Kleidung ohne Wert
Einweg-Sakko, Wegwerf-Bluse, Socken-Abo! Die Mode hat in den letzten Jahren einen extremen Werteverlust erfahren. Deutsche behandeln Kleidung als Wegwerfware, sagt Greenpeace, und warnt vor den Folgen.
Während unsere Urgroßmütter früher noch jeden Socken viermal stopfte, werden heute nicht einmal mehr Schuhe zur Reparatur gebracht. Die Deutschen haben nicht mehr viel Respekt vor der Fertigung eines Kleidungsstückes. Mode ist kurzlebig geworden. Greenpeace-Textilexpertin Kirsten Brodde spricht sogar davon, dass Mode zum „Wegwerfartikel verkommen“ ist. Die Umweltschutzorganisation hat im September eine Befragung in Auftrag gegeben, wobei über tausend Personen zu ihrem Umgang mit Kleidungsstücken befragt wurden.
2 Milliarden Kleidungsstücke wurden nur für die Lagerung im Schrank produziert
2 Milliarden Kleidungsstücke liegen einfach ungenutzt in deutschen Kleiderschränken
Die Ergebnisse machen deutlich, welchen Werteabstieg die „zweite Haut“ in den letzten Jahrzehnten genommen hat. Hochgerechnet haben die Deutschen 5,2 Mrd. Kleidungsstücke in ihren Schränken. Frauen besitzen mit durchschnittlich 118 Teilen über ein Drittel mehr als Männer (73 Teile). Immerhin ein Drittel hat mindestens doppelt so viel, also mehr als 300 Teile, im Schrank. Lange oder oft getragen wird ein Großteil des Schrankinhalts nicht. Das viel proklamierte zeitlose Lieblingsstück findet sich offenbar sehr selten im Schrank. Knapp ein Fünftel, also rund eine Milliarde Kleidungsstücke, wird so gut wie nie getragen, eine weitere Milliarde nur selten. Das bedeutet, dass rund 40% des Kleiderschrankinhalts ungenutzt herumliegt – und damit auch sinnlos produziert wurde.
Aus der Mode gekommen
Erschreckend ist, dass diese Masse weiter anschwillt. Kleidung muss nicht mehr lange halten, sie muss vor allem den schnelllebigen Trends folgen. Alles was nicht mehr ins Bild passt, wird aussortiert. Im Müll oder Kleidersammeltonnen landet so oft einwandfreie Kleidung, die einfach das Schicksal ereilt hat, aus der Mode gekommen zu sein. Repariert oder geflickt wird immer weniger – auch diese Sachen werden aussortiert. Tauschen, leihen oder verkaufen ist für die Mehrheit der Deutschen eine eher „exotische“ Alternative. Bevor die ungewollte Kleidung in der Tonne landet, fragt man zumindest im Bekannten- oder Verwandtenkreis herum. Flohmärkte, Internettauschbörsen oder Kleidertauschparties werden wenig genutzt.
Wenn Textilien so behandelt werden wie Einweggeschirr oder Plastiktüten, hat das fatale Folgen: „Das geht zu Lasten der Umwelt und Gesundheit, denn die Kleidung wird mit Hunderten giftiger Chemikalien produziert,“ so Brodde und appelliert an die Konsumenten, öfter gebraucht statt neu zu kaufen, zu reparieren statt wegzuwerfen und stärker darauf zu schauen, wie Mode hergestellt wird. Nachhaltige Mode ist bei vielen Konsumenten durchaus ein Thema, kann aber bei Fast-Fashion nur in sehr, sehr engen Grenzen umgesetzt werden. Nicht nur Unternehmen tragen daher eine Mitschuld an der zerstörerischen Ausbeutung unseres Planeten, sondern auch Konsumenten. Nicht nur stilistisch gilt: Less ist more!
Die vielfältigen Auswirkungen des kurzlebigen Umgangs mit Mode auf Menschen und Natur zeigt übrigens der Film „The true cost“ von Andrew Morgan, der in einigen Online-Mediatheken wie Netflix angeschaut werden kann.
Foto: via flickr / Global Panorama // Graphik: Greenpeace








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