Erfolgsgeschichte mit Schattenseiten: Der erfolgsverwöhnte Berliner Onlineshop wächst weiter in rasantem Tempo, allerdings zu Lasten eines Gewinns. Schwarze Zahlen sind noch weit entfernt. Jetzt wird der Sparkurs eingeleitet.

Zalando_Schrei vor Glück

Zalando - Schrei vor Glück! - der zweite Teil "... oder schick's zurück" wurde bereits wieder kassiert, um die Retouren nicht noch höher ausfallen zu lassen

Der 2008 als Schuh-Onlinehändler gestartete Onlineshop Zalando wächst rasant. Nach dem Geschäftsbericht der bei Zalando investierten schwedischen Beteiligungsgesellschaft Investment AB Kinnevik soll Zalando im ersten Halbjahr 2011 einen Netto-Umsatz von 200 Mio. Euro erreicht haben. Im Vergleich zu 2010, wo der Umsatz bei 159 Mio. Euro lag, ist er damit regelrecht explodiert.

Allerdings geht das rasante Wachstum zu Lasten des Gewinns: Operativ schreibt Zalando weiter Verluste. Laut dem Geschäftsbericht 2010, der erst kürzlich im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde, musste Zalando damals einen Jahresfehlbetrag von 20,3 Mio. Euro ausweisen. Im Jahr zuvor waren es lediglich 1,6 Mio. Euro. Man kann also davon ausgehen, dass die roten Zahlen in 2011 ebenfalls rasant gestiegen sind. Nach Aussage von Kinnevik ist der Verlust auf „das starke Wachstum und die geografische Expansion“ zurückzuführen.

Kostenbroken und Zukunftsaussichten

Eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass Zalando bisher noch keine schwarze Zahlen geschrieben hat. Zahlreiche Investorenrunden, zuletzt mit dem russischen Investor DST Global, finanzierten das bisherige Wachstum. Die Investoren erwarten erst nach einiger Zeit ihren Return-on-Investment. Bei Zalando gehen einige Branchekenner davon aus, dass die Beteiligten auf einen (goldenen) Exit an der Börse spekulieren. Für einen Börsengang reichen stattliche Umsätze allein allerdings nicht aus. Um auf einen grünen (oder besser wohl schwarzen) Zweig zu kommen, muss das bisher gefahrene Businessmodel auf den Prüfstand gestellt werden.

Zalando hat an drei Punken enorme Kosten: Vorfinanzierung, Logistik und Marketing. Der Onlinehändler muss die meiste Ware vorfinanzieren und sie lagern. Gleichzeitig hadert das Unternehmen mit einer hohen Retourenquote, denn schließlich ist Versand und Rücksendung (sogar bis 100 Tage nach der Bestellung) kostenlos. Um zumindest ein bisschen bei der Logistik zu sparen, soll noch Mitte dieses Jahres ein neues Logistikzentrum bei Erfurt in Betrieb genommen werden. Auch die aggressive Werbeschlacht auf allen Kanälen ist teuer und soll sich laut einigen Branchentiteln auf zweistellige Millionenbeträge pro Monat (!) summieren. Auch hier hat Zalando reagiert und das Werbebudget zuletzt massiv zurechtgestutzt.