Jörg Wichmann hat mit Berlin etwas Großes vor: Er will dem Modestandort neue Impulse geben und etwas präsentieren, was es hier noch nicht gibt. Mit der neuen Modemesse Panorama Berlin will gestandene, erfolgreiche Marken aus dem High-Volume-Segment präsentieren, und Berlin damit zum Pflichttermin für das nationale und internationale Fachpublikum machen.

Mit mehr als 20.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist die Panorama gleich zur Premiere einer der Big Player im internationalen Fashion-Biz. In der aktuellen Brand List findet man nicht wenige Namen, die die deutsche und internationale Modelandschaft entscheidend mitgeprägt haben, wie etwa s.Oliver, Olymp, Daniel Hechter, Blue Seven, Marc Cain, Laurèl, Roy Robson, Barutti und viele mehr. Damit lockt der Design-Netzwerker, der mit dem Projekt Berlinomat bekannt geworden ist, auch Marken auf die Fläche, die in der Vergangenheit nicht unbedingt durch eine internationale Messepräsenz aufgefallen sind.

Die Premiere der Panorama Berlin findet vom 15. bis 17. Januar auf dem ExpoCenter Airport Berlin statt.

Jörg Wichmann, CEO und Initiator der Panorama Berlin

1. Die Frage hast du in den letzten Monaten bestimmt schon öfter gehört, aber ich stelle sie dir trotzdem: Braucht Berlin wirklich noch eine weitere Modemesse?
Ja, unbedingt! Die Panorama Berlin zeigt überwiegend Kollektionen, die es aktuell in Berlin noch nicht gibt. Marken, die Marktrelevanz, Umsatzstärke und Tradition haben. Berlin hat sich mit der Bread & Butter und der Premium, die in ihren jeweiligen Segmenten eine starke Anziehungskraft erreicht haben, einen internationalen Ruf als Modestadt erarbeitet. Und wir sind ganz fest davon überzeugt, dass wir das Angebot nicht nur komplettieren, sondern die Stahlkraft Berlins sogar noch deutlich verstärken werden, indem wir eine für die Stadt völlig neue Einkäufer ansprechen. Berlin braucht eine Plattform für Kollektionen, die im Markt stattfinden und konsumiert werden.

2. Und was genau soll die Einkäufer im nächsten Januar zur Panorama locken?
Unser Ziel ist es, dem Markt, respektive dem Einkäufer die Möglichkeit zu geben, sich zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der neuen Ordersaison einen breiten Überblick über das Angebot und die Trends der kommenden Saison zu schaffen. Die Panorama soll dabei nicht nur Leistungsschau sein, sondern will auch eine Arbeitsatmosphäre schaffen, in der sich Hersteller und Fachpublikum austauschen können. Darüber hinaus bieten wir eine Reihe von Serviceleistungen, damit der Fachbesucher die kurze Zeit, die er in Berlin ist, intensiv nutzen kann, angefangen von einem kostenfreien After-Breakfast-Shuttle vom Hotel zum Messegelände, Koffer-Check-in, einem ausgeklügelten Logistikkonzept, über günstige Übernachtungsraten bei über 40 Partnerhotels, Kooperationen mit Airlines bis hin zu einem erstklassigen Catering.

3. Viele Marken, die auf der Brand List der Panorama stehen, machen ihre Geschäfte doch aber weiter in den Showrooms?
Die Panorama Berlin versteht sich als Marktplatz, auf dem sich die Marken präsentieren. Die Unternehmen, die hier ausstellen, sind sehr gut strukturiert und haben eine hervorragend gelebte Showroom-Kultur, die für sich genommen, also zum Schreiben von Aufträgen, ausgezeichnet funktioniert. Mit der Panorama Berlin holen wir einen Großteil dieser Marken auf die Fläche, stellen sie nebeneinander dar und machen sie für den Einkäufer im Raum erlebbar.

4. Wie viele Marken sind aktuell dabei bzw. sollen es bis Januar noch werden?
Wir haben aktuell 250 Zusagen, und da können und werden noch rund hundert dazu kommen. Glücklicherweise erfreuen wir uns zum heutigen Zeitpunkt einer reger Nachfrage nach Ausstellungsfläche.

5. Liegt das auch daran, dass sich jetzt einige Marken bei euch bewerben, die bei der Bread & Butter “rausgeflogen” sind?
Ich glaube, rausgeflogen ist nicht das richtige Wort. Aber in der Tat gibt es dort Marken, die auch in unser Portfolio passen würdenund auch einige, die schon im letzten Jahr auf uns zugekommen sind, als sie von der Idee der Panorama Berlin hörten. Wir prüfen genau, ob diese Markenin eine von unseren drei Hallen passen. Und mit diesen machen wir dann Verträge.

6. Und nach welchen Kriterien wählt ihr aus?
Wir wollen unseren Besuchern einen Trend-Marken-Mix zeigen, der unserem Code entspricht. Dabei konzentrieren wir uns auf die wichtigen und starken Marken, die Brands, die im Markt auch wirklich stattfinden und das in der ganzen Bandbreite – von Einstiegspreislagen bis hin zu Endpreislagen. Wir fragen genau, wie sich eine Marke präsentieren will und was sie zeigen will. Und überlegen uns, wie wir sie im Kontext mit den anderen Kollektionen sinnvoll positionieren.

Die Panorama wird im neuen ExpoCenter Airport Gelände stattfinden: 2014 fällt man dann tatsächlich aus dem Flieger auf die Messe

7. Wie kann man sich diese Premiere dann genau vorstellen?
Wir haben den Anspruch verschiedene Kollektionen in einer Atmosphäre zu zeigen, die der Besucher intuitiv versteht. Der Endkonsument kombiniert heute nach Lust und Laune preiswert mit teuer, Designerlabel mit Vertikalem – alles ist möglich. Insofern halten wir eine zu starke Segmentierung für nicht zeitgemäß. Wir haben für jede unserer drei Hallen ein Motto. Halle A etwa steht für „Aesthetic Innovation“, Halle B trägt den Titel „Best of Modern Looks“ und Halle C ist mit „Casual Creativity“ überschrieben. Dabei haben wir bewusst auf einen einheitlichen Standbau verzichtet, um unseren Ausstellern die Möglichkeit zu geben, ihre Markenidentität zu präsentieren und ihre Art des Merchandising zu zeigen. So entsteht eine Fläche, die man unter Retailgesichtspunkten Shop-in-Shop nennen würde – offen, ansprechend und höchst informativ.

8. Stichwort Flughafen! Du kannst die Diskussion darum sicher nicht mehr hören, oder?
In der Tat! Das ist ein leidiges Thema, das nichts mit uns zu tun hat. Das ExpoCenter Airport, in dem die Panorama Berlin stattfindet, ist seit Mai 2012 fertiggestellt. Ich hätte den neuen Flughafen Berlin Brandenburg International (BER) auch lieber heute als morgen, aber wir werden die kommenden beiden Veranstaltungen auch so erfolgreich bestreiten. Aufgrund des von uns betriebenen logistischen Aufwands mit rund 150 Shuttles wird das Messegelände von allen Hotspots der Stadt relativ schnell zu erreichen sein. Von der Bread & Butter sind es je nach Tageszeit nur 20-30 Minuten, von der Premium 30-40 Minuten und vom Flughafen Tegel 30-40 Minuten. Gemessen am internationalen Vergleich mit Paris oder Mailand, wo niemand steht, um einen abzuholen, ist es in Berlin ein Kinderspiel während der Fashion Week von einer Veranstaltung zur nächsten zu gelangen. Aber ganz ehrlich, es zählt doch das Produkt, also die Messe. Welcher Einkäufer, der extra zur Fashion Week anreist, kommt seiner Aufgabe nicht nach, die Panorama Berlin zu besuchen, nur weil er 20 bis 30 Minuten fahren muss!?

9. Und du glaubst fest an die Zukunft von Berlin als Messe- bzw. Orderstandort?
Ja, mehr denn je! Berlin hat sich gut aufgestellt und bietet noch enormes Potenzial. Ich bin fest davon überzeugt, dass beim Fachbesucher in den nächsten Jahren ein erhöhtes Bedürfnis nach Sicherheit besteht. Einkäufer müssen sich noch mehr einen Überblick darüber verschaffen, was es alles gibt, um zu entscheiden, was geordert und wie budgetiert wird. Berlin bietet die Möglichkeit die richtungsweisenden Entscheidungen, die dann an anderen Standorten zu Papier gebracht werden. Diese Qualität als internationale Schaustelle sollte man auf keinen Fall unterschätzen, auch wenn bei vielen sicher auch der Wunsch besteht, dass in Berlin Geschäftsabschlüsse generiert werden. Aber das ist erst der zweite Schritt und für uns momentan gar nicht unser primäres Ziel.

10. Wie kam es eigentlich zur Idee der Panorama Berlin?
Die Idee besteht seit etwa zwei Jahren. Das Engagement der Messe Berlin hat dann, vor ca. anderthalb Jahren, den Startschuss gegeben, mit der konkreten Planung und Umsetzung zu beginnen.

11. In Zeiten, in denen Unternehmen verstärkt das eigene Retail-Geschäft forcieren und Multi-Label-Stores nach und nach verschwinden, ist eine so eine Modemesse ein mutiger Schritt. Glaubst du an die Zukunft des Multi-Label-Geschäfts?
Ja, das tue ich. Sicherlich wird es Veränderungen geben, vielleicht hin zu mehr Partnerschaften, aber grundsätzlich glaube ich an Multi-Label-Stores. Ich denke nicht, dass ‘Multi-Label’ die Herausforderung ist, sondern die ‘Stores’ als solche. Ich glaube fest an Idee von Mix and Match, so wie die Endkonsumenten heute schon alles miteinander mischen. Dort, wo ‘Multi’ für den Kunden auch ‘mehr’, bedeutet bzw. bietet, wird ‘Multi’ auch immer funktionieren.

Merci und Danke für das Gespräch!