Der kanadische Handelskonzern Hudson’s Bay übernimmt die Warenhausgruppe von der Metro Group. Der Traum der Deutschen Warenhaus AG ist damit zerplatzt. Stattdessen könnte sich nun die Luxusmarke Saks Fifth Avenue in Deutschland etablieren.

Kaufhof wird jetzt amerikanisch: Hudson's Bay bekommt den Zuschlag für die Metro-Warenhauskette

Kaufhof wird jetzt amerikanisch: Hudson’s Bay bekommt den Zuschlag für die Metro-Warenhauskette

Liest man die Juni-Ausgabe des Manager Magazins, galten Karstadt-Eigner René Benko und seine Signa Holding eigentlich schon als ausgemachte Gewinner im Bieterwettstreit um die Metro-Tochter Galeria Kaufhof. Die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC) sollte die Konkurrenzsituation lediglich etwas zuspitzen. Schon in der letzten Woche wendete sich das Blatt und heute morgen teilte die Metro Group offiziell mit, dass die Nordamerikaner den Zuschlag erhalten haben. HBC verpflichtet sich 2,835 Mrd. Euro inklusive der Übernahme verschiedener Verbindlichkeiten für die 103 deutschen Kaufhof-, die 16 Sportarena- und die 16 belgische Galeria Inno-Filialen zu zahlen. 59 der Standorte befinden sich im Eigentum der Galeria Real Estate und gehen ebenfalls mit über. Die Transaktion soll im September 2015 abgeschlossen sein.

Die Amerikaner kommen: Alles bleibt wie es ist – nur besser

Richard Baker, Governor und Executive Chairman von HBC, zeigt sich sehr zufrieden mit dem Expansionsschritt nach Europa, die den Konzern zu einem wirklich globalen Player macht: „Seit vielen Jahren beobachten wir die europäische Handelslandschaft sorgfältig auf der Suche nach potenziellen Expansionsmöglichkeiten. Dabei ist uns schon früh aufgefallen, wie sich Galeria Kaufhof – aufbauend auf seinen hochwertigen Kaufhäusern in besten Lagen – zur Nr. 1 in Deutschland entwickelt hat.“ HBC verpflichtet sich die Markennamen weiterzuführen, und plant weder Kürzungen bei der Belegschaft noch die Schließung von Standorten. Die Zentrale soll weiter in Köln angesiedelt bleiben. Das bisherige Management-Team um Olivier Van den Bossche soll ebenfalls weitermachen. Um Kaufhof weiter nach vorne zu bringen und profitabler aufzustellen, plant HBC den Markenmix weiter auszubauen, einige Warengruppen zu optimieren, die Flächeneffizienz zu verbessern und das Onlinegeschäft „massiv“ auszubauen. Gleichzeitig wird angedacht, die New Yorker Edelmarke Saks Fifth Avenue und den Ableger SAKS OFF 5TH in ausgewählten Kaufhof-Häusern unterzubringen. Weitere Pläne zur Zukunft von Kaufhof sollen heute nachmittag mitgeteilt werden.

Warum nicht Benko?

Der Verkauf an Hudson’s Bay hatte sich Ende der letzten Woche schon abgezeichnet. Da sowohl Signa als auch HBC einen ähnlichen Kaufpreis offerierten, zählten für Metro vor allem Punkte wie Finanzierung und Glaubwürdigkeit. Metro-Chef Olaf Koch hatte trotz der diversen Goodwill-Aktionen Benkos immer noch Vorbehalte gegen den Österreicher. Auch die Gewerkschaft ver.di wurden den Amerikanern mehr und mehr zugeneigt. „HBC hat nicht nur das beste Angebot für eine sichere Zukunft von Galeria Kaufhof unterbreitet, sondern auch eine werthaltige Offerte für unsere Anteilseigner vorgelegt. Neben dem attraktiven Preis und einer soliden Finanzierung war für uns ausschlaggebend, dass HBC verbindliche Zusagen für die Übernahme der rund 21.500 Beschäftigten in Deutschland und Belgien gemacht hat“, ließ Koch heute morgen mitteilen. Seine Metro Group erhält durch den Deal einen positiven Mittelzufluss von rund 1,6 Mrd. Euro – und muss keinen Boykott der anderen Metro-Formate Saturn/MediaMarkt oder Real befürchten. Koch war offenbar sehr angetan, vom internationalen Renommee und den globalen Wachstumsambitionen von HBC. Der älteste Händler Nordamerikas hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sich das Kaufhaus-Geschäft selbst in online-affinen Märkten wie den USA durchaus passabel führen lässt. Mit Kaufhof wird HBC in Amerika und Europa 464 Kaufhäuser unter insgesamt 8 Markennamen (u.a. Hudson’s Bay, Lord & Taylor, Saks Fifth Avenue und Home Outfitters) betreiben. Der Gesamtumsatz wird sich nach der Konsolidierung auf rund 9 Mrd. Euro belaufen, wovon immerhin ein Drittel in Deutschland erwirtschaftet wird.

Interessante Einblicke in die deutsche Warenhauslandschaft, bspw. Verteilung der Marktanteile, und das Geschäft von Galeria Kaufhof bietet übrigens eine Präsentation von HBC zur Übernahme der grünen Warenhauskette.