Ein Käfig voller Narren: Guccis neuer intellektueller Look
Unpassend passend: Die erste Kollektion von Alessandro Michele für das Mailänder Modehaus zeigte einen bunten Strauß an Retro-Themen und Romantik.
Alessandro Micheles Debütkollektion ist in dieser Woche wohl das meist besprochene Thema in Mailand. Der Nachfolger von Frida Giannini, der bislang nur die Accessoires für das Modehaus verantwortete, verzichtete auf eine klare Botschaft, sondern spielte mit Diskrepanzen. Michele vermischte Unzeitgemäßes, Unsexuelles mit einem gewissen Maß an Understatement – damit zeigte sich Gucci trotz einiger Busenblitzer deutlich weniger ästhetisch ausgereift und feminin wie es unter Gianninis Ägide der Fall war. Trotzdem wirkte die Kollektion aufgrund der vielen Vintage-Einflüsse recht romantisch.
Hoch geschlossene Blusen mit Schluppen und Schleifchen, ein maskuliner Matrosenanzug, ein strenger Military-Mantel, ein Leder-Plisseerock in Midilänge, ein hülliger Flauschmantel, transparente Midi-Kleider oder überlange Volantkleider und Kaftane waren nur einige der Themen, an denen sich Michele austobte. Basken- und gestrickte Bommelmützen waren beliebte Accessoires, ebenso wie runde Brillen, Logo-Gürtel oder üppiger Halsschmuck. Schönstes Beiwerk war ein aufgestickter, sehr echt wirkender Vogel. Bei vielen Kleidern zeigte Michele blumige Retro-Prints, die er in den Archiven aufgestöbert hatte. Überhaupt ließ er sich viel von der Vergangenheit inspirieren. Einige Looks sahen so aus, als ob sie eine Zeitreise aus „Die Straßen von San Francisco“ hinter sich hatten – und passen vielleicht gerade deshalb wieder so gut ins Heute. Trotzdem zeigten sich Presse und Handel nur verhalten zufrieden: Kommerziell und modern, aber nicht wirklich frisch, so das Fazit. Auch wenn der Look für Gucci neu ist, haben ihn andere Modehäuser schon viel früher für sich entdeckt.
Fotos: Gucci





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