Der Herzogenauracher Sportartikler will nach dem Gewinneinbruch im ersten Halbjahr die angekündigten Umbaumaßnahmen beschleunigen, was die Bilanz des Gesamtjahres belasten wird. Zudem muss Puma neue Führungskräfte suchen: Für die Position des CFO wurde bereits ein Nachfolger gefunden, die Posten des Chief Operations und des Chief Marketing Officers sind noch unbesetzt.

Puma Store

Puma setzt den Rotstift an: Auch das Retailnetzwerk wird überprüft

Der Gewinneinbruch wurde schon vor einigen Tagen angekündigt: Die Puma SE muss trotz steigenden Umsätzen im zweiten Quartal ein Minus von 15% beim Operativen Ergebnis (EBIT) bzw. von 29,2% beim Konzerngewinn verkraften. Die Halbjahreszahlen fallen ähnlich aus: Während der Konzernumsatz auf Euro-Basis um 8,8% (währungsbereinigt um 5,1%) auf 1,573 Mrd. Euro steigt, sinkt das operative Ergebnis um 10,4% auf 149,1 Mio. Euro. Der Konzerngewinn gibt um 12,8% auf 100,6 Mio. Euro nach. Das Ergebnis pro Aktie sank um 12,6% auf 6,72 Euro.

Während das Geschäft mit Textilien und Accessoires in der ersten Jahreshälfte zweistellige Wachstums-raten (+12% bzw. 25%) aufweisen konnte, stagnierte das größte Segment Schuhe  mit 371 Mio. Euro fast auf Vorjahresniveau (+2%). Regional sanken die Umsätze trotz Fußball-EM in der Region EMEA um 2,1%, in Amerika und Asien/Pazifik gab es währungsbereinigte Zuwächse von 11,8% bzw. 9,4%. Auch das Retailgeschäft trug mit 228 Mio. Euro (+19%) zur positiven Umsatzentwicklung bei. Dennoch fielen die Umsätze wegen der durch geschwächten Nachfragen im Euro-Raum weniger hoch aus als erwartet. Auch die Rohertragsmarge, die bei Puma immer als Maßstab galt, muss leichte Einbußen auf 50,2% hinnehmen. Neben höheren Beschaffungskosten stiegen auch die operativen Kosten aufgrund von Marketing-Initiativen anlässlich der Fußball-EM und Olympia sowie Investitionen in die Produktentwicklung, eigene Läden und IT-Projekte deutlich.

Puma setzt den Rotstift an

Angesichts der aktuellen Herausforderungen im Europa-Geschäft und dem zunehmenden Margendruck will Puma die Umsetzung des Transformationsprogramms, das Teil der „Back on the attack“ Wachstumsstrategie ist, stärker als bisher forciert werden. Dies sieht insbesondere ein neues regionales Geschäftsmodell vor, was die eruropäische Organisationsstruktur effizienter gestalten soll. Statt 23 Länder soll es zukünftig nur noch sieben Ländergruppierungen geben, die Verwaltungsfunktionen zentral ausüben, während man sich national nur noch auf Vertrieb und Marketing konzentriert. Die Schaffung einer regional organisierten Beschaffungskette soll den Lagerbestand reduzieren und die Produktverfügbarkeit erhöhen. Das Einzelhandelsportfolio soll selektiver gestaltet werden, unrentable Geschäfte sollen geschlossen werden. Darüber hinaus soll das Produktportfolio gestrafft werden: Kollektionslinien, die eigens für bestimmte Märkte entwickelt werden, sollen deutlich reduziert werden. Auch beim Sponsoring will sich Puma nur noch auf die Verträge konzentrieren, die der Markenstrategie entsprechen. Alles in allem geht das Management davon aus, dass diese Umbaumaßnahmen einmalig bis zu 100 Mio. Euro kosten werden, die in der zweiten Jahreshälfte gebucht werden. Insofern wird für das Gesamtjahr nicht nur mit einem verlangsamten Umsatzwachstum, sondern auch einem deutlich niedrigerem Konzerngewinn als im Vorjahr gerechnet.

Neue Manager gesucht

COO Klaus Bauer geht zum Jahresende

Marketingchef Antonio Bertone auch

Mitten in dieser Phase der Umstrukturierung geben zwei geschäftsführende Direktoren ihren Austritt bekannt. Klaus Bauer (57), aktuell bei Puma als CFO und COO tätig, wird seinen Vertrag aus privaten Gründen nicht über das Jahr 2012 hinaus verlängern. Zukünftiger CFO wird Michael Lämmermann (50), der zukünftig die Bereiche Finanzen und Recht verantworten wird. Der Nachfolger in der Funktion des COO (verantwortlich für die Bereiche Personal, IT, Logistik und Operations) soll zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden.

Auch Antonio Bertone (39), Chief Marketing Officer verabschiedet sich nach 18 Jahren bei Puma zum Ende des Jahres. Er wird weiter in beratender Funktion projektbezogen zur Verfügung stehen.

Fotos: Puma SE