Gutes Zalando, böses Zalando
Die Krux des Erfolges! Der wachstumsstarke Onlinehändler gerät immer mal wieder ins Visier der Kritiker. Die einen beschweren sich über Irreführung durch scheinbare Verknappung, die anderen fordern, dass das Unternehmen den Flughafen Tempelhof räumt, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Zu recht?
Hier ist es wirklich knapp: Wären mehr als drei Schuhe auf Lager stünde dort auch „Mehr als 3 Artikel verfügbar“
Ein Rechercheteam von NDR Info und des Verbrauchermagazins Markt hat aufgedeckt, dass der angezeigte anscheinend knappe Lagerbestand bei Zalando offenbar gar nicht so knapp ist. Zalando hatte bislang bei einigen Artikeln den Hinweis „3 Artikel verfügbar“ angegeben. Letztlich war in so einem Fall der Lagerbestand zwar niedrig, aber insgesamt waren mehr als 3 Artikel auf Lager. Die Wettbewerbszentrale sah darin eine Irreführung des Verbrauchers, der über die tatsächliche Menge getäuscht wird und dadurch gedrängt wird, „eine schnellere Entscheidung zu treffen, die er sonst vielleicht nicht getroffen hätte“. Im Endergebnis ist der Skandal eigentlich nur eine knackige Schlagzeile, denn bei kostenlosen Versand und Rückversand hat der Verbraucher noch mehrfach die Möglichkeit, die Ware doch nicht zu kaufen. Trotzdem gibt sich der Berliner Onlinehändler reumütig und ließ über Handelsblatt online mitteilen, dass die Verfügbarkeitsangabe angepasst wurde. Es heißt daher seit letzter Woche „Mehr als 3 Artikel verfügbar“, wenn der Bestand zur Neige geht und „Noch 3 Artikel verfügbar“, wenn noch genau drei Artikel vorrätig sind. Der Lagerbestand wird mehrmals am Tag abgeglichen.
Schlafplätze für Flüchtlinge oder Konsumspektakel?
Der Senat muss sich noch entscheiden, ob er den Flughafen als Flüchtlingsunterkunft nutzen wird. Dann gibt es aber keine Bread & Butter
Der Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt kritisiert, dass Zalando als Bread & Butter-Investor den Flughafen nicht freiräumen oder teilen will, um dort Flüchtlinge unterzubringen: „So sehen sie aus, die Brüder: Fördermillionen vom Land Berlin kassieren – ok. Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen – ach ne. Klarer Fall von Retour“, so Lorentz Fazit. Zalandos Kommunikationschef René Gribnitz (früher Nachrichtenchef bei der Morgenpost) kontert bei Gründerszene, dass nicht das Unternehmen, sondern der Senat die Entscheidungsgewalt habe. Eine Doppelnutzung des Gebäudes (immerhin Europas größtes Baudenkmal) würde aus Unternehmenssicht nicht funktionieren: Dann lieber keine Messe: „Es wäre doch würdelos gegenüber den Flüchtlingen, wenn neben ihrer Notunterkunft eine Modeparty gefeiert würde“, sagt Griebnitz und betont weiter, dass Zalando als multinationales Unternehmen mit Mitarbeitern aus 100 Nationen ganz und gar nicht fremdenfeindlich sei. Die Argumentation ist valide. Außerdem ist Zalando immer noch ein Unternehmen und muss – auch aus Shareholder- und Stakeholder-Sicht – wirtschaftlich denken (auch wenn das in der Hauptstadt nicht unbedingt üblich ist). Die Messe macht im Ende vielleicht nicht den gravierenden Unterschied in den Büchern, aber sie ist ein Marketinginstrument, dass es zeitnah zu nutzen gilt. Siecht der Name „Bread & Butter“ für weitere Saisons dahin, verliert er womöglich seine Stahlkraft. Letztlich ist auch die Flüchtlingsfrage nichts anderes als eine gut lesbare Schlagzeile – mit viel heißer Berliner Luft dahinter.







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