Von SuperTrash bzw. der Gründerin Olcay Gulsen wird man in Deutschland sicher bald noch einiges hören. Die 2004 gegründete Marke macht sich startklar, den deutschen Markt im großen Stil zu erobern. Weltweit hat SuperTrash eine große Fan-Gemeinde – Hollywood-Stars inklusive.SuperTrash steht für einen “Style with Attitude” – sexy, selbstbewusst, kosmopolitisch, aber gleichzeitig irgendwie klassisch. Es ist Mode für starke Frauen, die zu dem stehen, wer und was sie sind. Neben der Hauptlinie, die außer Kleidung auch Schuhe und Accessoires beinhaltet, werden auch die ST. Girls Collection, Madame SuperTrash Dessous und der Duft SuperTrash Phenomenal vertrieben. Seit 2011 gibt es zusätzlich eine Red-Carpet-Kollektion unter dem Namen Olcay Gulsen. Geht es nach Olcay, könnte das Portfolio, sicher noch erweitert werden – nicht heute, aber irgendwann.
Olcay, die locker selbst als Model arbeiten könnte, ist in ihrer Heimat selbst ein Star, nicht zuletzt weil sie immer wieder im holländischen Fernsehen zu sehen ist und regelmäßig die Cover einiger Hochglanz-Magazine ziert. Die 34-Jährige ist absolute Vollblut-Unternehmerin und lebt SuperTrash mit Leib und Seele. Eine faszinierende und inspirierende Frau -genau wie die anderen Frauen, die in der aktuellen ST. Talents Kampagne gefeatured werden.
1. In den letzten Jahren hatte viele international etablierte Marken mit Umsatzrückgängen und anderen Schwierigkeiten kämpfen. SuperTrash dagegen ist in den letzten zehn Jahren von einem kleinen Fashionlabel zu einer internationalen Modemarke mit einem Retail-Netzwerk von über 2.000 Verkaufsstellen geworden. Was hast du anders oder besser gemacht als die alten, großen Namen?
Ich war immer schon gut darin, mit Veränderungen umzugehen. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht still sitzen kann. Ich bin immer schon am nächsten Thema dran – und das ist einfach genau so, wie die Modeindustrie tickt. Ich vermute, deshalb passen wir einfach gut zusammen… (lacht) Vor zehn Jahren, habe ich SuperTrash mit dem Ziel gegründet, die Lücke zwischen High Street-Marken und echten Luxuslabels zu füllen. Wenn ich zurückdenke, bestand unsere erste Kollektion aus nur zwölf Teilen. Wir haben also ziemlich klein angefangen, aber sind in Europa sehr schnell gewachsen. Das hat uns selbstbewusst gemacht und uns die Basis dafür gegeben, den Vertrieb weltweit aufzuziehen. Ich glaube, der Grund, warum das alles so schnell passiert ist, war, dass ich von Anfang an eine sehr klare Vision von dem hatte, was ich erreichen wollte: Eine Fashion-Marke, die Luxus erschwinglich macht!
2. Mit 21 hast du deine ersten beiden Unternehmen, eine Personalvermittlung und kurz darauf eine Mode-Vertriebsagentur, gegründet. Supertrash folgte einige Jahre später. Hattest du nie Angst, dich allein und ohne großen Namen den geschäftlichen Herausforderungen zu stellen?
Um ehrlich zu sein – nein, eigentlich nie. Ich habe früh gelernt, selbst Entscheidungen zu treffen. Wenn etwas nicht funktioniert oder sich nicht gut anfühlt, dann muss es geändert werden, ganz einfach. Was ich definitiv lernen musste, war, zu delegieren und darauf anderen Menschen darin zu vertrauen. Gerade weil ich nie Zweifel hatte und klare Entscheidungen getroffen habe, wurde SuperTrash schnell erfolgreich. Ich scheue mich nicht davor, Risiken einzugehen, aber letztlich bin ich auch vieles nach dem Motto “Wer nicht wagt, der nicht gewinnt” angegangen. Andererseits, es gibt bestimmt keine weltweit erfolgreiche Firma, die nie Fehler gemacht hat, oder? Wichtig ist es, aus Fehlern zu lernen.
Ein paar Eindrücke der Kollektion
3. Was war bislang deine größte Herausforderung in der Zeit mit SuperTrash?
Ich habe immer wieder und immer noch das Gefühl, dass ich einfach nicht genug Zeit habe. Damals, als wir unsere erste Kollektion gelauncht und unseren ersten Store eröffnet haben, waren wir so wenig Leute, dass wir alles allein machen mussten – vom Aussuchen der Stoffe und Gestalten der Mood Boards, übers Marketing, bis zum Vertrieb… Heute arbeiten wir mit großen Namen wie Vogue oder Disney zusammen und haben auf der Carnaby Street, der Londoner Einkaufsmeile, einen eigenen Store eröffnet. Die Herausforderungen bleiben, es ist nur das Ausmaß, das sich ändert.
Und was war bislang dein glücklichster Moment?
Es macht mich glücklich, um die Welt zu reisen und zu sehen, dass überall coole Frauen jeden Alters SuperTrash tragen und sich damit wohl fühlen. Es gibt kein großartigeres Gefühl als zu sehen, wie deine Marke lebendig wird.
4. Obwohl die gesamte Modeindustrie zu großen Teile von Frauen getrieben wird – zumindest auf Nachfrageseite – werden diese Unternehmen sehr oft von Männern geführt. Sollten mehr Frauen deinem Beispiel folgen?
Frauen müssen zu dem stehen, wer sie sind und was sie können. Als ich damals angefangen habe, wurde ich oft nicht ernst genommen, nur weil ich keinen Anzug anhatte. Heute weiß jeder, dass ich Talent habe – und heute werde ich so respektiert wie ich bin. Ich glaube, es ist dumm, dass sich Frauen heute stärker beweisen müssen als Männer, denn auch die haben ihre Defizite.
5. Was würdest du anderen Frauen in drei Sätzen raten, die mit der Idee spielen, sich selbstständig zu machen?
1. Geh weiter, wenn andere stehen bleiben!
2. Hab eine klare Vision von dem, was du erreichen willst!
3. Umgebe dich mit guten und talentierten Menschen – du kannst die Welt nicht allein erobern!
6. Und was ist dein ultimativer Styling-Ratschlag für andere Frauen?
Tragt das, worin ihr euch wohlfühlt – Style und Bequemlichkeit gehen Hand-in-Hand. Wenn man über deine eigenen Absätze stolpert, sieht das einfach nicht gut aus. Ich bin momentan total vernarrt in unser ST. Jaguar Jacket, mit dem ich mich gleichzeitig stark, aber immer noch sexy fühle.
7. Man sagt, dass du immer noch jedes Kollektionsteil selbst abnimmst. Spiegelt die Kollektion heute immer noch deinen eigenen Style wieder?
Ich habe angefangen, als ich 24 Jahre alt war – und in den letzten zehn Jahren hat sich mein Modegeschmack sicher verändert. Ich bin erwachsen geworden, und in ähnlicher Weise ist auch SuperTrash erwachsen geworden. Aber unsere Handschrift wird immer für einen starken, femininen Style stehen. Das ist unsere DNA.
8. SuperTrash arbeitet sowohl von Amsterdam als auch von London und New York aus. Welche der drei Städte hat modisch gesehen den größten Einfluss auf die Marke?
Ich glaube, es sind alle drei. Ich versuche immer, unseren Kollektionen ein internationales Feeling zu geben und es beizubehalten. Am meisten werde ich persönlich inspiriert, wenn ich durch die Straßen von New York bummle. Aber auch Amsterdam und London sind sehr inspirierend. Eigentlich kommt Inspiration von überall und nirgends. Manchmal wache ich um 6:30 Uhr morgens auf und habe ein Stoffmuster für die nächste Kollektion im Kopf. Sogar wenn ich schlafe, kann ich nicht aufhören, zu arbeiten! (lacht)
Die H/W-Kollektion wurde auf der Panorama sehr gut angenommen. Der deutsche Markt könnte gut zur Marke passen
9. SuperTrash ist in vielen internationalen Märkten sehr erfolgreich und geht jetzt verstärkt den deutschen Markt an, mit Shop-in-Shops bei Breuninger und Karstadt. Wie kommt die Marke hierzulande an?
Ich glaube, SuperTrash passt sehr gut auf den deutschen Markt, und wir wollten nicht länger damit warten, hierher zu expandieren. Wir haben gerade die deutsche Webseite gelauncht. Auf der Panorama in Berlin haben wir ein unglaublich positives Feedback auf die Kollektion erhalten. Es wird also sehr spannend werden…
10. Was sind umsatzmäßig die wichtigsten Märkte für Supertrash?
Die BeNeLux-Region ist ein sehr großer Erfolg für uns und wir hoffen, dass wir diesen Erfolg auf den UK-Markt, insbesondere London, übertragen können. Es war schon immer mein Traum, eine internationale Modemarke zu entwickeln, die in der obersten Liga des internationalen Fashion-Business mitspielt. Ich werde nicht ruhen, bis ich diese Vision auf ein globales Level gehoben habe – mit Stores überall in UK und den USA.
11. Es ist schwer etwas über eure finanzielle Performance herauszufinden. Magst du trotzdem etwas über euren Umsatz verraten?
Wir legen unsere Zahlen nicht offen! Aber um es anders zu sagen: Wir sind ziemlich zufrieden damit, wo wir momentan stehen und wo wir hingehen.
Läuft es denn so gut, dass vielleicht irgendwann auch ein Börsengang ansteht?
Ein Börsengang ist etwas, worüber ich – ehrlich gesagt – noch nicht nachgedacht habe. Aber ich kann nicht sagen, was passieren wird. Hier und jetzt, bevorzuge ich es, dass SuperTrash ein privates Unternehmen bleibt. Aber wer weiß, was die Zukunft noch bringt.










