Lederwarenbranche im Plus
Anlässlich der ILM geben die Lederwarenindustrie- und handelsverbände BVLK und BLE einen Überblick, wie das erste Halbjahr gelaufen ist. Der Umsatz ist im Plus, der Export wächst und der Ausblick für die zweite Jahreshälfte ist trotz des allgemeinen Krisengeplappers immer noch durchaus optimistisch.
Die deutsche Lederwarenindustrie kann zufrieden sein mit dem Verlauf der ersten Jahreshälfte 2011. Der positive Umsatztrend aus dem zweiten Halbjahr 2010 setzte sich auch in den vergangenen Monaten fort. Laut Statistischem Bundesamt sind die Umsätze in den ersten sechs Monaten um 22,9% gestiegen. Insbesondere die vor zwei Jahren eingebrochenen Auslandsumsätze kletterten um 38,3% auf 50,9 Mio. Euro (1. Halbjahr 2010 36 Mio. Euro), während die Inlandsumsätze mit 15,9% auf 94 Mio. Euro moderater stiegen (Vorjahreszeitraum 80 Mio. Euro). Wachstumstreiber waren vor allem die Ausfuhren ausserhalb der Eurozone, die um knapp 70% kletterten.
Diese Angaben werden von eines Umfrage des BVLK unter fast 80 Mitgliedsunternehmen bestätigt: Rund 83% der Unternehmen berichten für das erste Halbjahr von steigenden, 44% sogar von über 10% steigenden Umsätzen im Inland. 63% verbuchten auch steigende Auslandsumsätze. Auch die Orderbücher für das zweite Halbjahr sind bei mehr als zwei Dritteln aller Unternehmen gleich gut oder sogar besser gefüllt als im Vorjahr.
Steigende Ex- und Importe im ersten Halbjahr
Im ersten Halbjahr wurden Lederwaren mit einem Volumen von 577 Mio. Euro ausgeführt, das sind knapp 18% mehr als im Vorjahr. Am stärksten stiegen die Ausfuhren von Lederhandtaschen (+49% auf 46 Mio. Euro) und Taschenartikel aus Leder (+44% auf 72 Mio. Euro). Reisehandtaschen und Taschenartikel aus anderen Stoffen stiegen um 17% auf 64 Mio. Euro bzw. 14% auf 116 Mio. Euro. Mit Hauptabnehmermärkten wie Frankreich, Österreich, Italien und der BeNeLux-Region ist Europa trotz sinkender Nachfrage aus den Euro-Krisenländern Spanien, Portugal und Irland nach wie vor mit 65% am Gesamtvolumen (372 Mio. Euro) der wichtigste Abnehmermarkt. Zählt man die Schweiz und Osteuropa dazu, machen die europäischen Länder sogar einen Anteil von 79% an den Gesamtausfuhren aus. Asien macht trotz rasanten Zuwächsen in China (+100% auf 11 Mio. Euro) und Japan (+29% auf 17 Mio. Euro) nur 12,4% an den Gesamtausfuhren aus, Amerika liegt mit 6% Marktanteil auf Platz 3.
Spiegelbildlich nahmen auch die Importe zu: Hier gibt China nach wie vor den Ton an. Mit über 560 Mio. Euro (+14%) kommen mehr als die Hälfte aller importierten Lederwaren aus dem Reich der Mitte. Dahinter folgen Italien mit einem Anteil von 8% (86 Mio. Euro) und die Niederlande mit einem Anteil von 7% (73 Mio. Euro). Insgesamt stiegen die Gesamteinfuhren um 25% auf 1,119 Mrd. Euro, wobei Lederprodukte stärker gefragt waren als Artikel aus anderen Stoffen.
Preiserhöhungen werden (noch) nicht an den Verbraucher weitergereicht
Obwohl die Materialpreise für Leder um 23% anstiegen, stiegen die Preis für Lederwaren mit nur 1% nur moderat an. Selbst die allgemeine Inflationsrate von 2,4% lag deutlich über dem Preisanstieg bei Lederwaren und Koffern.
Ausblick auf die zweite Jahreshälfte
Für die zweite Jahreshälfte ist die Lederwarenindustrie durchaus noch optimistisch, wenngleich auch etwas vorsichtiger mit ihrer Einschätzung. 56% der befragten BVLK-Mitgliedsunternehmen berichten für das zweite Halbjahr von einer Steigerung der Auftragseingänge aus dem Inland, während 45% steigende bzw. 39% über gleichbleibende Bestellungen aus dem Ausland verbuchen konnten.
Lederwarenfachhandel setzt ebenfalls mehr um und freut sich auf das Weihnachtsgeschäft
Der deutsche Lederwarenfachhandel ist ähnlich positiv gestimmt wie die Lederwarenindustrie. Der Branchenverband BLE schätzt, dass der Fachhandel per Ende August rund 5% mehr umgesetzt hat als im Vorjahreszeitraum. Trotz dieser positiven Zwischenbilanz sind aber nicht alle Lederwarengeschäfte im Plus: Der BLE schätzt, dass rund ein Drittel der Unternehmen Umsatzeinbußen hinnehmen musste, wobei maßgeblich kleinere Läden in schlechteren Lagen betroffen sind. Dem Start in die Herbstsaison sieht die Branche gelassen entgegen und hofft, dass sich die Konsumlaune der Deutsche trotz der aktuellen Themen um Euro und Schuldenkrise, nicht eintrübt. Überdies hoffen auch viele Händler auf ein gutes Weihnachtsgeschäft, da im Dezember traditionell rund 15% des Jahresumsatzes erlöst werden.
Trends und Brands werden im Lederwarenhandel immer wichtiger
Fast alle Warenbereiche haben zum guten Ergebnis im ersten Halbjahr beigetragen. Taschen und Kleinlederwaren waren als Accessoires beliebt und die zunehmende Reisefreudigkeit kurbelte den Absatz von Reisegepäck an. Allerdings kommt es auch zu Verschiebungen innerhalb der Segmente: Im Business-Bereich wird die traditionelle Aktentasche immer öfter durch die lässigere Umhängetasche ersetzt, und junge Mädchen tauschen ihren Rucksack lieber gegen eine feminier wirkende Handtasche eines angesagten Labels. Insofern ist der Handel immer öfter mit einer Verschiebung der Marken konfrontiert, so dass es auch im Lederwarenhandel immer wichtiger wird, den Markt und die Trends genau zu beobachten und darauf mit dem passenden Sortiment zu reagieren.









Kommentare
Keine Kommentare bisher.