Die fetten Zeiten sind vorerst vorbei! Der westfälische Modekonzern leidet wie viele andere unter der aktuellen Nachfrageschwäche. Grundsätzlich sieht sich das Unternehmen mit seinen Marken gut aufgestellt, aber gespart werden muss trotzdem - am Personal zum Beispiel.

Gerry Weber stößt in Deutschland an seine Expansionsgrenze

Gerry Weber stößt in Deutschland an seine Expansionsgrenze

In einem Gespräch mit dem manager magazin (Ausgabe: 09/2015) erklärte Vorstandschef Ralf Weber, dass die Zahl der Beschäftigten sinken soll. Primär will er die natürlich Fluktuation ausnutzen und befristete Arbeitsverträge nicht verlängern. Aber auch Kündigungen schloss Weber nicht aus. „Massive Einschnitte“ soll es bei der Gerry Weber International AG allerdings nicht geben.

Gerry Weber muss außerhalb Deutschlands Marktanteile gewinnen

Grundsätzlich sieht sich das Unternehmen mit seinen vier Markenfamilien, Gerry Weber, Taifun, Samoon und Hallhuber, gut aufgestellt. Jede Frau – von 20 bis 70 – könne damit bedient werden. Das bedeutet viel Wachstumspotential im Inland wie im Ausland, das es zukünftig zu nutzen gilt, so die Parole aus Halle/Westfalen. Der Schlachtruf gilt aber nicht für alle Marken gleich stark: „Die Marke Gerry Weber ist bereits sehr gut distribuiert, so dass wir hier das Expansionstempo in Deutschland drosseln werden“, erklärte Ralf Weber in einer Mitteilung. Hier will das Unternehmen den Fokus im Sinne eines profitablen Wachstums lieber auf den Ausbau der in Eigenregie geführten Verkaufspunkt in Europa, vor allem Skandinavien und Zentral- und Osteuropa, legen. Laut manager magazin sollen aber auch die US-Expansionspläne überprüft werden.

Die zweitgrößte Marke im Portfolio, Taifun (17% Umsatzanteil) entwickelt sich gut. Die Investitionen in die Weiterentwicklung und Schärfung der Kollektion in den letzten zwei Jahren zahlen sich endlich aus. CPO Arnd Buchardt bestätigte, dass der Abverkauf der neuen Herbst/Winterkollektion „erste Erfolge, die sich in einer gestiegenen Nachfrage“ widerspiegeln, zeitige.

Rising Star? Hallhuber hat Potential

Für die Marke HALLHUBER sehen wir enormes Wachstumspotenzial in Deutschland und Europa“, so Ralf Weber.

Für die Marke Hallhuber sehen wir enormes Wachstumspotenzial in Deutschland und Europa“, so Ralf Weber.

In Großen und Ganzen erfreulich entwickelt sich auch das jüngste Familienmitglied Hallhuber. Die urbane Marke aus München richtet sich, anders als die anderen Marken, bereits an die junge Kunden ab 20 statt an die +35-Jährigen. Die Hallhuber-Umsätze sollen dieses Jahr um 16-20% auf 110 Mio. bis 120 Mio. Euro steigen. Das Umsatzplus wird allerdings weniger durch flächenbereinigte Zuwächse (im ersten Halbjahr: +1%) als  vielmehr durch die forcierte Flächenexpansion erreicht. Statt der ursprünglich geplanten 30 neuen Läden, soll es dieses Jahr 50 Neueröffnungen geben. Auch wenn das einiges kostet, rechnet Konzernchef Ralf Weber damit, dass Hallhuber im ersten Jahr der Konsolidierung trotzdem einen „positiven Beitrag zum Unternehmenserfolg“ betragen kann.

Ärger mit der Aufsicht

Der großen Vision zum Trotz steigen die konzernübergreifenden Umsätze wegen niedriger Frequenzen, ungünstiger Wetterbedingungen und satten Rabatten nicht so stark wie die Kosten. Im Juni gab Gerry Weber daher eine Gewinnwarnung aus. Das EBIT soll rund 20 bis 25% unter dem Vorjahr liegen. Der dadurch hervorgerufene Kurzsturz rief die Börsenaufsicht Bafin auf den Plan, die die Entwicklung jetzt routinemäßig prüft. „Das derzeit herausfordernde Marktumfeld für die gesamte Modeindustrie macht es uns nicht gerade leicht unsere Wachstumsziele umzusetzen“, räumt Weber ein. Um wieder auf einen profitablen Wachstumskurs zu kommen, arbeite das Unternehmen daran, das Geschäftsmodell weiter zu vertikalisieren, um schneller auf die Bedürfnisse der Zielgruppe eingehen zu können.