Das Taschenlabel aus Hannover macht schon längst mehr als nur Taschen und wagt sich mit einer neuen Jeans-Kollektion erstmals in den rein textilen Bereich. Geschäftsführer Roman Kraus blickt für uns zurück und weiter nach vorn.

Roman Kraus, Geschäftsführer von Fritzi aus Preußen, glaubte von Anfang an an das große Potential der Marke

Roman Kraus, Geschäftsführer von Fritzi aus Preußen, vor den neuen Jeans-Kollektion

Warum gerade dann eine lederfreie Taschenmarke am Markt platzieren, wenn die Claims bereits abgesteckt sind und die großen, etablierten Wettbewerber im PU-Bereich mit sinkender Nachfrage zu kämpfen haben? – Ganz einfach, weil man es kann! Als Roman Kraus und Esther de Wit 2011 die Marke Fritzi aus Preußen von den Liebeskind-Gründern übernahmen, waren beide von dem Potential des kleinen PU-Labels überzeugt. Zu Recht! Denn Fritzi sollte etwas haben, was viele andere nicht haben: Den Überraschungseffekt – nicht nur bei der Materialqualität, sondern auch beim Preis: „Unser Credo bei allem, was wir tun, egal ob Taschen, Schuhe oder Jeans, ist: Fritzi ist für alle da! Der Kunde sieht das Produkt und den Preis und sagt ‚Das kann doch gar nicht sein!’, und kauft es dann“, fasst Geschäftsführer Roman Kraus den Fritzi-Ansatz zusammen.

Nach Taschen folgten Schuhe

Nach Taschen folgten Schuhe

Der Markt verlangt mehr Fritzi

Vor gut anderthalb Jahren erweiterte Fritzi sein Angebot um Schuhe. Der Impuls dafür kam aus dem Handel: „Unsere Kunden sagten damals mit Blick auf die Taschen: ‚Also wenn ihr solche Schuhe machen könntet. Das wär’s!’ Danach haben wir den Markt analysiert und abgeschätzt, ob wir trotz der hohen Wettbewerbsdichte mit einer neuen PU-Schuhlinie eine Chance hätten“, erinnert sich Kraus. Und: Die Schuhe kommen an: „Unsere Verkaufszahlen sind gut. Wir sind zufrieden und die Händler auch“, berichtet Kraus.

Und jetzt der erste Schritt ins Textilsegment

Auf der Panorama in Berlin wurde kürzlich die neue Jeans-Linie erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Kraus glaubt fest daran, dass der Schritt in den ebenfalls sehr wettbewerbsintensiven und nicht einfachen Denimbereich erfolgreich sein wird: „Wir haben uns den Markt ganz genau angeschaut: Welche Wettbewerber gibt es, welche Qualitäten zu welchen Preisen – und wir sind sicher, dass es auch dort noch Potential gibt. Einige große Textilhändler haben bereits signalisiert, dass sie mitziehen werden“, sagt Kraus. Die Jeans, die an der Denimwand des Messestands hängen, könnten in Hinblick auf Waschungen, Fits und Qualitäten problemlos mit etablierten Anbietern mithalten, liegen aber preislich nicht bei 119 oder 139 Euro, sondern zwischen 69 bis 79 Euro.

Der Fritzi-Stand auf der Panorama war gut frequentiert

Der Fritzi-Stand auf der Panorama war gut frequentiert

Was ist also das Geheimnis der Hannoveraner?

„Unser Produkt stimmt einfach und unser Preis auch. Viele Händler berichten, dass ihre Kunden oft denken, dass unsere Artikel in Hinblick auf Qualität und Verarbeitung mehr kosten müssen“, sagt Kraus. Auf die Nachfrage, warum sie ihre Produkte günstiger anbieten können, will gibt er sich nebulös und schmunzelt: „Wenn ich das jetzt verraten würde, das wüsste es ja jeder. Aber es gibt da Mittel und Wege, wo man ansetzen kann.“ Auch wenn das Unternehmen keine genauen Zahlen nennt, haben sich die Umsätze laut Kraus seit der Übernahme vor vier Jahren „mehr als verzehnfacht“ – mit solider Gewinnmarge.

Taschen sind noch der größte Umsatzbringer für Fritzi aus Preußen

Taschen sind noch der größte Umsatzbringer für Fritzi aus Preußen

Weiter im Turbo

Fritzi aus Preußen ist gut aufgestellt, auch in Hinblick auf die gegenwärtig steigenden Beschaffungskosten in Fernost. Das Unternehmen will die Preise weitgehend stabil halten und rechnet mit weiteren Umsatzzuwächsen. Wenn man die Einkäufer auf der Messe sieht, wie sie begeistert Taschen in die Höhe halten und ihren Kollegen verschwörerisch zuzwinkern, dann weiß man, dass er wahrscheinlich Recht behalten wird. Der eigene Vertrieb und viele Händler bescheinigen der Marke jede Saison auf Neue, „dass die jetzige Kollektion besser ist als die letzte“. Offensichtlich auch dieses Mal.

Dass Fritzi aus Preußen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten nur mit Vororder arbeitet, ist für das Unternehmen kein Problem: „Der Endkunde entscheidet, und wenn der kauft, ordert der Händler für die nächste Saison mehr, weil er sicher ist, dass er mit uns abverkauft“, so Kraus. Das Vertrauen am Markt bietet Potential für weitere Produktsegmente, aber ob es die tatsächlich geben wird, wird sich daran entscheiden, ob Fritzi auch dort das richtige Preis-Leistungsverhältnis bieten kann: „Wenn wir das nicht schaffen, dann würden wir es lassen. Wir werden neue Kategorien nur angehen, wenn es unserem Credo entspricht.“