Stuttgart: Platzhirsche verteidigen ihr Revier
Der innerstädtische Fachhandel probt in der schwäbischen Metropole den Aufstand gegen die Shoppingcenter. Mit Aktionen und einem Kundenmagazin wollen zehn Traditionseinzelhändler dem neuen Gerber und dem Milaneo die Stirn bieten.
Damit die Stuttgarter Innenstadt ihren Charme nicht verliert, gehen zehn Einzelhändler in die Offensive
Der Platzhirsch ist nicht ohne Grund das selbst gewählte Wappentier
In Stuttgarter Einzelhandel brodelt es. An den letzten Wochenende war die Innenstadt relativ leer – das lag an den neu eröffneten innerstädtischen Shoppingcentern Gerber und Milaneo, die mehrere hunderttausend Besucher an ihren Eröffnungswochen zählten. Insgesamt haben die beiden Center die Stuttgarter Innenstadt auf einen Schlag um 70.000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche bereichert – zum Unmut der eingesessenen Traditionsgeschäfte.
Die Alteingesessenen wollen es sich aber nicht bieten lassen, einfach auf die Ersatzbank verfrachtet zu werden und haben die Vereinigung „Stuttgarter Traditionsgeschäfte“ gegründet. Die zehn Gründungsmitglieder besitzen zusammen mehr als 1.440 Jahre Einzelhandelserfahrung. Als Wappentier hat die Gruppe, die auf keinen Fall als „Jammer-Zusammenschluss“ wahrgenommen werden will, einen Zehender-Hirsch gewählt: Zum einen in Anlehnung an den goldenen Hirschen auf dem Kuppeldach des Kunstgebäude Stuttgart am Schlossplatz, zum anderen weil die Anspielung auf die Formulierung „Platzhirsch“ einfach naheliegt.
Zu den zehn teilnehmenden Platzhirschen gehören u.a. Hauswaltswaren Tritschler (seit 1723), Korbmayer (Kindermode, Spielwaren, seit 1863), Maute-Benger (Wäsche, seit 1844), Lederwaren Acker, Feinkost Böhm und Mußler Beauty. „Als Stuttgarter Wertegemeinschaft haben wir uns einer Zukunft verschrieben, in der die Qualität und Zusammenstellung des Angebots sowie die Beratung an erster Stelle stehen. Dazu gehören die Wertschätzung und Ausbildung unserer Mitarbeiter ebenso wie die persönliche Art und Weise, wie wir unserem Kunden begegnen. Wir stehen mit unserem Namen für Individualität und Verlässlichkeit in der Stuttgarter City“, heißt es auf der Webseite der Platzhirsche. Gemeinsam sollen Angebote und Aktionen die Innenstadt attraktiver machen, um sich gegen die neuen Center durch- und vom Internet abzusetzen. Ein Kundenmagazin unter dem Titel „Platzhirsch“ soll Aufmerksamkeit bringen. Eine am 4. November stattfindende Podiumsdiskussion unter dem Titel „Milaneo und Gerber – Kannibalismus im Einzelhandel“ soll die Auswirkungen innerstädtischer Shoppingcenter beleuchten.
Foto: via flickr / creative commons / Isengardt // https://www.stg-stuttgart.com/







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