Wolfgang Joop hat wohl keine Lust mehr, sich Gedanken um Zahlen, Strategien und andere administrative Dinge zu machen und gibt die Geschäftsführung seiner Firma Wunderkind an den jetzigen Generalbevollmächtigen ab. So hat er dann auch mehr Zeit, sich um den Unterhosenhersteller Schiesser zu kümmern, bei dem er einen Einstieg erwägt.

Wunderkind Spring Summer 2009 Ready-to-Wear fashion Show - Paris

Wunderkind Wolfgang Joop

Das Potsdamer Unternehmen Wunderkind teilte gestern mit, dass Wolfgang Joop von dem Chefposten zurückgetreten ist. Der Designer, Buchautor und Fotograf bleibt aber kreativer Direktor und will sich zukünftig nur noch um das Design des Labels kümmern.

Sein Nachfolger ist der Jurist Markus Hennig, der schon lange bei Wunderkind ist und sicherlich mehr Freude für Zahlen und Verträge empfindet. Er soll das Unternehmen weltweit stärker etablieren. So sind beispielsweise drei neue Shops geplant. Derzeit ist Wunderkind mit vier Läden in Berlin, London und Sylt vertreten.Joop selbst hatte den Chefposten im Mai 2009 ad interim von dem ehemaligen Mitbegründer und Lebensgefährten Edwin Lemberg übernommen, der kurze Zeit darauf auch aus dem Unternehmen ausschied und seine Anteile (15%) an die Wella-Erben Sander abgegebenen hatte, die nun 65 % an der Potsdamer Firma halten. Joop selbst hält die anderen 35 %.

Joop hat derweil auch andere Pläne. Am Montag verkündete er, bei dem Feinripphersteller Schiesser einsteigen zu wollen und das Unternehmen mit Marketing- und Designvorschlägen zur Seite zu stehen. Joop glaubt sogar Schiesser an die Börse bringen zu können und orientiert sich dabei am US-Vorbild Calvin Klein, der „weiße Unterhosen zu einem sexy Item“ gemacht hat. „Das kann ich ja wohl auch“ erklärte er selbstbewusst dem Tagesspiegel.