmöglichkeiten und Rückverlinkungen auf firmeneigene Webseite und Social-Media usw. Zusätzlich können bis zu zwölf Styles hochgeladen werden, die dann auch geordert werden können. In erster Linie sehen wir es momentan mehr als ein Shopping-Window für die Marke. Wenn der Einkäufer hier im Rekordtempo auf den Messen unterwegs ist, dann verschwimmt irgendwann alles, und man weiß nicht mehr, war die Marke mit den schönen Daunenjacken jetzt dort oder dort. Wir wollen mit POPmarket eine Hilfestellung bieten, indem wir der virtuelle Showroom der Marke sind.

9. Und wie verdienen Sie damit Geld?
Wie eine Messe ist unser Service für den Buyer kostenfrei. Längerfristig könnten wir uns vorstellen, vielleicht Zusatzfunktionen anzubieten, aber der Umsatz kommt über die Marken. Wir nehmen keine Kommission, sondern einen festen Betrag pro Monat bzw. User. Dazu kommen Zusatzfunktionen wie Marketing oder bei größeren Unternehmen eine Schnittstelle in deren Systeme, etc.
Werden Sie mal konkret!
Momentan fängt es bei 150 Euro im Monat an und geht je nach Baustein nach oben. Wobei man es nicht pauschal sagen kann. Wir setzen uns immer wieder damit auseinander, was es für eine Marke ist und ob man da ein spezielles Angebot machen kann. Außerdem helfen wir Emerging Designern und kleineren Marken und geben ihnen die Chance, an dem Geschäftsmodell zu partizipieren. Nach einer bestimmten Zeit setzt man sich nochmal zusammen, und schaut, was für Geschäfte erzielt worden sind bzw. wie wir Hilfe geben können, um positiv auf die Marke einzuwirken.

10. Auf der Panorama stellt zeitgleich ihr deutscher Konkurrent KeenOn Fashion aus. Kämpfen Sie schon um Markenanteile?
Es ist schon eine Art von Konkurrenz, aber wir kennen die Gründer und haben uns in diesen Tagen auch miteinander ausgetauscht. Ich würde aber nicht sagen, dass man das Businessmodell vergleichen kann, da KeenOn ein ganz anderes Konzept fährt. Die Otto Group, die dahinter steht, will bspw. auch das Fulfillment machen, Sales-Leute stellen und teilweise sogar in den Produktionsbereich reingehen. Was den Online-Bereich angeht, haben wir sicher vergleichbare Solutions, aber wir glauben nicht an deren großen Set-up. Die meisten Marken haben bereits ihren eigenen Vertrieb bzw. wollen ihn so wählen, dass er zu ihrer DNA passt. Und wir denken auch, dass wenn die Transaktion zustande kommt, dass die Erfüllung über die Marken kommen muss. Es wäre ungleich schwieriger und langsamer, wenn wir das noch aus unserem Lager ausliefern müssten.

11. Sind Sie ein Überzeugungstäter, was Online-Orderprozesse angeht, und bewusst von der Industrie in den digitalen Bereich gewechselt?
Ich glaube fest daran, dass digitale Orderprozesse die Zukunft sind. Aber von Triumph bin ich aus anderen Gründen weggegangen. Ich habe dort die Projekte machen können, die ich machen wollte. Nachdem ich eine Zeitlang beratend für POPmarket tätig war, bin ich dann im letzten Quartal 2013 voll eingestiegen. Die POPmarket-Gründer kenne ich schon seit über zehn Jahren. Ich habe damals schon mal für die Firma gearbeitet, nachdem ich bei Tommy Hilfiger aufgehört hatte. Damals war ich sehr begeistert von dem Tool, was es für visuelle Kommunikation und Merchandising gab. Aber ich denke, heute ist die Zeit noch besser, um sich am Markt zu positionieren. 2003 war noch zu früh. Damals hatte man gerade mal das Faxgerät weg gelegt und angefangen, eMails zu schreiben. Das Potential dieser Technologie oder allein die Vorstellung, Bilder auf eine Webseite hochzuladen, das war für viele zu viel.